Marihuanaplantage unterm Dach

Polizei observierte Haus in Altena mit Drohne

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In Hagen läuft ein interessanter Gerichtsprozess.

Altena - Lediglich zu seinen persönlichen Verhältnissen und seinem Lebensweg äußerte sich im Landgericht Hagen am ersten Prozesstag ein 31-jähriger Angeklagter, dem die Staatsanwaltschaft den Anbau und den Handel mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel vorwirft.

Zu den Tatvorwürfen äußerte sich der Mann aus Essen nicht. Er erklärte gegenüber der sechsten großen Strafkammer lediglich, dass er nie Rauschgift konsumiert habe und gab Auskünfte über seinen beruflichen Werdegang.

Ermittler der Kriminalpolizei hatten sich lange mit den Vorgängen rund um das Dachgeschoss eines leer stehenden und heruntergekommenen Hauses an der Bahnhofstraße in Altena beschäftigt, bevor sie am 2. Februar 2016 zugriffen. 

Ab September 2015 hatten sie das Haus mit einer Video-Kamera observiert und 33 Besuche in der Wohnung registriert. Nach der Identifizierung einer der Personen folgte eine Telefonüberwachung. Eine Drohne mit Wärmebildkamera brachte Aufschlüsse darüber, was in der Wohnung geschah. Dort fanden die Beamten schließlich in einem 36 Quadratmeter großen Raum eine zumindestens in Teilen erntereife Marihuana-Plantage mit 363 Hanfpflanzen in einer Größe zwischen 30 Zentimetern und einem Meter. Die sichergestellten 14 Kilogramm Marihuana enthielten 2,16 Kilogramm reinen Wirkstoff, der den Namen Tetrahydrocannabinol (THC) trägt.

Mochte die Situation am Tatort auch völlig unzweifelhaft sein, so gestaltete sich die Suche nach den Tätern eher schwierig. Neben dem nun verbliebenen 31-jährigen Angeklagten soll ein 48-jähriger Mann aus Antwerpen an der Geschichte beteiligt gewesen sein. Auch gegen zwei niederländische Staatsbürger wurde zwischenzeitlich ermittelt. Übrig geblieben ist nur der 31-Jährige, der im Amtsgericht Lüdenscheid noch die vorübergehende Pflege der Pflänzchen eingeräumt hatte.

Plante er darüber hinaus aber auch den Verkauf der Ware? War er der Initiator der ganzen Geschichte? Oder lediglich der Gärtner? Oder geriet er nur zufällig immer wieder in die Videokamera der Polizei? Die Vermieterin der Wohnung konnte sich im Amtsgericht kaum noch an Details des Mietvertrages erinnern. Waren in dem stolzen Mietzins von 950 Euro monatlich die Nebenkosten enthalten? Welche Rolle spielte der Mieter, dessen Personalausweis sie sich kopiert hatte und dessen Name in den gesamten sonstigen Ermittlungen nicht auftauchte? Und hatte sie sich wirklich keine Gedanken gemacht, warum jener Mann bereit war, derart viel Geld für eine Bruchbude zu bezahlen?

Dass die sechste große Strafkammer sich nur zwei weitere Verhandlungstage gegeben hat, lässt vermuten, dass die Beweislage sich seit der Verhandlung vor dem Amtsgericht nicht wesentlich verbessert hat. Der von einem neuen Anwalt vertretene Angeklagte wunderte sich nach dem kurzen Prozessauftakt über die Zeitungsberichterstattung, die in Essen undenkbar sei. Mag sein, dass sich dort niemand um 14 Kilogramm Marihuana schert. Der erfahrene Richter Jürgen Leichter äußerte sich im Amtsgericht Lüdenscheid recht persönlich zu dem stattlichen Haufen Drogen: „Ich hatte eine solche Menge noch nicht.“

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