Plastik ohne Ende: 3500 Kilo Müll in städtischen Papierkörben

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Altena – 3500 Kilo Müll, alle zwei Tage: So viel sammelt sich in Altenas öffentlichen Papierkörben. Darunter viel Plastik. Und es gibt auch dreiste Müllsünder in der Stadt. 

Die Arbeit geht Wolfram Zülch nicht aus. „Niemals, da können Sie sicher sein“, sagt der 59-Jährige und nähert sich langsam mit seinem Fahrzeug der Einbuchtung einer Bushaltestelle an der Bahnhofstraße. Dort befindet sich – wie an 411 weiteren Punkten in der Stadt – ein Papierkorb.

"Menschen sind oft gedankenlos"

Und um genau den geht es – vielmehr um dessen Inhalt. „In den Behältnissen ist immer was drin. Das gibt es gar nicht, dass sie einmal leer sind“, sagt der Mann im hellorangefarbenen Anzug. Seit 1987 ist er beim Bauhof beschäftigt, seit drei Jahren ist das tägliche Leeren der Papierkörbe sein Arbeitsalltag.

„Die Menschen sind oft so gedankenlos“, sagt der Altenaer, der seinen Dienst durchaus als eine Art „Beitrag zum Umweltschutz, mehr aber noch zum Sauberhalten unserer Stadt“ versteht.

Klimadebatte, Mülltrennung, Vermeidung von Abfall? Hat Wolfram Zülch alles schon gehört, verfolgt und sich seine eigene Meinung gebildet. „Wenn Sie Tag für Tag sehen, was die Menschen entsorgen – es ist schon unglaublich! Diese Mengen an Joghurt-Bechern, diese Berge von Papier und Unmengen an Plastiktüten. Ob das alles wirklich so sein muss?“, fragt er und hat mit seinem Dreikant das Müllgefäß nach dem Auskippen auf der Ladefläche seines Transporters wieder in die Halterung gehängt. 3,5 Tonnen fasst sein Fahrzeug. 

3500 Kilogramm, die „schnell zusammen kommen, wenn ich unterwegs bin“, sagt er. Die Menge sammelt er etwa im Zwei-Tages-Rhythmus stadtweit ein. Liegt der Inhalt der Papierkörbe erst einmal auf dem Wagen, geht es zurück zum Ladeplatz des Bauhofes am Pragpaul. 

Dort stehen zwei Container, in die die Müllberge gekippt werden. Anschließend holt sie ein Lkw ab und fährt sie in die Müllverbrennungsanlage Iserlohn. „Thermische Verwertung“, sagt Wolfram Zülch grinsend. „Da wird nichts mehr getrennt oder separiert. Alles kommt einfach in den Ofen.“ 

Hausmüll verstopft Papierkörbe

Er kennt die Gewohnheiten der Altenaer und weiß, wo besonders viel in den Müllbehältern landet. „Leider ist es so, dass viele die Mülleimer auch mit Hausmüll vollstopfen. Das macht heute 30 bis 40 Prozent des Inhaltes aus. Ich finde das unverschämt.“ 

Und er fügt an: „Immer noch besser, als Unrat in den Wald zu kippen. Auch dafür bin ich zuständig. Erst vergangene Woche habe ich ein ganzes Zimmer aus dem Wald am Nettenscheid geholt. Ich kann so etwas nicht verstehen.“ 

Den Bahnhof und sein Umfeld fährt der Bauhof-Mitarbeiter zwar täglich an, aber ein bisschen „ungern. Dort wird viel wild uriniert, es stinkt. Und Spritzen habe ich auch schon oft im Müll gefunden. Da muss man sich persönlich vorsehen. Ich möchte mir doch keine Krankheit fangen“, sagt der Altenaer. Auch deshalb trägt er stets besondere Schutzhandschuhe. 

Ignoranz und Provokationen

Was ihn ärgert, sind neben der Ignoranz von vielen Mitmenschen auch besondere Provokationen. Etwa an der Ecke Markaner. Dort liege immer und sehr offen eine Menge Müll herum. „Da greife ich dann oft sogar zum Besen und muss mir noch gefallen lassen, dass die Leute vor mir auf die Erde speien. Es gibt schon Experten.“ Sagt’s und hat wieder einen Mülleimer aufgeschlossen, abgenommen und den Inhalt auf der Ladeklappe des kleinen Lkw ausgeleert. „Spaß macht mir mein Job trotzdem. Ich bewege ja was. Alles wird sauberer."

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