Für Prof. Dr. Hans Weber fast ein Klassentreffen

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Hat in Altena Spuren hinterlassen: Prof. Dr. Hans Weber.

ALTENA - „Hier geht es heute zu wie bei einem Klassentreffen“, freuten sich Barbara Langos, Geschäftsführerin des Kulturrings Altena, der Veranstalter des Abends war, und Büchereileiter Antonius Gusik, der für die Lesung von Prof. Dr. Hans Weber das Lesecafé in der Stadtbücherei zur Verfügung gestellt hatte. Mehr als 30 Zuhörer folgten der Einladung, um Weber aus seiner Veröffentlichung „Nachholspiel“ lesen zu hören.

Seine Lebenserinnerungen der Nachkriegszeit spielten am Donnerstagabend eine entscheidende Rolle – vor allem aber die Passagen, in denen Weber an den Jungen Chor Altena erinnerte, den der Autor von 1954 bis 1971 leitete.

Viele seiner früheren Chormitglieder waren gekommen, schwelgten mit Weber in Erinnerungen der schönen, längst vergangenen Tage. Vor- und Nachnamen der Wegbegleiter von einst, ehemalige Klassenlehrer und Freunde wurden reihum geflüstert, während Weber an die Anfänge des Chores erinnerte, dessen Wurzeln im damaligen Schulchor im Burggymnasium lagen (1946). Auch Barbara Langos weiß noch um die Bedeutung des Jungen Chores Altena. Als sie 1973 nach Altena gekommen sei, seien viele Chöre am hohen Leistungsniveau des „Weber-Chores“ gemessen worden, erinnerte sie eingangs der Lesung, und erntete zahlreiches Kopfnicken.

„Mein Buch ist zum Selberlesen gedacht – nicht so sehr zum Vorlesen“, sagte Weber, der auf bescheidene Art seine Nachkriegserinnerungen vortrug. Die prägenden Erinnerungen und Bilder von damals seien sicherlich noch jedem auf seine ganz eigene Weise im Gedächtnis. „Ich hoffe sehr, dass in meiner Biografie genügend Übertragbares zu finden ist“, lud der Autor seine Zuhörer vielmehr ein, Vergleiche mit ihren persönlichen Erlebnissen zu ziehen. Sein Marsch nach Kriegsende zurück zu seinem Vater ins österreichische Linz, das Weber teilweise auch mit heiteren Erlebnissen beschrieb, war dafür ein gelungenes Beispiel. Als Reichsdeutsche wurden er und sein Vater noch im selben Jahr – 1945 – aus Österreich ausgewiesen. Unterschlupf fanden die beiden bei der Familie seines Freundes Herrmann aus der Marienekriegsschule – so kamen Vater und Sohn nach Werdohl.

„Wie hat man früher beim Metzger immer gesagt? ‘Darf es etwas mehr sein?’“, sagte Weber angesichts der fortgeschrittenen Abendstunde. Es durfte mehr sein. Ohne ein paar Erinnerungen aus der Chorgeschichte gehört zu haben, wollte noch niemand der Zuhörer nach Hause gehen. Dutzende von Rundfunkaufführungen und Live-Auftritte kann der Junge Chor Altena in seiner Chronik aufweisen. „1960 entstand sogar eine Schallplatte“, erinnerte Weber. Mehr als 100 Stimmen habe der Chor in seiner stärksten Phase gezählt. Von altem Liedgut bis hin zu modernen Tönen reichte die musikalische Palette. Solokünstler prägten die Auftritten ebenso, aber auch Kritiker fanden teils harsche Worte, um gerade das moderne Liedgut anzuprangern. „Aber wir flogen auf moderne Musik, weil sie fesselnd klang“, blickt Weber zurück. Und abschließend: „Man konnte ohne Übertreibung von einer Erfolgsgeschichte sprechen.“

von Susanne Riedl

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