Pflege: Kein Notstand, aber dringender Bedarf

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Altenpflege: Alle Pflegedienste suchen laufend Personal.

Altena - Drei Mal am Tag Pflege für die kranke Mutter, zu festen Uhrzeiten und immer von derselben Pflegekraft? Das könnte schwierig werden: Die Pflegedienste in der Region klagen über Personalmangel. Von einem echten Pflegenotstand ist nur vereinzelt die Rede, von einer angespannten Situation reden aber viele.

Zum Beispiel Hans-Werner Wolff, Caritasdirektor im Dekanat Altena/Lüdenscheid und damit auch Chef eines Pflegedienstes, der in Altena und Lüdenscheid etwa 250 Menschen pflegt: „Wir können nicht mehr alle Anfragen befriedigen“. Vor allem komplizierten Fällen, die täglich mehrfach besucht werden müssten, könne nicht immer geholfen werden.

Der Grund für die Misere: Personalmangel. „Wir suchen ständig neue Mitarbeiter“, betont Wolff. Es sei aber sehr schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Ins gleiche Horn stößt Theobald Steffens, Inhaber des privaten Pflegedienstes „Zuhause“, der ebenfalls in Altena und Lüdenscheid aktiv ist. Vor allem in der Kreisstadt sei die Situation angespannt, berichtet er – zwei Anbieter haben sich zurückgezogen, entsprechend groß ist die Nachfrage bei den noch verbliebenen. Seit einigen Monaten müsse er „fast täglich“ Patienten ablehnen.

Etwa 15 Mitarbeiter beschäftigt Steffens derzeit – es könnten mehr sein, der Geschäftsführer findet aber kaum neue Leute. Das liege auch daran, dass die Pflegeberufe nicht besonders attraktiv seien: „Altenpfleger verdienen weniger als Erzieherinnen“, berichtet Steffens. Das und die ungünstigen Arbeitszeiten mache „die Jobs in der Pflege unattraktiv“.

Bei Christa van der Beck, der Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses, laufen ebenfalls immer mal wieder Anfragen nach Pflegediensten auf. „Ich gebe dann die Kontaktdaten der Dienste weiter, die in Altena aktiv sind“, berichtet sie. Aus der Tatsache, dass sie dann meistens nichts mehr von den Fragestellern hört, schlussfolgert sie, dass es in den meisten Fällen gelingt, einen Pflegedienst zu finden.

Nach Ansicht der Pflegeberatung des Märkischen Kreises kann „von einem Notstand nicht die Rede sein, wohl aber von Engpässen an der ein oder anderen Stelle“, sagte Kreispressesprecher Hendrik Klein auf Anfrage.

Die Pflegeberatung mit Sitz im Kreishaus an der Bismarckstraße bietet regelmäßig Sprechstunden in den Städten und Gemeinden des Märkischen Kreises an und zudem noch ein „Pflegetelefon“, an das sich Angehörige wenden können. Aus den Beratungsgesprächen ergebe sich, dass es vor allem im Bereich der Kurzzeitpflege Schwierigkeiten gebe. Sie wird zum Beispiel dann erforderlich, wenn ein Schlaganfall-Patient aus dem Krankenhaus entlassen werde, aber noch Hilfestellung benötige und deshalb nicht sofort in seine Wohnung zurückkehren könne.

„Wenn Investoren an uns herantreten, die Pflegeplätze schaffen wollen, dann werben wir sehr dafür, dass sie auch Kurzzeitpflegeplätze schaffen“, erklärt Klein. Einen Pflegedienst oder auch einen regulären Platz in einem Pflegeheim finde man bei Bedarf relativ schnell, beobachtet die Pflegeberatung. Allerdings: „Das ist dann nicht unbedingt ein Platz in der jeweiligen Wunscheinrichtung“.

Entwarnung mag der Kreis aber auf keinen Fall geben: Klein verwies gestern auf eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung, nach der in zehn bis 15 Jahren im Märkischen Kreis mehrere hundert Pflegekräfte fehlen.

Wer in der Altenpflege arbeiten möchte, muss nicht unbedingt Altenpfleger sein: Die Pflegedienste stellen auch Krankenschwestern ein und oft auch Altenpflegehelfer. Ganz ohne Qualifikation kann in diesem Tätigkeitsfeld jedoch niemand arbeiten.

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