Pfarrer haben samstags und montags frei

Auch in der Lutherkirche gibt es häufig leere Reihen.

Altena - Seit Monatsbeginn bekommen Dr. Dietmar Kehlbreier und seine Frau Merle Vokkert zusammen nur noch eineinhalb Gehälter – Folge des Sparkurses in der evangelischen Kirche und der rückläufigen Zahl von Gemeindegliedern in der Evangelischen Gemeinde Altena.

Dass die bisher zwei Pfarrstellen um eine halbe Stelle reduziert würden, war lange klar – offen blieb die organisatorische Umsetzung. Sie war Thema im Presbyterium, das eine Reihe von Beschlüssen fasste und dabei zwei Grundideen formulierte. Zum einen wird es ohne den verstärkten Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter und Kooperationen mit anderen Gemeinden nicht gehen, zum zweiten soll die veränderte Situation auch dazu dienen, neue Impulse zu geben.

Ganz praktisch gilt, dass Vokkert und Kehlbreier zukünftig ein gemeinsames freies Wochenende pro Monat haben werden – den Gottesdienst übernehmen dann andere Pfarrer, außerdem denkt die Gemeinde über die Ausbildung von Laienpredigern nach, die bei entsprechender Qualifikation nicht nur die Predigt übernehmen, sondern auch Sakramente spenden dürfen. Samstags und montags haben die beiden Seelsorger frei – sie seien aber auch dann ansprechbar, versicherten sie.

Geprüft wird im Moment, wie der kirchliche Unterricht verändert werden kann. Die Zusammenlegung der beiden Gruppen kommt dabei nicht in Frage; gedacht ist eher an eine Verkürzung des Unterrichts. Bereits praktiziert wird eine Übernahme von Teilen des Unterrichts durch junge Konfi-Helfer.

Was die Arbeit mit Frauenhilfen und Seniorenkreisen angeht, so finden Gespräche darüber statt, wie oft die Teilnahme der Pfarrer an den Zusammenkünften erforderlich ist. Hier sollen auch deshalb Freiräume geschaffen werden, weil das Alte Pfarrhaus als zusätzliches Angebot konzeptionell weiterentwickelt werden soll.

Gut etabliert ist inzwischen der Besuchskreis – neben den Pfarrern sind auch ehrenamtliche Kräfte im Einsatz, um älteren Gemeindegliedern bei runden Geburtstagen die Glückwünsche ihrer Kirche zu überbringen. Vorsitzende des Presbyteriums hleiben (im Wechsel) die beiden Seelsorger. Sie werden aber gemeinsam mit dem Presbyterium prüfen, ob sie an allen Sitzungen der vielen Ausschüsse teilnehmen müssen.

Die evangelische Kirche in Westfalen baut seit Jahren auch bei den Seelsorgern Personal ab. Von 2007 bis 2012 sank die Zahl der Pfarrstellen um 144 auf 1400. Knapp 200 der Seelsorger in den Gemeinden sind teilzeitbeschäftigt. Wegen der unsicheren Berufsaussichten gehe die Zahl derjenigen, die Pfarrer werden wollen, dramatisch zurück, berichteten die beiden Altenaer Pfarrer am Donnerstag, 15. Mai im Gespräch. - von Thomas Bender

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