Der „Teufel aus der Flasche“ ist im Alltag allgegenwärtig

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Interessiert verfolgten die Sekundarschüler und Burggymnasiasten das Theaterspiel in der Zentralen Raumgruppe.

ALTENA - Der „Teufel aus der Flasche“ hatte ein Gesicht. Der allzeit bereite Verführer Alkohol wurde von Tobias Vorberg vom Ensemble Theaterspiel aus Witten in der Zentralen Raumgruppe des Burggymnasiums (BGA) am Dienstag überzeugend dargestellt. So ließen die mehr als 200 Acht- und Neuntklässler nach der 60-minütigen Aufführung erst Augenblicke verstreichen, ehe sich ihre Ergriffenheit in Beifall Bahn brach.

Auf Einladung der Jugendförderung des Jugendamtes in den Personen Angelika Wagner und Harald Thöne bewegte das Vier-Personen-Stück „Alkohölle“ die 14 bis 15-Jähren sichtbar.

Das Besondere an dem Theaterstück sei, dass es mit Selbsthilfegruppen und ehemaligen Alkoholikern entstanden ist. So war auch einer der Protagonisten, Wolfgang Pätsch, ehemals alkoholkrank. „Ich bin heute seit 28 Jahren trocken“, stellte er sich selbst vor. Umso authentischer wirkte das Stück auf die jungen Leute.

Die Story ist schnell erzählt: Lena (dargestellt von Fritzi Eichhorn), absolviert ein Praktikum in der Werbeagentur ihrer Tante Maxi (Jessi Jahning). Die 19-Jährige nimmt einen Auftrag, das Bewerben eines neuen Alcopop-Getränkes, an. Lena kennt sich aus – sie und ihre Clique trinken viel und gerne. Tante Maxi (Jessi Jahning) lehnt den Auftrag jedoch ab. „Wir werben nicht für Alkohol.“ Was folgt, ist ein erbitterter Streit. In dessen Verlauf erfährt Lena das Warum dieser konsequenten Anti-Alkohol-Haltung, was jedoch alles andere als lustig ist, sie zutiefst berührt und zum Nachdenken bringt. Denn ihr eigener Vater war einst selbst Alkoholiker und kam bei einem selbst verschuldeten Unfall ums Leben.

Spätestens hier war es mucksmäuschenstill im Raum, machte auch das schlichte kleine Holzkreuz auf der Bühne und das davor flackernde „ewige Licht“ Sinn für die jungen Leute. Mit dem Enthüllen dieses furchtbaren Familiengeheimnisses hatten wohl die wenigsten gerechnet ...

Anschließend an das Stück, das in seiner Gesamtheit aber nicht mit erhobenem Zeigefinger dafür mit sehr viel Witz, fetzigen Dialogen und anschaulichen Charakteren aufgeführt wurde, gab es eine etwa halbstündige Diskussionsrunde. Hier konnten die Jungen und Mädchen den Schauspielern persönliche Fragen stellen. Angerissen wurden dabei unter anderem der sogenannte Gruppenzwang, die öffentliche Darstellung von Alkohol in der Werbung und vieles mehr.

Das Thema Sucht- und Gewaltprävention genießt sowohl an der Sekundarschule als auch am Burggymnasium einen hohen Stellenwert. So gibt es jährliche Veranstaltungen, die sich mit diesen Themen beschäftigten, sind Suchtmechanismen oder schleichender Alkoholkonsum sehr wohl immer wieder Themen im Unterricht.

Fazit eines informativen Vormittages: Die jungen Leute erlebten eine Theaterproduktion über Sucht, Verdrängung, Verharmlosung, das Zerplatzen von Träumen und Familiengeheimnisse. Die Schauspieler – sie agierten übrigens alle ohne Mikro, so still war es in der ZRG, überzeugten auch mit live vorgetragenen Raps und Expertenwissen – alles sicher noch einmal Unterrichtsthema.

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