Poetry Slam: Die Lust am eigenen Text

ALTENA - Eine neue Kunstform macht sich breit und erreicht jetzt Altena: Am 8. April findet in der Burg Holtzbrinck erstmals ein Poetry Slam statt. Übersetzt heißt das Dichterschlacht – es geht darum, mit eigenen Texten die Gunst des Publikums (das als Jury fungiert) zu gewinnen.

„Ich bin mir sicher, das Land der Dichter und Denker existiert noch“, sagt Karsten Strack, Organisator eines Slams in Soest und Geschäftsführer des Lektora-Verlages, der sich auf Poetry-Slam-Literatur spezialisiert hat. Die Jugend „hungert nach Literatur“, meint Strack, der stark an der Entwicklung der Szene in Südwestfalen beteiligt ist. Sie begann vor fünf Jahren in Hagen und erreichte 2010 dann Lüdenscheid, wo Harald Thöne, der Leiter des Jugendzentrums JuZ 29, solch eine Veranstaltung miterlebte und anschließend mächtig beeindruckt war. „Das machen wir auch“, beschloss er zusammen mit Barbara Langos, der Geschäftsführerin des Kulturrings. Das fiel den beiden um so leichter, weil die Lüdenscheider Veranstaltung von zwei Altenaern auf die Beine gestellt worden war: Ex-Feedback-Chefin Ulrike Wagner und der Musiker Tlako stellten sie auf die Beine. Thöne: „Das ist da wirklich gut gelaufen“. Neun Akteure präsentierten sich dort – genug für einen höchst unterhaltsamen Abend. Thöne: „Das hat bis nach 23 Uhr gedauert“.

Eine schlichte Bühne, eine Tafel und ein Mikrofon - mehr brauchen die Akteure nicht, die mit ihren Werken gegeneinander antreten. Ihr Wettkampf heißt Poetry Slam, ihr Sport ist die Literatur, die am Ende vom Publikum bewertet wird. Doch die Autoren tragen ihre Texte nicht einfach nur vor, sie leben sie - mit Gestik und Mimik, geballter Faust und wippenden Beinen. Denn Poetry Slam ist nicht bloß eine Lesung, sondern eine Show, die gerade bei Jugendlichen immer beliebter wird. Aber nicht nur: „In Lüdenscheid war der älteste Teilnehmer über 50 Jahre alt,“ berichtet Thöne. Er weiß inzwischen, dass es auch in der Provinz eine regelrechte Szene gibt – „Slamer“, die von Veranstaltung zu Veranstaltung reisen, um sich und ihre Werke dort zu präsentieren.

Unschätzbarer Vorteil für die öffentliche Hand: Sie kann auf diese Weise Kultur beinahe zum Nulltarif anbieten. Ein Honorar bekommen die Poeten nicht, die Preise (über deren Vergabe das Publikum entscheidet) sind bescheiden. Manchmal geht‘s nur um eine Dose Würstchen, Altena setzt für die drei Erstplatzierten immerhin 100 Euro aus.

Die Veranstaltung am 8. April beginnt um 20 Uhr, der Eintritt kostet einen Euro. ▪ ben.-/dapd

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