Prozessauftakt

Tödliche Explosion in Evingsen: Das sagt der Hausbesitzer

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Auch für den Tod eines Menschen müssen sich die Angeklagten seit gestern vor Gericht verantworten.

Altena – Viele Rätsel rund um die Explosion eines Hauses in Evingsen am 18. Juli wurden am Donnerstag im Amtsgericht Lüdenscheid aufgeklärt. Offen ist allerdings weiterhin, ob der mitangeklagte Eigentümer des mittlerweile abgerissenen Hauses an der Straße „Zur Roleye“ tatsächlich der Auftraggeber der Brandstiftung war. 

„Der Anklagevorwurf ist unbegründet und wird zurückgewiesen“, sagte Verteidiger Heiko Kölz im Namen seines 35-jährigen Mandanten, der sich ansonsten zunächst nicht zum Vorwurf der Anstiftung zu schwerer Brandstiftung äußern mochte. 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seinen bei der Explosion innerhalb des Hauses ums Leben gekommenen Cousin angestiftet zu haben, die erwarteten Abbruchkosten für das verrottete Fertighaus aus den 70er Jahren stark zu drücken und möglicherweise darüber hinaus die Zahlung von Versicherungsleistungen zu veranlassen.

Cousins sprachen über möglichst preiswerten Abbruch des Hauses

Beide Männer stammen aus Bosnien-Herzegowina. Den einen verschlug es nach Altena, den anderen nach Metz in Frankreich, wo er in einer Abbruchfirma arbeitete. Unbestreitbar waren Kontakte zwischen den beiden Cousins, bei denen auch über den möglichst preiswerten Abbruch des Hauses gesprochen wurde. 

Zusammenfassung: Darum geht es im Prozess

Der Angeklagte übergab seinem 31-jährigen Cousin einen Schlüssel zu dem Haus - angeblich, damit dieser sich ein Bild von den zu erwartenden Kosten machen konnte. „Wir wollten das Haus ganz normal abreißen“, versicherte die Ehefrau des 35-Jährigen.

Explosion in Einfamilienhaus in Altena-Evingsen - Dachstuhl steht in Flammen

Die in einem Altenaer Unternehmen tätige Frau mit gutem Einkommen legte ihre finanziellen Verhältnisse offen, um zu belegen, dass die Abrisskosten für das Paar kein Problem darstellten. 

Aussagen des Mitangeklagten passen nicht zu denen der Zeugen

Hätte es demnach keinen Auftrag für den warmen Abriss des Hauses von Altena aus gegeben, fiele die Verantwortung für die Brandstiftung weitgehend auf den Verstorbenen. Sein wegen Beihilfe zu schwerer Brandstiftung mitangeklagter Komplize (34) behauptete, er habe nach der Fahrt von Metz nach Deutschland erst kurz vor der Ankunft in Evingsen von den Plänen des Verstorbenen erfahren. 

Noch in Luxemburg habe der 31-Jährige zwei Kanister Benzin gekauft. „Zehn Minuten vor der Ankunft sagte er mir, was er machen will mit dem Benzin.“ Er selbst sei dann vor dem Haus geblieben. Diese Behauptung passte nicht zu Aussagen der Nachbarn, dass beide Männer ins Haus gegangen seien. 

Entzünden der hochexplosiven Gasmischung war das Todesurteil

Dort erzeugte der Verstorbene durch das Verteilen des Benzins offenbar eine hochexplosive Gasmischung, die ihn beim Entzünden das Leben kostete. Mit schweren Verbrennungen rettete sich sein Mittäter aus dem Haus, unterhielt sich mit einer Zeugin noch auf Französisch und verlor im Krankenhaus das Bewusstsein. 

Als er wieder wach wurde, erzählte ihm die Krankenschwester, dass er „schon seit vier Tagen“ dort sei. Seinen Mitangeklagten aus Altena habe er noch nie gesehen, versicherte der Überlebende, der am Tattag mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen und nach Abschluss der Krankenhausbehandlung in Untersuchungshaft genommen wurde. Der Prozess wird am 21. Januar ab 9 Uhr fortgesetzt.

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