Polizei nimmt Senioren ins Visier

Auch beim Autofahren zeigt sich der demografische Wandel.

ALTENA ▪ Mit der Vorlage der Verkehrsunfallstatistik 2010 hat die Polizei einen neuen Tätigkeitsschwerpunkt für sich entdeckt: Sie will sich zukünftig stärker als bisher um die Senioren hinterm Steuer kümmern. Trauriger Anlass dafür ist ein sprunghafter Anstieg der über 65-Jährigen, die bei Unfällen verletzt wurden. Von Thomas Bender

51 Verletzte gab es im vergangenen Jahr insgesamt auf Altenas Straßen, 15 davon waren Senioren – und die meisten davon verunglückten als Fahrer oder Beifahrer. Die so genannte „Verletztenhäufigkeitszahl“ für Altena liegt in dieser Altersgruppe bei 340. Das bedeutet, dass von 100 000 Senioren 340 bei Verkehtsunfällen zu Schaden kamen. Kreisweit lag dieser Index bei 167.

547 Unfälle nahm die Polizei 2010 in Altena auf. An 18 Prozent davon waren Senioren beteiligt. Und: Von 97 älteren Menschen, die in Unfälle verwickelt waren, gelten 68 als deren Verursacher. Das sind 70 Prozent.

Vor allem mit Blick auf die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg läuten bei der Polizei die Alarmglocken: „Waren 2007 und 2008 nur 4,3 beziehungsweise 4,8 aller im Straßenverkehr verunglückten Personen in Altena Senioren, so waren es 2009 schon rund 10 Prozent und in 2010 dann 29,5 Prozent“.

Inzwischen hat es auf der Polizeiwache Altena ein erstes Gespräch zu diesem Problemfeld gegeben. Daran nahmen auch ein Verkehrssicherheitsberater des Kommissariats Vorbeugung und Dieter Richter von der Verkehrswacht teil. „Nach Prüfung der Zahlen wurde gemeinsam festgestellt, dass diese Entwicklung so nicht hingenommen werden soll“, teilte Matthias Radtke als Ergebnis dieser Besprechung mit.

Der Leiter der Polizeiwache ergänzte, dass die Zielgruppe der über 65-jährigen Autofahrer jetzt gezielt informiert werden soll. „Dabei sollen die Maßnahmen von der Intention getragen werden, die Mobilität alter Menschen möglichst lange zu erhalten, jedoch auch, auf bestehende körperliche Defizite und deren Ausgleichsmöglichkeiten hinzuweisen. Das werde unter anderem bei Besuchen von Seniorentreffs passieren. Radtke beruhigt aber auch: „Niemand muss als Verkehrsteilnehmer im Rentenalter die Befürchtung haben, die Polizei habe es auf seinen Führerschein abgesehen“, verspricht er.

Ansonsten war die Unfallentwicklung im vergangenen Jahr in Altena undramatisch. Zwar ab es einen Anstieg um 84 auf 547 Unfälle – das sei aber teilweise auf den strengen Winter zurückzuführen, schreibt Radtke. Es gab keine Unfalltoten, die Zahl der Verletzten lag mit 51 leicht unter Vorjahresniveau. Allerdings nahm die Schwere der Verletzungen zu: Nur fünf Schwerverletzten in 2009 folgten im vergangenen Jahr dann 15.

Angestiegen ist die Zahl der Unfallfluchten – auch das ist nach Ansicht Radtkes dem Wetter geschuldet. Weil mancher Schaden erst verspätet, nämlich nach Abtauen des Schnees, entdeckt wurde, sei die Aufklärungsquote mit 42,55 Prozent „etwas dürftig“. Bei drei Unfallfluchten kamen Menschen zu Schaden, zwei davon wurden aufgeklärt.

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