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Der Brandstifter wusste, was er tat

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Von: Thomas Krumm

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Beide Streifenwagen der Altenaer Wache brannten bei dem Vorfall aus. Es entstand immenser Schaden.
Beide Streifenwagen der Altenaer Wache brannten bei dem Vorfall aus. Es entstand immenser Schaden. © Schäfer, Lars

Im Prozess gegen den 30-jährigen Brandstifter, der Ende Juli 2021 an der Polizeiwache Altena drei Polizeifahrzeuge in Brand setzte und dadurch weitgehend zerstörte, hat der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Pedro Faustmann dem Angeklagten eine verminderte, aber nicht aufgehobene Schuldfähigkeit attestiert.

Altena -Hinsichtlich der Einsichtsfähigkeit des Angeklagten sah der Gutachter keine Einschränkungen: „Das war kein Zustand, in dem er nicht mehr wusste, was er tat. Er war in keinem psychotischen Realitätsbruch.“ Im Gegenteil habe der Angeklagte seine Anschläge längerfristig geplant und seine Ziele konsequent verfolgt. Vor Gericht hatte der Angeklagte berichtet, dass er am Tatort noch gezögert habe. „Mir war schon klar, was ich da tue“, zitierte ihn der Gutachter. Die von ihm „systematisch weitergetriebenen“ Ideen hätten aber die Qualität einer wahnhaften Störung und ergäben ein Krankheitsbild „wie bei schizophrenen Störungen“.

Glaube an die eigene „Überwertigkeit“

Damit meinte der Sachverständige weniger die Ideen, die der 30-Jährige auf der Grundlage seiner systematischen Auseinandersetzung mit Texten über Corona und Corona-Impfstoffe, das Grundgesetz, das Geld- und Bankensystem, Napoleon und Hitler, die Ein-Dollar-Note, den Bürgerkrieg in den USA und vieles mehr entwickelte. Mit seinen daraus entstandenen Ideen befand er sich nicht in einer ganz persönlichen Wahnwelt. Paranoid sei aber sein Glaube an seine eigene „Überwertigkeit“. Diese lasse ihn glauben, dass er über besondere Fähigkeiten verfüge, andere Menschen aufzuklären und dass er die Welt in dieser Situation retten müsse. Entsprechend enttäuscht war er, als ihn Polizeibeamte bei Fahrten in die Hans-Prinzhorn-Klinik, die den Anschlägen vorausgingen, mehrfach belächelten für seine Ansichten. Aus dieser Kränkung heraus habe er dann den Plan entwickelt, durch das Anzünden der Polizeiautos ein Signal zu setzen und die Beamten zur Auseinandersetzung mit seinen Gedanken zu zwingen.

Mangelnde emotionale Kontrolle

Das Hauptproblem des Angeklagten sah der Gutachter nicht in dessen intellektueller Ausstattung, sondern in der mangelnden emotionalen Kontrolle. Er schilderte detailliert die schweren Hirnverletzungen, die der Angeklagte 2014 bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg zu einer Zwischenprüfung im Rahmen seiner damaligen Ausbildung erlitten hatte. Diese seien die Ursache für die schwere emotionale Störung. Der 30-Jährige sei deshalb „nicht vergleichbar mit einem Menschen, der keine hirnorganische Störung hat“.

Gefahr weiterer Taten ist groß

Der Sachverständige bestätigte durch sein Gutachten die Entscheidung des Amtsgerichts, die Verhandlung an das Landgericht abzugeben. Denn im Gegensatz zum vorherigen Gutachter, der eine Unterbringung in einer Drogenentzugsklinik als gangbaren Weg bezeichnet hatte, sah Faustmann die Voraussetzungen für eine Unterbringung des 30-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik als gegeben an – „weil weiterhin die Gefahr besteht, dass vergleichbare Taten begangen werden“.

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