Theater "Auf Draht“ in toller Form

+
Eine Szene mit Ulrike und Dietmar Vogt. ▪

ALTENA - Der Schein trügt: Je heller die Bühne für die Zuschauer erscheint, desto dunkler ist es „eigentlich“ für die Schauspieler. Und die Dunkelheit ist Segen und Fluch zugleich: Sie verbirgt und täuscht, rettet und verführt.

No ch fünf Aufführungen

Das Theater „Auf Draht“ zeigt die „Komödie im Dunkeln“ noch am Mittwoch, am Freitag und Samstag sowie in der kommenden Woche am Samstag und am Sonntag (21. und 22. Februar). Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr.

Von Thomas Krumm

Am Samstag hatte die „Komödie im Dunkeln“ in einer Inszenierung des Freien Theaters „Auf Draht“ Premiere im so gut wie ausverkauften großen Saal der Gaststätte „Lennestein“. Zu erleben war eine unterhaltsame Begegnung mit einer frühen „Farce“ des englischen Dramatikers Peter Shaffer aus dem Jahr 1965. 14 Jahre später sollte er durch sein Mozart-Drama „Amadeus“ weltberühmt werden.

Der „begabte, aber mittellose“ Künstler Brindsley Miller (Jens Weihl - im Dauerstress) hofft auf den Coup seines Lebens: Der russische Millionär und Kunstsammler Igor Godunow (Wolfgang Lengsfeld) hat sich bei ihm in London angekündigt, um Millers Werke zu sichten und dem verarmten Künstler möglicherweise viel Geld dazulassen. Das ist ein Termin, den wohl niemand in solcher Lage verschieben würde. Ähnlich verhält es sich mit der Ankunft von Colonel Melkett (zackig: Dietmar Vogt), dem Vater von Millers Verlobter Carol, dessen Eintreffen ebenfalls erwartet wird. Wer sich vor 50 Jahren für eine Frau interessierte, kam noch viel weniger als heute um ihren Vater herum. Auch dieser Termin ist also nicht zu verschieben.

Theaterpremiere: Auch „im Dunkeln“ viel zu lachen

Eher unerwünscht hingegen ist die Ankunft von Brindsleys „Verflossener“ Clea (rachedürstig: Kirsten Kreisel), die es sich anders überlegt hat, und die frühzeitige Rückkehr von Nachbar Harold Gorringe (Tobias Vogt), dessen Mobiliar Brindsley sich ausgeliehen hat, um wenigstens ein bisschen Eindruck bei seinem Schwiegervater zu machen. Bis auf den lange ausbleibenden russischen Millionär versammelt sich nach und nach eine hochbrisante Mischung von Menschen in der Wohnung. Zum Zünder in der interessanten sozialen Gemengelage wird ein Kurzschluss in der zentralen Stromversorgung. Ab sofort tappen die Figuren zumeist auf der Bühne herum, versorgen sich im Schutz der Dunkelheit mit gehaltvollen Getränken, und Brindsley Miller nutzt die Chance, um nach und nach die geliehenen Möbel in die Nachbarwohnung zu transferieren. Das Unternehmen kostet einige Beulen, viele Nerven und ist nur eingeschränkt erfolgreich.

Wirklich haarig wird es jedoch erst, als Brindsleys Verflossene Clea in der Dunkelheit Bösartiges über sich hört und sich gnadenlos rächt. Das Finale ist denkbar weit entfernt von einem Happyend und macht Friedrich Dürrenmatts böser Komödientheorie alle Ehre: „Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.“ Oder wie sagt der Colonel so schön: „In diesem Zimmer gehen höchst merkwürdige Dinge vor sich.“

Aber all das war die Art von Unglück, über das ohne Bedenken viel gelacht werden darf und soll. Dabei wäre für das, was in dieser Wohnung herumsteht, das Wort „Fettnäpfchen“ eine Verharmlosung. Denn bis auf einige helle Momente tappen die Akteure in der Dunkelheit in ganzen Fettfässern herum. Der lange Beifall galt schließlich nicht nur den Schauspielern auf der Bühne, sondern auch dem Stab dahinter – allen voran die Regisseurinnen Jessica Reinhardt und Sabine Marzineak.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare