Puppenstuben-Umzug: Arbeit für sieben Tage

Helene Ott (links) stellte Teile ihrer Sammlung für die Ausstellung zur Verfügung. Dr. Agnes Zelck kam auf die Idee, auf der Burg und im Drahtmuseum die „große Welt in klein“ zu zeigen. -  Fotos: Keim

Altena - Stattliche Kisten, Kartons und Kartönchen stapeln sich in einem Raum des Drahtmuseums. Das ist alles, was von einer der erfolgreichsten Ausstellungen der jüngeren Zeit noch zu sehen ist. Darin verpackt warten Kinderträume aus vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten auf den Rücktransport nach Stuttgart.

Von Thomas Keim

Die Ausstellung „Große Welt in Klein“ über Puppenstuben und Kaufläden aus der einzigartigen Sammlung von Gerda Ott ist abgebaut. Kaum eine Sonderausstellung in den Museen des Märkischen Kreises hat in den letzten Jahren so viel Resonanz gefunden. Im Drahtmuseum und auf der Burg waren 50 Puppenstuben und 30 Kaufläden zu sehen, die bis zu 180 Jahre alt sind.

Eröffnet am 11. November 2012, wurde die Ausstellung zwei mal verlängert und der umfangreich bebilderte Katalog zwei mal nachgedruckt, weil das Besucherinteresse auch über diesen erstaunlich langen Zeitraum nicht nachließ.

Aber irgendwann sollte Schluss sein, und das war jetzt der Fall. Die Präsentation musste abgebaut werden. Angesichts der schieren Fülle an kleinen und kleinsten Einzelteilen geriet das zu einer Aufgabe, gegen die ein „normaler“ Haushaltsumzug fast banal erscheint. Eine ganze Woche lang arbeiteten fünf Männer und Frauen daran, die Exponate für den Rücktransport nach Stuttgart vorzubereiten. Dr. Agnes Zelck, Gerda Ott als Leihgeberin, ihre Freundin Kornelia Hermann, Andreas John und Nora Samhouri (Freiwillige im Sozialen Jahr) hatten im Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. „Da hat ma ranklotze müsse“, schwäbelt die Leihgeberin.

Es war eine sehr gute Vorbereitung und ein stimmiges Organisationskonzept gefragt, wenn nicht ein gehöriges Durcheinander entstehen sollte. Denn ein Inventarverzeichnis, eine Liste all der Kleinigkeiten, die zu einer adretten Puppenstube oder einem vollständigen Kaufmannsladen gehören, das gab es nicht. „Das liegt im Gedächtnis von Frau Ott“, berichtet Dr. Agnes Zelck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Burgmuseen, die die Ausstellung nach Altena geholt hat.

Jedem Objekt war von vornherein eine Beschreibung mit einer Nummer zugeordnet, die weiterlaufend für die Schutzfolien und die Kartons verwendet wurde. Nur so kam auch für den Rücktransport wieder zusammen, was zusammen gehört.

Jedes Kleinteil, jeder Spiegel aus dem Puppensalon und jeder Mörser aus der üppig ausgestatteten Apotheke des 19. Jahrhunderts, musste einzeln in die Hand genommen und in Papier eingeschlagen werden. War das Inventar der einstigen Spiellandschaft verpackt, ging es an die Gehäuse. Darunter waren Schätze wie ein Marktstand aus der Biedermeier-Zeit, der um 1850 gefertigt wurde, mit einer klappbaren Lade - der eigentlichen Verkaufstheke. „Daher“, erklärt Dr. Agnes Zelck, „stammt die noch heute gebrauchte Redewendung, dass ein Laden geöffnet hat.“ Die „Große Welt in Klein“ war nicht nur sehenswert, sie war auch lehrreich.

Gerda Otts gesammelte Kinderträume aus der Vergangenheit haben schon viele gesehen. Die Ausstellung war im Martin-Gropius-Bau und im Kaufhaus KaDeWe in Berlin zu sehen und auch auf der Weltausstellung in Hannover - aber selbst dort war der Umfang der gezeigten Stücke eingeschränkt, nicht so groß wie in der Burgstadt. „Des wird’s nicht glei’ wieder gebe“, sagt Ott. - tk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare