Bandidos-Prozess in Hagen

Prozess gegen Rocker aus MK: Machtspiele unter Rivalen

Rocker-Prozess: Neustart am Landgericht Hagen
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Rocker-Prozess: Neustart am Landgericht Hagen

Der Prozess gegen sechs Männer, die den Bandidos angehören sollen, ist vor dem Landgericht nochmal von vorne gestartet. Im Gericht wird deutlich: Es geht um Macht und Herrschaft in der Rockerszene.

Altena – Im September 2020 erzwang der Rückzug einer Beisitzenden Richterin den Abbruch des Rocker-Prozesses mit sechs Angeklagten. Beim Neustart am Donnerstag (14. Januar) verlasen die beiden Staatsanwälte noch einmal die Anklageschrift, die den Männern unter anderem einen versuchten Mord vorwirft.

Doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass es beim Vorwurf bleiben wird: Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen berichtete über ein Rechtsgespräch mit der Staatsanwaltschaft und den Anwälten, das bereits vor dem Abbruch des Verfahrens geführt wurde.

Versuchter Mord: Vorwurf auf der Kippe

Darin war nicht mehr von einer möglichen Verurteilung wegen versuchten Mordes die Rede. Die Teilnehmer des Rechtsgesprächs wurden sich über den Verzicht auf diesen zentralen Anklagepunkt allerdings noch nicht einig. „Die Staatsanwaltschaft wollte über eine solche Lösung aus prozessökonomischen Gründen nachdenken“, erklärte die Vorsitzende. Der Weg zu einer Einigung, der das Verfahren abkürzt, scheint offen zu sein.

Sollte der Vorwurf des versuchten Mordes fallengelassen werden, blieben immer noch einige Delikte übrig: So auch Schüsse von Mitgliedern des „Bandidos“-Motorradclubs Hagen auf das Auto eines Freeway-Rider-Mitglieds. Der Pkw wurde durch Schläge angeblich stark demoliert, der Schuss traf die Stoßstange. Darüber hinaus wirft die Anklage den Beschuldigten Verstöße gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz, Nötigungen, Bedrohungen und gefährliche Körperverletzungen vor.

Altenaer Vize-Chef der Bandidos Hagen

Der einzige Angeklagte, der sich zu den Vorwürfen äußern wollte, gab zu, dass er in einem Lokal Reizgas eingesetzt hatte, um ein Mitglied eines anderen Motorradclubs zum Ausziehen seines Freeway-Rider-T-Shirts zu zwingen. Er habe sich bei zwei Frauen, die die Chemikalie ebenfalls eingeatmet hatten, entschuldigt und jeder von ihnen 500 Euro Schmerzensgeld gezahlt, teilte sein Verteidiger mit.

An dieser Aktion soll auch der 41-jährige Altenaer beteiligt gewesen sein, dem die Staatsanwaltschaft zudem die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorwirft. Als „Vice-President“ der Bandidos Hagen soll er an der Bespitzelung konkurrierender Gruppen, an der Planung von Aktionen und Machtdemonstrationen beteiligt gewesen sein. Die Bandidos sollen einen Alleinvertretungsanspruch für den Raum Hagen vertreten haben.

Verteidiger: „Jungs sind keine Intensivtäter“

Allerdings steht auch der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung offenbar auf eher tönernen Füßen. Einer der Anwälte schilderte das Nebeneinander von Bandidos und Freeway Riders als „friedliche Koexistenz“. Es habe lediglich „persönliche Probleme mit dem Präsidenten der Freeway Riders gegeben“. Seine Meinung: „Die Jungs sind keine Intensivtäter. Sie wurden nur intensiv verfolgt.“ Gemeint war die Strafverfolgung durch Polizei und Justiz. Schon beim ersten Anlauf hatten die Verteidiger dementiert, dass ihre Mandanten wirklich jemanden töten woltlen.

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