Auch Puppenhaut braucht Creme

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Was fehlt ihr denn? Margret Bühnen mit einer kleinen „Patientin“. ▪

ALTENA ▪ Mehr als 100 Jahre alt waren manche der Patienten, die am Samstag auf die Burg Altena gebracht wurden. Und ihre Leiden waren vielfältig: Verloren gegangene oder demolierte Gliedmaßen, eingedrückte Köpfe oder Fehlstellungen der Augen. „Behandelt“ werden sie in den nächsten 14 Tagen von Margret Bühnen und ihrer Freundin Christa Körber. Sie sind einige der wenigen Puppendoktoren Deutschlands und „praktizieren“ in Dortmund.

Am Wochenende konnte man in der Cafeteria Puppen, Teddys und Plüschtiere zur Reparatur abgeben oder das alte Spielzeug schätzen lassen. Aus Lüdenscheid war Gudrun Weigel angereist. Sie hatte vor 60 Jahren eine Schildkröt-Puppe von ihrer ältesten Schwester geschenkt bekommen. Ein Hundebiss hatte das Puppenbein zerstört, nun soll sie von den kundigen Händen der Puppendoktorin wieder repariert werden. „Meine Schwester leidet an Demenz, sie weiß nicht mehr, dass sie mir diese Puppe geschenkt hat. Für mich ist sie ein wertvolles Andenken“, erklärt Weigel ihre Motivation, die Puppe wieder herstellen zu lassen. Renate Hauffe war ebenfalls aus Lüdenscheid angereist. Für 50 Euro „behandelt“ Bühnen die hellen Farbflecke im Gesicht einer großen Babypuppe und ersetzt die ausgeleierten Gummis der Arme und Beine bei einer kleinen Puppe.

Familie Wienecke war aus Arnsberg gekommen, im Gepäck einen ganzen Karton alter Puppen unterschiedlicher Größe. „Was ist diese Puppe wert?“, wollten sie wissen. Es handelte sich um ein Exemplar, das schon seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist. Die Fachfrau schätzte den Wert auf 400 Euro, da der Markt aber zur Zeit sehr schlecht sei, ebenso der Zustand der Puppe,würde man höchstens 100 Euro erhalten. Daher riet Körber, die Puppe zunächst reparieren zu lassen und sie dann innerhalb der Familie zu vererben.

„Die Puppen sind ein Spiegelbild ihrer Zeit“, berichtet Bühnen. „Waren die Zeiten schlecht, waren auch die Materialien, aus denen die Puppen hergestellt wurden, nicht besonders gut.“ Sie rät den Besitzern alter Zelluloid-Puppen, sie einmal jährlich mit Vaseline einzureiben, da die Weichmacher im Zelluloid mit den Jahren austrocknen und die Puppenkörper spröde werden.

Inzwischen sucht die Puppendoktorin einen Nachfolger. „Beigebracht habe ich mir alles alleine. Man muss viel lesen und auch viel ausprobieren. Und man braucht sehr viel Geduld.“

In 14 Tagen sind die Freundinnen mit einer Puppenbörse, in der sie altes Spielzeug zum Verkauf anbieten, erneut zu Gast auf der Burg. Dann erfolgt auch die Rückgabe der „Patienten“. ▪ Von Silvia Sauser

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