Der mit den Puppen tanzt: Gerd Berg bringt Marionetten Qi Gong bei

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Den Seemann begleitet Gerd Berg auf dem Akkordeon.

Altena – 40 Puppen gehören zur Sammlung von Gerd Berg (80). Mit ihnen hat er schon hunderte Kinder und Erwachsene unterhalten. Nun lernen die Marionetten Qi Gong.

„Der Puppenspieler von Mexiko war einmal traurig und einmal froh“, sang 1972 Roberto Blanco frei nach Tom Jones. Für den Puppenspieler von Evingsen, Gerd Berg, trifft das nicht zu: Der 80-Jährige scheint eine tief verankerte Heiterkeit in sich zu tragen. 

Er nennt 40 Marionetten und Handpuppen sein Eigen, und er ist viel unterwegs mit ihnen. Bei Senioren und bei Kindern, in der Burgstadt und in der Umgebung. Bis nach Dortmund und Köln haben ihn seine Auftritte geführt.

Diakon bei der Reparatur

 „Ich mache das nicht für Geld“, stellt er klar. „Ich mache das für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.“ Mit seinen Hauptdarstellern ist er auf Du und Du, sagt Berg. Das sind der Seemann, der Opa, der junge Stepptänzer, der Dirigent, der Schornsteinfeger und die Oma. Und es gibt auch einen Diakon in seiner Puppensammlung, „aber er ist im Moment in Reparatur“, sagt Berg. 

Ein Spieler und seine Figuren: Gerd Berg und die Marionetten.

Die meisten seiner Figuren bestehen aus Lindenholz. „Das ist besonders geeignet.“ Für seine Auftritte hat der 80-Jährige zahlreiche kleine Stücke vorbereitet. Sie handeln von einem chinesischen Mädchen, vom Seemann, vom Brief der Mutter und von einer Oma, die einen Schal strickt und Polka tanzen kann. 

Laminat für den Stepptänzer

Imposant auch der Stepptänzer. Soll er seine Kunst präsentieren, legt Berg zunächst eine Laminatplatte aus – dann kommt das Stakkato des Schuhwerks akustisch einfach besser zur Geltung. 

Gerd Berg, der 40 Jahre lang als Werkzeugmacher in der Firma Bierbach gearbeitet hat, ist mit dem Puppenspiel aufgewachsen. In Warne in der ehemaligen DDR betrieb sein Vater, eigentlich Stellwerkmeister, nebenberuflich eine Puppenbühne, mit der er durch die Umgebung zog. Klar, dass Gerd Berg und seine beiden Brüder bald Gefallen am abwechslungsreichen Geschehen fanden. 

1958 folgte die Flucht in die Westen, und das Puppenspiel sollte lange Zeit ruhen. Erst als Rentner erinnerte sich Gerd Berg wieder seiner alten Leidenschaft aus Kindertagen. 

Von Kinderdörfern bis Pflegeheime

Kindergärten, Kirchencafés, Pflegeheime und das SOS-Kinderdorf wurden zu seinen Auftrittsorten. Nicht selten war er dabei auch mit Clown „Pico“ alias Heinz Mührmann unterwegs. 

"Großer Gott, wir loben dich“ lässt Berg eine seiner Puppen bei kirchlichen Veranstaltungen anstimmen.

In einer Einrichtung in Lüdenscheid, so erinnert sich der Evingser, konnten die Bewohner wählen, ob für einen besonderen Tag ein Ausflug in den Zoo gebucht werden sollte oder eine Schifffahrt auf der Bigge. „Nein, Gerd Berg soll kommen, haben die Bewohner gesagt.“ Das hat ihn besonders gefreut. 

Es geht dem Evingser überhaupt darum, Freude zu verbreiten. „Ich habe selbst Freude daran, wenn die Menschen sich freuen“, betont Berg. Das Marionettenspiel habe viel mit Fantasie zu tun, sagt er. „Die Fantasie des Kindes ist etwas, das sich jeder kluge Mensch bewahren sollte.“ 

Was der Spieler kann, sollen Puppen auch lernen

Der 80-Jährige sieht noch mehr positive Effekte. „Das hält mich geistig und körperlich fit.“ Das gilt auch für ein anderes Hobby, das der Evingser vor fünf Jahren für sich entdeckt hat: Thai Chi und seit einiger Zeit auch Qi Gong. Diese asiatischen Entspannungstechniken faszinieren Berg. „Man kann die Übungen sehr langsam machen, aber auch mit jeder Musik, deren Tempo und Takt zur persönlichen Stimmung passen.“ 

Balanceakt: Das hat Gerd Berg beim Qi Gong gelernt.

Gerade die Langsamkeit sei eine „natürliche und edle Eigenschaft des Menschen. Im Hightech-Zeitalter droht sie verloren zu gehen“, meint Berg. Er will gegensteuern: „Ich versuche jetzt, meinen Marionetten Qi Gong beizubringen.“ 

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