Prozess um Menschenraub: Warten aufs BKA

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Altena - Der Prozess gegen einen Iserlohner, der einen Altenaer Unternehmer erpresst und massiv bedroht haben soll, verzögert sich. Das BKA ist auf der Suche nach drei Männern aus Russland und Litauen.

Kein Urteil, sondern Ratlosigkeit im Umgang mit dem Bundeskriminalamt (BKA) gab es im Prozess gegen einen 45-jährigen Iserlohner, dem die Staatsanwaltschaft räuberischen Menschenraub vorwirft.

Der Angeklagte soll an einem nächtlichen Überfall auf einen 21-jährigen Jungunternehmer aus Altena beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 45-Jährige am 11. Dezember 2016 mit einem unbekannten Mittäter in eine Wohnung des Unternehmers eindrang, um Wertgegenstände zu stehlen, insbesondere aus einem in der Wohnung vermuteten Tresor. Als sie weder einen Tresor noch Bargeld vorfanden, sollen die Täter beschlossen haben, auf den 21-Jährigen zu warten, der gegen 3 Uhr nachts nach Hause kam. 

Vier Stunden lang sollen die beiden Täter dann versucht haben, an Geld zu kommen. Sie sollen den Unternehmer mit vorgehaltener Waffe aufgefordert haben, das Versteck seines Bargeldes und seines Tresors zu verraten. Im weiteren Tatverlauf sollen sie damit gedroht haben, ihrem Opfer einen Finger abzuschneiden. Als der Altenaer angab, sein Geld befinde sich auf seinem Firmenkonto, zwangen ihn die Täter laut Anklageschrift zu einer Online-Überweisung. Als diese fehlgeschlagen sei, sollen sie ihn unter der Drohung wiederzukommen aufgefordert haben, ihnen drei Tage später 150 000 Euro Bargeld zu übergeben. 

Der Unternehmer kam dieser Aufforderung nicht nach, sondern schaltete die Polizei ein, die in der Wohnung DNA-Spuren des Angeklagten sicherstellte. Sie führten lange nach der Tat zur Festnahme des tatverdächtigen Iserlohners. 

Doch der Angeklagte rettete sich zunächst mit einer etwas abenteuerlichen Version der Geschichte jener Nacht: Die Täter hätten sich vor der Tat Kleidung von ihm ausgeliehen. In dieser habe sich auch die Zigarettenkippe mit seiner DNA-Spur befunden. Außerdem nannte der Angeklagte die Namen der drei angeblichen Täter – zwei Russen und ein Litauer.

Einer der beiden Russen soll erst zu vorgerückter Stunde am Tatort aufgetaucht sein, nachdem die anderen beiden ihn in der Wohnung des Opfers angerufen hätten. Rechtsanwalt Andreas Trode stellte an diesem Punkt des Prozesses den Beweisantrag, den Identitäten dieser drei Männer nachzugehen. 

Aus der ersten großen Strafkammer wurde eine Art Fahndungsbehörde, die sich auf die Suche machte. Ansprechpartner, um nach Bürgern anderer Staaten zu fahnden, ist das BKA, das wiederum über Verbindungspersonen in anderen Ländern verfügt. 

Beim BKA hat sich seit der Anfrage der ersten großen Strafkammer aber offenbar nicht viel getan, wie nun vor Gericht deutlich wurde. Auf telefonische Nachfrage der Strafkammer kündigte eine BKA-Mitarbeiterin an, sich kurzfristig um die Angelegenheit kümmern und zurückrufen zu wollten. Dieser Anruf blieb aus, beim zweiten Anruf im BKA war dort niemand mehr erreichbar. 

So blieb nichts anderes übrig, als den Prozess ein weiteres Mal zu verlängern. Sollte sich die Suche nach den drei Männern weiter hinziehen, müssten die Richter weitere „Sprungtermine“ absolvieren, bis es ein Ergebnis gibt. Grundlegend ist zu klären, ob diese drei angeblichen Täter existieren. Und erst dann kann überprüft werden, ob sie auch tatsächlich am 11. Dezember 2016 bei dem 21-Jährigen in der Wohnung in Altena waren.

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