„Kein Nachteil für die Schüler“

Nur 35 Prozent der Altenaer Lehrer sind männlich

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Früher an Gymnasien in der Unterzahl: An allgemeinbildenden Schulen gibt es seit einigen Jahren mehr Lehrerinnen als Lehrer. Auch in Altena ist das der Fall, die Zahl der männlichen Lehrer jedoch vergleichsweise hoch.

Altena - Dass Schulen mit Lehrermangel zu kämpfen haben, wird oft thematisiert und ist vielen bekannt. Eine neue Studie des statistischen Landesamtes für Nordrhein-Westfalen, IT.NRW, zeigt jedoch, dass das Problem wörtlich zu nehmen ist: Es fehlen besonders männliche Lehrer und ein Blick auf die online einzusehenden Kollegien der Altenaer Schulen zeigt: Das gilt auch für die Burgstadt.

Wahrend laut der Zählung von IT.NRW der Anteil der männlichen Lehrer in Nordrhein-Westfalen seit dem Schuljahr 2011/12 von 30,4 auf 27,5 Prozent gesunken ist, sticht Altena mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Lehrern hervor: Derzeit sind von etwa 135 Lehrkräften ungefähr 35 Prozent männlich. Ein Grund dafür ist die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Männern am Burggymnasium. 34 Lehrerinnen stehen dort momentan 33 männlichen Kollegen gegenüber.

Landesweit liegt der Durchschnitt der männlichen Lehrer an Gymnasien bei 40,4 Prozent. Besonders extrem ist die Lage an Grundschulen, in NRW wie auch speziell in Altena. Momentan sind dort 8,8 Prozent der Lehrkräfte männlich, fünf Jahre zuvor waren es mit 9,4 Prozent nur unwesentlich mehr. Und auch in Altena sieht die Lage nicht viel besser aus: Von etwa 20 Lehrern an den beiden Grundschulen sind laut den Schulleitern nur vier männlich, was aber immerhin etwa 16,7 Prozent entspricht.

Kein Nachteil für die Schüler?

Jörg Schlüter, Grundschule Breitenhagen: „Das Vertrauensverhältnis ist gleich.“

Doch was bedeuten diese Zahlen für die Schüler? An den Schulen heißt es einstimmig: keinen Nachteil. Wolfgang Wilbers, Leiter der Grundschule Altena, misst dem Thema wenig Bedeutung bei: „Ich habe mich noch nie damit beschäftigt.“

Jörg Schlüter, Leiter an der Grundschule Breitenhagen, hat allerdings auch im privaten Bereich Erfahrungen mit den fehlenden männlichen Lehrkräften gemacht. „An der Schule meiner Kinder unterrichtet nicht ein Mann“, sagt er. Als gut oder schlecht sei das jedoch nicht zu bewerten. „Das ist einfach so.“ Seit er als Lehrer arbeite, habe er diese Erfahrung gemacht, auch an der Universität seien angehende männliche Lehrer eher Einzelfälle gewesen.

Dadurch, dass auch schon im Kindergarten überwiegend Erzieherinnen arbeiten, habe ein männlicher Kollege eine Art Sonderstellung. Mit Problemen würden männliche Schüler jedoch auch zu Lehrerinnen gehen. „Das Vertrauensverhältnis ist gleich“, ist sich Schlüter sicher.

Mit 11 männlichen und 33 weiblichen Lehrern liegt die Sekundarschule Altena/Nachrodt-Wiblingwerde ziemlich genau im Landesdurchschnitt. Dazu kommen je eine Schulsozialarbeiterin und ein -arbeiter. Außerdem arbeiten laut Direktorin Anne Rohde einige der Lehrerinnen in Teilzeit, sodass der Unterschied für die Schüler nicht so stark bemerkbar sei.

Sekundarschule achtet auf Genderaspekte

Dennoch wird an der Schule auch auf Genderaspekte geachtet, wie Rohde erklärt. So gebe es häufig zwei Klassenlehrer, wenn möglich einen Mann und eine Frau. Unter den Schülern wird diese Regel sogar strenger eingehalten: „Es werden immer eine Klassensprecherin und ein Klassensprecher gewählt“, sagt Rohde.

Und eine Besonderheit hat die 2012 gegründete Sekundarschule: „Im Gründungskollegium hatten wir nur einen Mann“, erzählt Rohde. Damit ist dort die Zahl der Lehrer sogar gestiegen.

Hans-Ulrich Holtkemper, Burggymnasium: „Jeder findet einen Ansprechpartner.“

Ein besonders ausgewogenes Kollegium kann das Burggymnasium vorweisen. Auch wenn im Kollegium insgesamt 41 Frauen und 35 Männer sind, so bleiben nach Abzug von sechs Referendarinnen und zwei männlichen sowie einer weiblichen außerunterrichtlichen Aushilfe fast gleich viele Lehrer und Lehrerinnen.

„Das Kollegium entspricht etwa der Schülerschaft, da findet jeder seinen Ansprechpartner“, sagt Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper. Erklären kann er sich das ausgewogene Kollegium mit der grundsätzlichen Geschichte des Gymnasiums. In den vergangenen Jahren seien in der ursprünglichen Männerdomäne immer mehr Frauen eingestellt worden, bis es sich jetzt zumindest in Altena ungefähr die Waage hält. „Das erkennt man auch am Kollegium. Viele Männer dort sind schon etwas älter, während die Frauen meist jünger sind.“

"Probleme mit Lehrern sind nicht geschlechterspezifisch"

Jana Opderbeck: „Manchen fehlt die Vaterfigur.“

Auch ein Blick von außerhalb der Schulen zeigt, dass der Frauenüberschuss an den Schulen für die männlichen Schüler offensichtlich keinen Nachteil bringt. Wie Jana Opderbeck, Leiterin und Psychologin bei der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Altena, erzählt, sind ihr noch keine Probleme dieser Art untergekommen. „Schüler haben natürlich manchmal Probleme mit Lehrern aber das ist nicht geschlechterspezifisch“, sagt sie.

Eine fehlende Vaterfigur sei jedoch hin und wieder Thema. „Vielleicht könnten da mehr männliche Lehrer helfen, aber diese männlichen Vorbilder finden Kinder auch in Sportvereinen. Die sind ja meist eher männlich geprägt.“

Die Beratungsstelle ist übrigens auch komplett weiblich besetzt. „Manchmal wünscht man sich einen Mann im Team, das ist immer gut. Nicht nur für die Jungen, sondern für die Beratung generell“, sagt Opderbeck. Spezielle Gruppenangebote für Jungen gebe es momentan auch nicht.

Auch wenn die Zahl der männlichen Lehrer stetig sinkt, unternehmen können die Schulen nur wenig, wie die Schulleiter erzählen: „Es bewerben sich generell mehr Frauen als Männer. Und wir wählen natürlich die Besten aus“, sagt Anne Rohde. „Ein Gegensteuern wäre da nicht zulässig“, stimmt auch Oberstudiendirektor Hans-Ulrich Holtkemper zu.

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