Anekdote zur Erkenntnis: "Altena gibt's wirklich"

Für das Making-of zum Film "Unsere wunderbaren Jahre": Stadtbummel mit Peter Prange 

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Emilia Wieding und Peter Prange drehen an der Freiheitstraße 

Altena – Los geht’s im Café zur Burg – schon beim „besten Jägerschnitzel der Welt“ erzählt Peter Prange eine Altena-Anekdote nach der anderen. Er unternimmt einen Stadtbummel der besonderen Art mit Regisseurin Emilia Wieding, die ein "Making-of" zur Verfilmung seines Buchs "Unsere wunderbaren Jahre" dreht.

Da war zum Beispiel die Lesung in Hamburg, bei der sich ein Zuhörer als profunder Altena-Kenner erwies. Halfmeier hieß er – „und damit wurde auch er ziemlich sicher in einem Bett von Betten Prange gezeugt“, ist der 63-jährige Schriftsteller überzeugt. Friedhelm Halfmeier war Bürgermeister von Altena und kann seine Matratzen nach Pranges Überzeugung nirgendwo anders gekauft haben als bei Betten Prange. 

Dort, im Haus Freiheitstraße 9, fing sozusagen alles an und deshalb war das Elternhaus des Bestsellerautors auch erste Station eines Stadtbummels der etwas anderen Art. Prange war mit der Regisseurin Emilia Wieding unterwegs. Sie arbeitet für die Produktionsfirma Ufa und hat den Auftrag, ein „Making-of“ für die Verfilmung des Prange-Romans „Unsere wunderbaren Jahre“ zu drehen. Darunter versteht man den Bericht über die Entstehung eines Films.

Liebesbriefe der Eltern inspirierten Prange

Deswegen schaute sich Wieding nicht nur bei den Dreharbeiten um, sondern bummelte mit Prange auch durch dessen Geburtsstadt, in der Pranges vorletzter Roman ja schließlich spielt. Prange erzählt und erzählt und erzählt – erkennbar ist er ein Mann des Wortes, und zwar nicht nur des geschriebenen. 

Er erzählt, wie er nach dem Tod seiner Mutter die Liebesbriefe seiner Eltern fand und diese ihn dazu inspirierten, endlich die Geschichte der D-Mark und des Aufschwungs in den 50-er und 60-er Jahren zu schreiben. 

Irritation über Pranges Eskapaden

Von der Münze am Schwarzenstein erzählt er und davon, dass er wie andere Jugendliche aus dem VDM-Werk geschmuggelte Rohlinge für einen Groschen kauften, um damit Zigaretten zu ziehen. „Damit habe ich meinen Haschisch-Konsum finanziert“, grinst der Schriftsteller und erzählt, wie ihm ausgerechnet vor dem Kreisgesundheitsamt wegen der Droge reichlich schwummerig wurde und er eine Heidenangst hatte, Kreismedizialdirektor Telschow („ein Freund meiner Eltern“) könne das mitbekommen. Die etwa halb so alte Frau vom Film ist einigermaßen irritiert über Pranges Eskapaden. 

Im Schlafzimmer fallen die Hüllen

Einmal mehr erzählt der Schriftsteller, wie er damals mit seinem Vater Betten ausgeliefert hat und wie er schon als Kind darüber staunte, wie im Schlafzimmer sozusagen alle Hüllen fallen: „Da erzählen die Leute einem Sachen, die würden sie sonst nie erzählen“.

Für ihn liegen hier die Wurzeln seiner Schriftstellerei. Prange hat seiner Familie in seinem Buch das ein oder andere literarische Denkmal gesetzt, sogar sich selbst – in „Unsere wunderbaren Jahre“ kommt auch ein dauerbekiffter Möchetegern-Revoluzzer vor.

Betonung des fiktiven Charakters des Werkes

Viel wichtiger ist ihm der Hinweis auf die Fabrikantenfamilie Wolf mit der liebevollen und warmherzigen Mutter – als er diese Figur ersonnen habe, habe seine Mutter Christel dafür als Vorbild gedient und er sei sehr glücklich, dass „die großartige Katja Riemann“ diese Rolle im Film spielt. 

Das berichtet er vor einer hübsch restaurierten Villa an der Freiheitstraße, in der die Familie Wolf gewohnt haben könnte. Könnte – das ist dem Autor wichtig. Immer wieder betont er den rein fiktiven Charakter seines Werkes, was ihm aber speziell in Altena keiner abnimmt.

Passende Villa für den Schurken in Buch und Film

Zu offensichtlich ist hier, dass der Unternehmer Fritz Berg Vorbild war für den Schurken in Buch und Film. Dort heißt der vulgäre Altnazi Walter Böcker, auch für ihn findet Prange in Altenas Innenstadt die passende Villa. Natürlich wird auch auf der Burg gedreht, was die dortigen Aufsichten etwas nervös macht. Noch während sie herauszufinden versuchen, ob das eigentlich in Ordnung ist, ist die Szene schon im Kasten.

Erstaunen darüber, dass es Altena wirklich gibt 

Wer Emilia Wieding und Peter Prange bei der Arbeit zuguckt stellt schnell fest, dass hier Profis am Werk sind. Prange redet frei und sicher, die Abgänge stimmen perfekt. Nichts muss wiederholt werden. Auf der Burg erzählt er eine Anekdote, die er vom Bürgermeister hat: Bei einer Tagung traf Andreas Hollstein auf einen Amtskollegen, der sehr erstaunt darüber war, dass es Altena wirklich gibt – er kannte den Namen nur aus dem Buch von Peter Prange und dachte, Altena sei dessen Erfindung. 

Infos zum Film

Der Film nach der Vorlage von Peter Prange wird in Auftrag von ARD und WDR in Tschechien und in einer alten Villa bei Gummersbach gedreht. Die Ausstrahlung ist für 2020 vorgesehen – bis dahin soll auch im Internet für das Projekt getrommelt werden. Genau das ist der Grund für Pranges Stadtbummel: Die Szenen, die Emilia Wieding während Pranges Bummel durch die Stadt einfing, werden im WDR-Internetauftritt zu sehen sein – auch als Beweis dafür, dass es dieses Altena wirklich gibt.

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