Anderes Testverfahren, neuer Fokus

Pflege-Tüv: So bewerten die Kräfte im Pflegeheim vor Ort die neuen Regeln

+
Symbolfoto: Altenpflege im Seniorenheim.

Altena - Alles neu macht in den deutschen Pflegeheimen in diesem Jahr nicht der Mai, sondern der Oktober. Seit dem 1. Oktober gibt es ein neues Bewertungssystem für die Pflegeeinrichtungen, den sogenannten Pflege-Tüv. Er löst die Pflegenoten ab, die in der Vergangenheit vielfach in der Kritik standen.

Beanstandet wurde, dass die Prüfungskriterien sich einerseits zu sehr auf die Prozessabläufe ausrichteten, und dass es andererseits keine Gewichtung der verschiedenen Qualitätsbereiche gab. Auch im Ellen-Scheuner-Haus in Altena gab es Zweifel an der Aussagefähigkeit des alten Systems. Der Fokus habe zu sehr auf der Pflegedokumentation gelegen, erklärt Petra Winkler, kommissarische Einrichtungsleiterin. Zu wenig sei auf das Wohlergehen der Bewohner geachtet worden.

Das soll sich mit dem Pflege-Tüv ändern. Anhand von zehn Indikatoren werden der Zustand der Einrichtung und die Versorgung der Bewohner bewertet. „Wir freuen uns, dass der Pflege-Tüv die Gesamtheit der Bewohner einbezieht“, sagt Petra Winkler. „Der Fokus liegt nicht mehr nur darauf, welche Maßnahmen durchgeführt und dokumentiert wurden, sondern es wird bewertet, welche Maßnahmen auch wirklich ankommen, also das Wohlbefinden verbessern.“

Die Koordinatorinnen: Einrichtungsleiterin Petra Winkler und Pflegedienstleiterin Kornelia Tymoszuk sorgen für die Umstellung im Ellen-Scheuner-Haus.

Eine zentrale Rolle spielt dabei, den Bewohnern so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Das Team des Ellen-Scheuner-Hauses bereitet sich derzeit auf die neuen Verfahren beim Pflege-Tüv vor und hat bereits an Schulungen teilgenommen. Es ist vorgesehen, dass zweimal pro Jahr ein Formular über jeden Hausbewohner an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übermittelt wird. Dieses Formular durchläuft den sogenannten Plausibilitätscheck.

Ein Computerprogramm überprüft dabei, ob es in einem der getesteten Bereiche Verbesserungen gibt, die so groß sind, dass sie eine Manipulation vermuten lassen. Eine gute Pflegedokumentation bleibt wichtiger Bestandteil der Qualitätskontrolle. Allerdings hat „das Fachpersonal in Zukunft die Möglichkeit, sich zu den Aufzeichnungen zu äußern, falls Unstimmigkeiten auftauchen“, erklärt Pflegedienstleiterin Kornelia Tymoszuk.

Das sei in der Vergangenheit nicht so gewesen. Tymoszuk begrüßt diesen Schritt und begründet: „Früher hat es zum Beispiel sofort Punktabzug gegeben, wenn ein Bewohner kein festes Schuhwerk an hatte. Ob er sich die Schuhe aber selbst wieder ausgezogen hat, nachdem die Pflegerin bei ihm war, wurde nie berücksichtigt.“ Im Ellen-Scheuner-Haus hofft man, dass das in Zukunft anders sein wird. Einmal pro Jahr besucht der MDK zusätzlich zu den schriftlichen Prüfungen die Einrichtung und macht sich vor Ort ein Bild. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die internen Tests der Einrichtung mit dem Erscheinungsbild vor Ort zusammenpassen.

Außerdem werden stichprobenartig Gespräche mit einigen Bewohnern geführt. Auch für das Pflegeheim und -personal gibt es Beratungen, die der MDK beim Besuch vor Ort anbietet. Ob – und wenn ja, wie viel – Mehraufwand der Pflege-Tüv für das Personal des Ellen-Scheuner-Hauses bedeutet, bleibe noch abzuwarten, betont Winkler.

Das wird beim Pflege-Tüv bewertet

Der Pflege-Tüv zieht für die Bewertung einer Einrichtung verschiedene Indikatoren heran: 1. erhaltene Mobilität, 2. erhaltene Selbstständigkeit bei Alltagsverrichtungen, 3. erhaltene Selbstständigkeit bei der Gestaltung des Lebensalltags, 4. Dekubitusentstehung, 5. Schwerwiegende Sturzfolgen, 6. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, 7. Durchführung eines Integrationsgesprächs, 8. Anwendung von Gurten, 9. Anwendung von Bettseitenteilen, 10. Aktualität der Schmerzeinschätzung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare