Predigen als schönes Hobby

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Rolf Kaemper hat viele Jahre lang gepredigt.

ALTENA - Ihm wird etwas fehlen – keine Frage. Aber es sei auch mal schön, sonntags nichts vorzuhaben, meint Rolf Kaemper. Der 72-Jährige stand der Evangelischen Kirche 27 Jahre lang als Laienprediger zur Verfügung. Jetzt hört der Evingser aus gesundheitlichen Gründen auf.

„An sich war alles schön“, erinnert sich Rolf Kaemper gerne an die Zeit als Laienprediger zurück. Zum Beispiel das Goldhochzeitspaar, das während des Festgottesdienstes die ganze Zeit Händchen gehalten habe. „Das war so schön anzusehen, wie diese zwei älteren Leute immer noch so verliebt waren.“ Nächstes Jahr feiert Rolf Kaemper mit seiner Frau Lieselotte Goldene Hochzeit. Ob er dann auch so verliebt Händchen hält? „Wahrscheinlich“, schmunzelt er.

Rolf Kaemper war der erste Laienprediger aus Evingsen. Eher zufällig kam er zu dieser Aufgabe: An irgendeinem Sonntag hatte er bei der Austeilung des Abendmahls geholfen und das hatte einige Besucher irritiert. Sie hatten sich gefragt, ob er das denn dürfe. Ja, das habe er gedurft – in Anwesenheit eines Pfarrers darf auch ein Gemeindeglied beim Abendmahl helfen. Um aber größere Klarheit zu schaffen und weitere Irritationen zu vermeiden, schlugen ihn der Pfarrer und das Presbyterium zur Ausbildung als Laienprediger vor. Das Landeskirchenamt hatte nichts dagegen und so ließ Kaemper sich ein Jahr lang ausbilden. Seine Probegottesdienst hielt er am 2. Advent 1983.

„Ich war innerlich sehr gerührt“, blickt Kaemper auf diesen Tag zurück. Überhaupt sei es immer wieder aufregend und etwas Besonderes gewesen, vor der Gemeinde zu stehen und zu predigen. Das Feedback, was er bekam, sei okay gewesen, erzählt der 72-Jährige. Er habe aber auch nie zu sehr den Zeigefinger erhoben, Versteck gespielt habe er aber auch nicht. „Ich habe klar meine Meinung gesagt.“

Um eine Predigt zu schreiben, habe er immer sechs bis sieben Stunden Zeit benötigt. Es galt, zu dem vorgegebenen Bibelvers eine Verbindung herzustellen zur heutigen Zeit. „Die Beschäftigung damit war auch für mich selbst immer eine Bereicherung.“

Was Rolf Kaemper fehlen wird, ist der Kontakt zu den anderen Laienpredigern. „Da sind doch Freundschaften entstanden.“ Mit der Bibel will sich der 72-Jährige aber weiterhin beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit den Texten sei ihm sehr wichtig, betont er.

Morgen wird Rolf Kaemper im Rahmen des Gottesdienstes in der Evangelischen Kirche (Beginn 11 Uhr) verabschiedet. Superintendentin Martina Espelöer kommt dazu nach Evingsen.

von Ilka Kremer

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