Nur den Pfarrer - den müssen sie sich teilen

ALTENA ▪ Fast zeitgleich fanden am Sonntag in Dahle und Evingsen Versammlungen der beiden evangelischen Kirchengemeinden zur Zusammenarbeit statt. Man geht eine pfarramtliche Verbindung ein, wird sich einen Pfarrer teilen. Das ist Pfarrer Krause, der künftig für beide Gemeinden zuständig ist.

Während man in Dahle auch mit Briefen auf dem Laufenden gehalten wurde, war die Versammlung am Sonntag im Evingser Gemeindehaus die erste offizielle Unterrichtung der Gemeindeglieder. 1700 zählt die evangelische Kirchengemeinde Evingsen. Knapp 70 waren ins Gemeindehaus gekommen. Nach einer seelsorgerlichen und amtlichen Einstimmung durch den Synodalassessor Peter-Thomas Stuberg erfuhren die Gemeindeglieder dann, was es mit dem neuen Weg auf sich hat: Demnach bleiben Dahle und Evingsen zwei selbstständige Größen mit eigen Leitungsgremien, eigenen Finanzmitteln und eigenen Kindergärten. Nur den Pfarrer, den werden sich die beiden Gemeinden mittelfristig dann eben zur Hälfte teilen müssen. Das alles wird mit einem Vertrag geregelt, mit welchem sich die Evingser alle Mitspracherechte an der Pfarrstelle künftig sichern. All das geschieht vor dem Hintergrund zurückgehender Mitgliederzahlen, einem prognostizierten Pfarrermangel und den Vorgaben der Kirche, welche derzeit pro Pfarrer 2700 Gemeindeglieder ansetzt. Dahle und Evingsen zählten 3000 Gemeindeglieder zusammen.

Wie dem auch sei: Zunächst gibt es eine Übergangszeit. Drei Jahre wird der Pfarrer im Entsendungsdienst, Martin Heider, den Gemeinden in dieser Zeit zur Verfügung stehen. Und der Dienstplan steht. Beerdigungen, Taufen, Krankenbesuche all das ist geregelt. Die Angelegenheit sei dabei nicht leicht gewesen für die Presbyterien. Besonders erwähnt wurde Helga Mosch, die sich enorm eingesetzt habe.

Viermal jährlich tagt nun ein Kooperationsausschuss, bei dem die Zusammenarbeit nachjustiert werden kann. Und einmal jährlich gibt es eine Vollversammlung.

Kritische Stimmen gab es: So wurde der Verwurf laut, dass sich das Dahler Presbyterium auf Kosten der Evingser konsolidiert habe. Man habe den Pfarrer verloren. Und nur wer in einer Gemeinde lebe, wohne und arbeite könne doch seinen Job erfüllen, hieß es. Noch einmal verwies der Synodalassessor auf die Entwicklungen und darauf, dass man doch nun einen Pfarrdienst gewonnen habe und beide Gemeinden fit für die Zukunft seien.

Pfarrer Krause versprach, dass er ganz mit dem Herzen in Evingsen und Dahle sein werde. Er bat die Evingser: „Bitte nehmen sie mich an“. Und er verwies darauf, dass das Dahler Presbyterium nicht hätte handeln müssen, sich aber dennoch der Zukunft gestellt habe.

Zur Praxis: Es wird weiter in der Regel um 10 Uhr Gottesdienst geben, aber man werde sich aber auch die Arbeit im Kanzeltausch teilen. In den Ferien werde es eine gegenseitige Vertretung geben und dann ist Gottesdienst um 9.30 Uhr in Dahle und um 11.30 Uhr in Evingsen.

Die Konfirmandenarbeit wird nach einer entsprechenden Übergangsfrist künftig Pfarrer Heider übernehmen. Ein gemeinsames Konzept für die Katechumenen und Konfirmandenarbeit soll entwickelt werden. Was die Seelsorge anbelangt, da werde es keine festen Bezirke geben. Und es ergebe sich aus der normativen Kraft des Faktischen, dass alle seelsorgerlichen Erwartungen an ihm sein würde, sagte Pfarrer Krause. Was die Kindertageseinrichtungen anbelangt, bleibe „noch vieles offen“, hieß es gestern. Hier ließen die Evingser aber durchblicken, dass sie dort besonders aufpassen würden.

Amüsant wurde es zum Schluss. Helga Mosch überreichte Pfarrer Krause eine Listen mit den Namen der 1700 Gemeindeglieder - die müsse er ja nun auswendig lernen.

In Dahle verlief die Sitzung positiv, hier waren um die 50 Gemeindeglieder gekommen. Kirchmeister Wilfried Korte freute sich, dass man dabei dem Presbyterium für die Arbeit gedankt habe und man die Entwicklung positiv aufgenommen habe. „Für beide Gemeinden haben wir eine vernünftige Lösung“ gefunden“. Korte setzt auf die Zukunft: „Eine pfarramtliche Verbindung muss gelebt werden“. ▪ Peter von der Beck

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