Präventionsspezialist der Polizei über Enkeltricks und falsche Kollegen

Miese Maschen greifen um sich

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Kriminalhauptkommissar Michael Hufnagel bei seinem Vortrag in der Burg Holtzbrinck.

Altena – Der entscheidende Ratschlag muss einfach nur beherzigt werden: „Wenn Sie ihr Geld nicht rausrücken“, passiert auch nichts.“ Die Fallzahlen und vor allem der entstandene Schaden sprechen aber eine ganz andere Sprache.

Michael Hufnagel, Hauptkommissar bei der Dienststelle für Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei, war gestern beim Verein der Schlesier und Ostdeutschen zu Gast, um über die Maschen jener finsterer Menschen zu berichten, die sich bevorzugt Senioren als Opfer suchen.

Stichwort: Enkeltrick. Im Jahr 2017 zum Beispiel registrierte das Bundeskriminalamt 238 vollendete Delikte des Enkeltricks und seiner Varianten – der Schaden erreichte über drei Millionen Euro. Zwar ging die Schadenssumme im Jahr 2018 um eine Million zurück, dafür aber legte eine andere Betrugsmasche enorm zu.

Stichwort: Falsche Polizeibeamten. In 2017 gab es 250 vollendete Delikte mit einer Schadenssumme von sieben Millionen. 2018 wurden dann 289 Delikte vollendet – und der Schaden schnellte auf 12,3 Millionen in die Höhe. Varianten des letzteren Tricks werden mit vorgeblichen Zollfahndern und Finanzermittlern durchgespielt.

Allen diesen Betrugsversuchen ist gemein, dass die Täter sehr geschickt vorgehen, psychologische Tricks nutzen oder auch auf die Tränendrüse drücken. In anderen Fällen sind sie besonders hartnäckig oder versuchen gar, die Angerufenen einzuschüchtern.

Michael Hufnagel machte die beste Strategie klar: Sofort auflegen. Wenn es dann tatsächlich Zweifel gebe, ob eventuell doch der eigene Enkel oder die Enkelin angerufen hat, dann könne man sich vergewissern, indem man selbst dessen Telefonnummer wählt.

Auch Gewinnversprechen am Telefon seien tückisch. Es habe Fälle gegeben, bei denen Leute die geforderte „Bearbeitungsgebühr“ in der Hoffnung auf einen hohen Gewinn überwiesen hätten – obwohl sie gar nicht an einem Gewinnspiel teilgenommen hatten.

Und die Täter nutzen auch das Tagesgeschehen: Als jüngst in Evingsen nach einem vermissten Mann gesucht wurde, nutzten falsche Polizisten das als Einstieg, um Altenaer zur Herausgabe von Geld oder Wertsachen zu bewegen. Die Polizei weiß von 30 Fällen.

Die Anrufer gaben vor, bei einem verdächtigen Trio sei im Rahmen der Vermisstensuche ein Notizbuch gefunden worden, in dem auch Name und Anschrift des Angerufenen stünden. Um nun einem Einbruch vorzubeugen, sollten Wertsachen der Polizei übergeben werden. „Aber“, so Hufnagel, „die Altenaer sind clever. Es ist niemand darauf reingefallen.“

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