Prozessauftakt wegen erpresserischen Menschenraubes

Erpresser drohen ihrem Opfer aus Altena mit Verstümmelung

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Der Angeklagte im Gespräch mit seinem Verteidiger Andreas Trode.

Altena – Der nächtliche Überfall in einem Altenaer Mehrfamilienhaus muss für das Opfer ein ungeheurer Alptraum gewesen sein: Als der junge Unternehmer am 11. Dezember 2016 gegen drei Uhr morgens nach Hause kam, erwarteten ihn zwei maskierte Einbrecher. Seit Donnerstag wird der Fall vor dem Landgericht Hagen verhandelt - gegen den Haupttäter. Der zweite konnte bislang nicht ermittelt werden.

Die Ganoven waren durch ein auf Kipp stehendes Fenster eingedrungen, hatten weder Geld noch sonstige Wertgegenstände gefunden und daraufhin beschlossen, auf die Rückkehr des Bewohners zu warten. 

Als der nach Hause kam, sollen sie ihn mit einem Revolver bedroht haben, um von ihm das vermutete Versteck seines Bargeldes und eines angeblich vorhandenen Tresors zu erfahren.

Als sie auf diese Weise nicht weiterkamen, sollen die Täter ein Messer aus der Küche geholt und dem Opfer damit gedroht haben, ihm einen Finger abzuschneiden. 

Überweisung konnte nicht gelingen

Aufgrund der massiven Drohungen gegen Leib und Leben soll der Unternehmer den Tätern erklärt haben, sein Geld befinde sich auf einem Firmenkonto. 

Lesen Sie: Unternehmer aus Altena gekidnappt - DNA führt nach Iserlohn

Eine daraufhin erzwungene Überweisung von 200,000 Euro schlug aufgrund der Höhe der Summe fehl. Nach etwa vier Stunden verließen die Täter den Tatort. Sie ließen die Drohung zurück, in drei Tagen wiederzukommen, um 150.000 Euro in bar abzuholen. Statt zu zahlen, ging das Opfer zur Polizei.

45-jähriger Täter aus Iserlohn

Einer der beiden Täter ist bis heute unbekannt. Aber ein 45-jähriger Iserlohner muss sich seit Donnerstag wegen erpresserischen Menschenraubes und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Hagen verantworten. 

Er selbst äußerte sich noch nicht zu den Vorwürfen. Als Verdächtiger kam er durch eine DNA-Spur ins Visier der Ermittler. Denn die beiden Einbrecher hatten sich während ihres recht langen Aufenthalts mit Wasserflaschen und Nahrungsmitteln versorgt und in der Wohnung eines Nichtrauchers gepafft.

Zigarettenstummel aus dem Klo gefischt

Einen der zurückgelassenen Zigarettenstummel hatte das Opfer nach dem Abrücken der Täter noch selber aus der Toilette gefischt. „Die Geschichte hörte sich merkwürdig an - ein wenig wirr, nicht logisch, sondern quer durch die Bank erzählt“, gab ein Polizist im Zeugenstand seinen ersten Eindruck von der Vernehmung des Opfers wieder. 

„200.000 Euro sollte er überweisen. Wenn er die Kohle nicht raus tue, werde es ihm nicht gut gehen“, erinnerte er sich an das Gehörte. „Wenn du uns das Geld nicht gibst, schneiden wir dir einen Finger ab“, ergänzte eine Polizeibeamtin aus einer weiteren Vernehmung.

Fortsetzung am 27. März

Die verlangte Barzahlung von 150.000 Euro sei noch nicht das Ende der Forderungen gewesen, wusste die Ermittlerin. „Die wollten ein Drittel vom Verdienst der Firma.“ 

Aus den Akten vervollständigte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz ein weiteres Detail der merkwürdigen Selbstrechtfertigungen der Täter: „Man könne in Altena nicht so viel Geld verdienen, ohne Schutzgeld zu bezahlen.“

Der Prozess wird am 27. März ab 15 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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