Baustopp seit vier Jahren

Pfusch am Bau: Prozess zur Berg-Ruine beginnt

Die Bauruine der Fritz-Berg-Stiftung an der Kirchstraße in Altena.
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Die Bauruine der Fritz-Berg-Stiftung an der Kirchstraße in Altena.

Seit 2016 modert in Altena der Rohbau eines großen Wohn- und Geschäftshauses vor sich hin. Nun beginnt am Hagener Landgericht die juristische Aufarbeitung des wohl größten Bauskandals in der jüngeren Stadtgeschichte.

Altena – Vor einer Zivilkammer des Hagener Landgerichts stehen sich ab Mittwoch (18. November) die Fritz-Berg-Stiftung als Bauherr und vier Planungs- beziehungsweise Controlling-Büros heute gegenüber. Hinzu kommt der Insolvenzverwalter eines ehemaligen Hagener Bauunternehmens.

Wie bei Zivilverfahren üblich startet das Gericht mit einem Gütetermin, bei dem die Chancen einer außergerichtlichen Einigung ausgelotet werden sollen, was die Beteiligten aber schon seit vier Jahren erfolglos versuchen. Es geht dabei um viel Geld: Die Stiftung beziffert den Schaden auf rund drei Millionen Euro.

Mietverträge schon während der Bauphase unterschrieben

Etwa 20 hochwertige Wohnungen und ein großes Ladenlokal wollte die Fritz-Berg-Stiftung in zentraler Innenstadtlage errichten lassen. 2014 war Baubeginn, im März 2016 wurde die Baustelle stillgelegt: Bei einer Begehung durch die Bauaufsicht waren Abplatzungen am Beton aufgefallen, einige Stützpfeiler wiesen bereits Risse auf.

Fritz-Berg-Stiftung: So sollte der Komplex aussehen.

Mit der Vermarktung der Wohnungen war zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen worden, die ersten Mietverträge waren unterschrieben. „Abgerissen wird nichts“, sagte Olaf Berg in einer ersten Reaktion. Er ist Kuratoriumsvorsitzender der Fritz-Berg-Stiftung, also eine Art ehrenamtlicher Aufsichtsratsvorsitzender.

Einsturzgefahr bei zusätzlichen Gewichten

Allerdings: Je genauer hingeschaut wurde, desto größer wurde die Misere. Gutachter öffneten an etlichen Stellen die frisch gegossenen Betonwände, um die Bewehrung (also den verwendeten Baustahl) zu untersuchen. Anschließend kaufte die Stiftung eine große Zahl von Baustützen, um den Baukörper zu sichern.

2018 informierte Olaf Berg den Altenaer Rat über den Stand der Dinge: Von der Bauruine gehe keine akute Gefahr aus, beruhigte er die Kommunalpolitiker. Allerdings sei fraglich, ob sie zusätzliche Gewichte, etwa durch das Einbringen des Estrichs, verkraften könne. Realistisch bleibe wohl nur der Abbruch, sagte er.

Stiftung: „Schwerwiegende Mängel“

Kurz vorher hatte die Stiftung Klage eingereicht: „Die beauftragten Unternehmen haben ihre vertraglichen Pflichten nicht erfüllt. Aus diesem Grund sind schwerwiegende Mängel entstanden,” teilte sie in diesem Zusammenhang mit. Eines der wenigen öffentlichen Statements in dieser Angelegenheit.

Die Klage der Stiftung richtete sich zunächst gegen den Insolvenzverwalter der Hagener Baufirma Karl Winsel, das Dahler Architekturbüro OE-Planung- und Beratung GmbH, die „Architekten- und Partnerschafts-GmbH Vieweger Controlling“ und die SKP-Ingenieur-Sozietät.

Frage der Schuld

Auch dort zeigte man sich bisher schweigsam. Nur aus dem Dahler Architekturbüro gab es eine Stellungnahme: Die Klage sei „gänzlich unbegründet“, verantwortlich sei einzig und allein das insolvente Unternehmen, das den Rohbau erstellt habe.

Eigentlich sollte der Fall schon im Januar zum ersten Mal verhandelt werden – dann allerdings kam die SKP-Ingenieur-Sozietät, die für die Statik verantwortlich zeichnete, nach drei Jahren zu einer überraschenden Erkenntnis: Nicht sie, sondern Dr. Ing. Roland Spangemacher sei Auftragnehmer gewesen.

Der allerdings wird auf der Homepage des Unternehmens als dessen Gesellschafter geführt. Damit gab es einen fünften Beklagten, der sich auf die Verhandlung vorbereiten musste. Deshalb wurde der erste Gütertermin verschoben. Der zweite fiel dann im Mai der Corona-Pandemie zum Opfer.

Verschoben werden auch die Zwangsversteigerungen für zwei Schrott-Immobilien im MK - weil das Interesse potenzieller Käufer zu groß ist.

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