Erstmals im Bistum Essen

Paukenschlag im MK: Frau wird Chefin von 5000 Katholiken

Sandra Schnell leitet als Pfarrbeauftragte Katholiken in St. Matthäus Altena und Nachrodt
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Sandra Schnell leitet künftig als Pfarrbeauftragte die rund 5000 Katholiken in St. Matthäus in Altena und Nachrodt

Die Pfarrei St. Matthäus schreibt Geschichte: Erstmals wird eine Frau 5000 Katholiken leiten - in einem ganz neuen Modell, mit dem das Bistum Essen neue Wege geht.

Zum ersten Mal seit Gründung des Bistums Essen wird nach dem bevorstehenden Ausscheiden von Pfarrer Ulrich Schmalenbach in der Pfarrei St. Matthäus eine Frau an der Spitze einer katholischen Kirchengemeinde stehen. Pfarrbeauftragte für die Katholiken in Altena und Nachrodt wird ab Ostern Sandra Schnell, die bisher als Gemeindereferentin in Hagen tätig ist.

Unterstützt wird sie dabei von dem Lüdenscheider Pastor Johannes Broxtermann, der ihr als „moderierender Priester“ zur Seite stehen wird und der in Altena einen guten Ruf genießt: Bis 1989 war er Pfarrer in der damaligen Gemeinde St. Thomas Morus. Dann wechselte er nach Lüdenscheid, wo er bis heute wohnt.

Pfarrbeauftragte und Pfarrer Seite an Seite an der Spitze

Pfarrbeauftragte hat es bisher im Bistum Essen noch nicht gegeben – und schon gar keine Frau an der Spitze einer Gemeinde. Mit Leitungsfunktionen in der katholischen Kirche hat Schnell aber durchaus Erfahrung: In mehr als 16 Jahren in der Pfarrei Christus-König im Großraum Halver hat sie auch seelsorgerisch gearbeitet, und zwar in der Gemeinde Herz-Jesu in Hagen-Dahl.

„Alternatives Leitungsmodell“ nennt sich das, was Schnell und Broxtermann in St. Matthäus praktizieren sollen. Als Pfarrbeauftragte wird Schnell die Verantwortung für die Organisation der Kirchengemeinde übernehmen. Ihr obliegt auch die Finanz- und Personalverantwortung.

Frau in Leitungsposition: „Am Puls der Zeit“

Als Gemeindereferentin hat Sandra Schnell aber auch eine theologische Ausbildung und darf mit der Gemeinde Wortgottesdienste feiern oder Beerdigungsfeiern leiten. Das Bistum zitiert sie in einer Pressemitteilung so: „So war es jetzt der nächste sinnvolle Schritt der Weiterentwicklung, mich für die Pfarreileitung zu bewerben. Gleichzeitig ist es am Puls der Zeit, dass Frauen in unserer Kirche Leitungsfunktionen übernehmen.“ Maria 2.0 lässt grüßen. Auch die Katholiken in Altena und Nachrodt forderten klar Reformen.

Pastor Johannes Broxtermann als „moderierender Priester“ unterstützt die Pfarrbeauftragte und übernimmt die kirchenrechtlich notwendigen Aufgaben. Darüber hinaus feiern in Zukunft Broxtermann und weitere Priester aus dem Kreisdekanat und dem Ruhrbistum die Eucharistiefeiern und die weiteren Sakramente. Das bleibt bei den Katholiken auch weiterhin Männern vorbehalten.

Pfarrer Schmalenbach geht nach Lüdenscheid und Plettenberg

Die Amtseinführung von Schnell und Broxtermann ist für Ostermontag, 5. April, um 15 Uhr geplant. Der bisherige Altenaer Pfarrer Ulrich Schmalenbach übernimmt anschließend neue Seelsorge-Aufgaben im Märkischen Kreis.

„Ich freue mich über diese neue Möglichkeit der Pfarreileitung und danke Frau Schnell und Pastor Broxtermann für ihre Bereitschaft, auf die für unser Bistum neue Weise Verantwortung für die Pfarrei zu übernehmen“, sagt der Personaldezernent im Bistum Essen, Domkapitular Kai Reinhold.

Neues Leitungsmodell gegen Priester-Mangel

„Pfarrer Ulrich Schmalenbach wünsche ich nach eineinhalb Jahrzehnten als Leiter der Großpfarrei in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde ganz viel Freude für seine neuen seelsorglichen Aufgaben als Pastor in den Pfarreien in Lüdenscheid und Plettenberg.“

Diese Entscheidung geht auf das neue Pfarreileitungskonzept des Bistums Essen zurück, das für das Ruhrbistum und 42 Pfarreien angesichts des herrschenden Priestermangels Alternativen zum bisherigen Vorgehen beschreibt. Die Gesamtleitung einer Pfarrei muss danach nicht mehr zwingend durch einen Pfarrer erfolgen.

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