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Noch immer hohes Arbeitspensum für Schadenregulierer Sarx

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Von: Thomas Bender

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Volker Sarx und Andreas Opitz von der Provinzial-Versicherung
Volker Sarx und Andreas Opitz von der Provinzial-Versicherung berichten über die Abwicklung der Schäden. © Bender, Thomas

Volker Sarx hatte Urlaub, als das Wasser kam, freute sich auf ein paar ruhige Tage zuhause. Daraus wurde nichts: „Wenn ich durch die Stadt ging, wurde ich von allen Seiten angesprochen“, erinnert er sich an die ersten Tage nach der Flut. In Altena kennt man sich eben. Deshalb wussten viele, dass Sarx im Provinzialbüro Opitz, Rompza, Thompson und Nielsen für die Schadensbearbeitung zuständig ist. „Als ich am 19. Juli an meinen Schreibtisch zurückkehrte, hatte ich schon ganz viele Fotos auf meinem Handy“, erinnert er sich.

Altena - Unmittelbar vor dem Gespräch mit der Presse verabschiedete Sarx eine Betroffene: „Mit dem Hausrat sind wir durch, Gebäude dauert noch ein bisschen“. Über 200 Schäden sind der Geschäftsstelle im Bahnhof inzwischen aufgelaufen, in vielen Fällen sind sowohl Hausrat als auch das Gebäude betroffen – dann bewähre es sich, wenn beide Versicherungen bei einer Gesellschaft abgeschlossen seien. „Das macht die Sache etwas einfacher“.

Bautrockner liefen fast ein Jahr lang

Wobei das mit dem einfach so eine Sache ist. Einfach war und ist nämlich gar nichts. „Es gab im Umkreis von 200 Kilometern keine Bautrockner mehr“, erinnert sich Sarx. Sein Chef Andreas Opitz, selbst aktiver Rotarier, war in dieser Situation heilfroh über eine Spende des Rotary-Clubs Iserlohn-Stadtmitte, der eine größere Anzahl von Bautrocknern zur Verfügung stellte. „Wir haben sie erst vor ein paar Wochen zurückgebracht“, sagt Opitz – auch das zeigt, wie lange es dauert, bis alle Schäden behoben sind. Vor allem bei alten Häusern mit Bruchsteinwänden gehe viel Zeit ins Land, bis die Nässe aus den Mauern sei, weiß Sarx.

1,80 Meter Schlamm im Keller

Und vor dem Trocknen mussten in vielen Fällen erst mal Schlamm und Geröll aus den Gebäuden entfernt werden. 1,80 Meter hoch habe eine undefinierbare Masse im Keller eines Hauses in der Nette gestanden, weiß Opitz – „abpumpen konnte man das nicht, das musste man rausschaufeln“. Von unschätzbarem Wert sei das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer gewesen, die in den Tagen und Wochen nach der Flut an allen Ecken und Enden der Stadt mit angepackt hätten. Wären sie nicht gewesen, hätte man noch mehr Aufräumarbeiten an Unternehmen vergeben müssen.

Bei Hochwasserschäden sind viele Gewerke betroffen

Nichts sei schlimmer als ein durch Hochwasser verursachter Gebäudeschaden, meint Sarx. Wenn der Sturm ein Dach abdecke, komme der Dachdecker und beseitige den Schaden – „aber bei einem Schaden durch Hochwasser sind viele Gewerke betroffen“. Elektriker, Installateure, Maler, Fliesenleger, Maurer, Stuckateure, Schreiner: In vielen von der Flut betroffenen Häusern gaben sich die Handwerker die Klinke in die Hand – vorausgesetzt, man bekam welche, die ihrerseits wiederum das benötigte Material bekommen konnten.

„Vom Kleinschaden bis hinein in den siebenstelligen Bereich war wirklich alles dabei“, berichtet Opitz – besonders hohe Schäden meldeten einige Industriekunden. Totalschäden wie an vielen Stellen im Ahrtal habe es seines Wissens in Altena nicht gegeben, sagt Sarx – „aber in manchen Fällen standen wir ganz knapp davor“. Etwa 75 Prozent der Schäden seien inzwischen abgearbeitet, berichten die beiden. Deutlich über zehn Millionen Euro werde die Provinzial am Ende an ihre Versicherungsnehmer in Altena ausgezahlt haben.

Probleme mit Gutachtern

Die Zeit nach der Flut war auch die Zeit der Gutachter. Sarx darf wegen seiner Ausbildung Schäden bis zu einer Höhe von 30000 Euro selbst regeln. Wird es teurer, müssen Gutachter her – teils aus der Provinzial-Zentrale, teils selbstständig tätige Sachverständige. „Die haben die Leute sogar aus Berlin hierhin geholt“, sagt Opitz und lässt durchblicken, dass die Erfahrungen nicht immer gut waren. Es habe teilweise lange gedauert, bis die Gutachten vorgelegen hätten – und vorher habe er die Deckung des Schadens nicht zusagen und auch keine Sofortzahlung leisten können, sagt Sarx.

Hohes Arbeitspensum

Die Abarbeitung der Schäden verlangt Sarx seit einem Jahr ein hohes Arbeitspensum ab. Hinzu kam vor allem anfangs auch noch die nervliche Belastung: „Die Leute haben ratlos und hilflos vor ihren Häusern gestanden. Das ist mir schon an die Nieren gegangen“, blickt er zurück. Das sei eine Zeit gewesen, wo es auch um die psychologische Unterstützung der Versicherten gegangen sei: „Die waren froh, dass jemand da war und zugehört hat“.

Trotz dieser Anspannung habe es bei der Abwicklung praktisch keine Konflikte gegeben, versichert Opitz: „Wir sind sogar ganz oft gelobt worden“. Gerade in solchen Fällen sei die räumliche Nähe zu den Kunden ein Vorteil.

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