Sachverständige vor Gericht angehört

Tödliche Hausexplosion in Evingsen: Neue, grauenvolle Details

+
Der mitangeklagte Eigentümer der Schrottimmobilie (35) soll den Auftrag für die Brandstiftung erteilt haben.

Altena – Ein Toter wurde am 18. Juli nach einer Explosion in einem Haus in Altena-Evingsen geborgen. Vor Gericht wurden jetzt neue, grauenvolle Details bekannt.

Ein 34-Jähriger wurde als Begleiter des Brandopfers wegen Beihilfe zu schwerer Brandstiftung angeklagt. Der mitangeklagte Eigentümer der Schrottimmobilie (35) soll den Auftrag für die Brandstiftung erteilt haben.

Vier Sachverständige berichteten dem Schöffengericht am Amtsgericht Lüdenscheid am Montag von den Ergebnissen ihrer Untersuchungen. Eine Gerichtsmedizinerin kam dem Grauen der tödlichen Explosionsfolgen dabei am nächsten: „Hat er noch gelebt? Woran ist er gestorben?“, wollte Richter Andreas Lyra wissen. 

Die Sachverständige vermutete, dass das Opfer nicht durch die von ihm ausgelöste Explosion, sondern erst durch das darauffolgende Feuer getötet worden war, dem er aufgrund seines hilflosen Zustandes nicht mehr entkommen konnte. Darauf deuteten eingeatmete Rußpartikel hin. Die teilweise verkohlte Leiche wies aufgrund der Feuersbrunst schwerste Verbrennungen und Deformationen auf.

Übersicht: Was in Evingsen passiert ist

Die Gerichtsmedizinerin vermutete aber, dass der Todeskampf nicht lange gedauert haben könne. Ein Brandsachverständiger erklärte, dass das Feuer derart gewütet habe, dass nicht mehr festgestellt werden konnte, ob der Brand im Erdgeschoss oder im Obergeschoss, wo der Tote gefunden wurde, ausbrach. 

Explosion in Einfamilienhaus in Altena-Evingsen - Dachstuhl steht in Flammen

Der Experte hatte dabei kaum Zweifel an einer vorsätzlichen Brandstiftung. Der oder die Brandstifter hätten vor der Explosion einige Liter Benzin großflächig so verteilt, dass das ganze Haus innerhalb kürzester Zeit in Flammen stand. Ohne ausgasende Dämpfe sei Benzin gar nicht so leicht zu entzünden. Voraussetzung sei ein „Dampfpolster“, durch das der Kraftstoff in diesem Fall allerdings „vielleicht viel zu früh durchgezündet hat“. Nicht nur der Brandsachverständige stellte aromatischen Kohlenwasserstoffe - höchstwahrscheinlich Benzin-Rückstände - in der Brandruine fest. 

Zwei weitere Experten fanden vergleichbare Substanzen in einem Stück Spanplatte aus dem Erdgeschoss sowie in Hose und Socken des 34-jährigen Angeklagten, der das Brandopfer von Metz in Frankreich nach Altena begleitet hatte. Dass sich auch an seiner Kleidung Benzin-Spuren nachweisen ließen, könnte darauf hindeuten, dass er am Ausbringen der Flüssigkeit beteiligt war.

Auch für ihn hätte die Geschichte tödlich ausgehen können: Mit schweren Brandwunden wurde er in eine Spezialklinik in Duisburg geflogen. Nach der Anhörung der Sachverständigen ist das Schöffengericht mit dem Beweisprogramm weitgehend durch.

Am Donnerstag (24. Januar) sollen die Plädoyers und das Urteil folgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare