Pfarrer überzeugen Jugend mit Unterrichtskonzept

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Judith, Clara und Svenja sind sich einig: Daumen hoch für Altenas Konfirmandenarbeit. Sie haben nicht nur neue Freunde, sondern auch ein neues „Zuhause“ in der Kirche gefunden. –

ALTENA – Konfirmation gilt unter Jugendlichen weit verbreitet eher als uncool. Gehen Jugendliche etwa nur noch wegen des Geldes zur Konfirmation? „Stimmt nicht“, sagen Altenaer Konfirmanden – und Pfarrer. Aber wie ist es denn nun? Gehen Jugendliche aus Überzeugung, weil die Eltern es so wollen oder was bewegt sie dazu? Von Lydia Machelett

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand eineinhalb Jahre Unterricht antut, nur um hinterher ordentlich Geld zu bekommen“, erklärt Pfarrerin Merle Vokkert. Ähnlich sieht das Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier. Für ihn ist es wichtig, dass die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie zum Unterricht kommen und sich somit für die Konfirmation entscheiden, oder nicht. So sollten alle erst einmal kommen und sich selbst ein Bild von dem machen, was dort passiert. „In den zwei Jahren ist niemand abgesprungen. Im Gegenteil – sie sind zu einer festen Gemeinschaft zusammen gewachsen“, freute sich Dr. Kehlbreier. Dabei betone er stets, dass die Jugendlichen freiwillig da seien.

Für den Pfarrer ist es der erste Konfirmationsjahrgang in Altena. „Ich habe die Jugendlichen jetzt zwei Jahre lang begleitet, und auch ganz bewusst in diesem schwierigen Alter“, berichtet er weiter. Derzeit wird das zweijährige Unterrichtsmodell stark diskutiert. Alternativmodelle gibt es beispielsweise in Werdohl. Dort findet das erste Unterrichtsjahr während des dritten Schuljahres statt und nur das letzte Jahr während der Pubertät. „Mit 14 Jahren sind die Jugendlichen religionsmündig. Somit ist es meines Erachtens das richtige Alter, denn sie sollen selbst über ihre Religiösität bestimmen“, erläutert er seinen Standpunkt. Vielmehr müsse der Pfarrer oder die Pfarrerin es hinbekommen, die Qualität der Arbeit so zu gestalten, dass die Jugendlichen Spaß daran bekämen. Kehlbreier scheint dies gelungen zu sein. „Ich gehe gerne hier her. Wir sind eine tolle Gemeinschaft geworden und ich habe neue Freunde gefunden“, berichtet Svenja. Genauso sieht das ihre Freundin Clara: „Ich bin freiwillig hier, und ich stehe auch dazu.“ Viele der Konfirmanden haben in der Gruppe einen neuen Anlaufpunkt gefunden.

„Es ist schön zu wissen, dass man in der Gruppe und in der Kirche gut aufgehoben ist“, erklärt Schülerin Svenja weiter. Judith hingegen sieht das ganze ein wenig kritischer. Zwei Jahre seien eine lange Zeit. „Man hat ja auch noch anderer Hobbys. Trotzdem bin ich gern hierher gekommen. Früher habe ich nicht wirklich an das alles geglaubt“, berichtet die 14- Jährige. Mittlerweile habe sie aber viel gelernt und auch ihr Denken und Glauben habe sich dadurch verändert.

Dass von den Jugendlichen über einen langen Zeitraum viel verlangt wird, ist auch den Altenaer Pfarrern bekannt. Aus diesem Grund sei es auch völlig normal, dass nach dieser intensiven Phase wieder ein eher durchschnittliches Verhalten mit wenig Kirchenbesuch an den Tag gelegt werde. „Wir dürfen aber an dieser Stelle nicht den Kontakt zu den Jugendlichen verlieren. Es ist mein persönlicher Wunsch, die Jugendlichen an die Kirchengemeinde zu binden und in die Arbeit einzubeziehen“, erklärt Kehlbreier seine Ziele. Pfarrerin Merle Vokkert hat sich genau dies zur Aufgabe gemacht, jedoch müsse Jugendarbeit langsam wachsen. Die veränderten Strukturen, wie beispielsweise der Ganztagsunterricht erschweren das Arbeiten. Somit gehe der Trend zur Projektarbeit.

Wenn es um das Thema Konfirmation geht, scheint das Konzept der beiden Pfarrer aufzugehen. „Mein persönlicher Anspruch ist es, dass die Konfirmanden eine Heimat in der Kirchengemeinde finden“, erläutert Vokkert. Konfirmandenarbeit sei daher eine Beziehungsarbeit. „Wenn die Chemie stimmt, kann man eigentlich alles machen“ so Vokkert.

Die Aufregung bei den Altenaer Konfirmanden wächst jedenfalls. Alle sind sich sicher: Das wird ein ganz besonderer Tag. „Das faszinierende an der Konfirmation ist, dass sie so viele Aspekte umfasst“, erklärt Kehlbreier. So sei es zum einen natürlich die Taufbestätigung, genauso sei aber auch die Zulassung zum Abendmahl oder der Ritus hin zum Erwachsenwerden ein Aspekt. Dem Pfarrer sei es dabei allerdings egal, welcher der Aspekte für Konfirmanden und Eltern der wichtigste ist.

Bei den Jugendlichen ist es die Mischung aus allem. „Irgendwie sind wir dann ein richtiges Mitglied der Kirche und können alles mitmachen“, erklärt Fabian seine Motivation.

Für Svenja ist es eher die Taufbestätigung: „Ich fühle mich geborgen und zu Hause.“ Für alle diesjährigen Konfirmanden gilt jedoch: Sie haben sich selbst dafür entschieden und bekennen sich offen zu diesem Schritt und zu ihrem Glauben.

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