Pedalec-Bike im Test: Weniger Kraft, mehr Power

Carolin Hüppe ist begeistert. „Es funktioniert“.

ALTENA - Im ersten Moment war es etwas ungewohnt. „Sie müssen aufpassen: Wenn sie lostreten, dann hat das gleich richtig Power“, hatte Jan Slejfir, Inhaber von Jans Radland, mir noch wohlwissend mit auf den Weg gegeben. Und er hatte Recht. Einmal leicht in die Pedale treten und das Rad macht einen Satz. Wackelig waren deswegen auch meine ersten Meter auf dem teilmotorisierten Gefährt.

Einen Tag lang habe ich im Altenaer Stadtgebiet ein Elektrofahrrad auf seine Alltagstauglichkeit getestet und mich von Berg zu Berg gestrampelt. Mein Testobjekt: Feuerrot, glänzend, klein und wendig – ein so genanntes Pedalec-Bike. Auf den ersten Blick erinnerte es mich mehr an ein Klappfahrrad. „Das soll es auch“, erklärte mir der Experte. „Es ist sehr einfach zu verstauen“. In der Regel wiegen Elektrofahrräder rund 27 Kilogramm. Ich durfte ein Leichtgewicht von 24 Kilogramm auf seine Leistungsfähigkeit testen. Außerdem versprach Slejfir mir, dass ich mit diesem unscheinbaren Superbike nahezu jeden Berg hinauffahren könnte.

Auch wenn ich an die Kraft von Elektrorädern glaube, skeptisch war ich trotzdem. Deswegen unterzog ich das Rad auch gleich dem Härtetest. Einmal den Burgberg ‘rauf bitteschön. Das Ergebnis: Trotz nicht unerheblicher Steigung trat ich mich mühelos die Fritz-Thomée-Straße hinauf. Und das im sechsten von acht Gängen. Dabei genoss ich die bewundernden Blicke einiger Passanten. Ob die den Elektromotor gar nicht gesehen haben?

Am Anfang fühlte es sich wie leichter Rückenwind an. Mit mäßigem Trampeln kam ich gleich doppelt so schnell voran. Und weil es mit dem Burgberg so gut klappte, schloss ich meiner Testroute gleich die Bergstraße an – und den Nettenscheid.

Während mich der Motorantrieb in der Bergstraße gut unterstützte, kam ich trotz der höchsten von insgesamt drei Motorenstufen am Nettenscheid leicht ins Schwitzen. Das liegt daran, dass der Motor einem die Fahrleistung nicht komplett abnimmt, sondern die Eigenleistung in verschiedenen Prozentstufen unterstützt. Ganz aufs Trampeln verzichten kann man also, zumindest bei diesem Fahrrad, nicht. Das Argument, ein Elektrofahrrad sei nur was für Faule, gilt deswegen nicht.

Der extreme Härtetest führte allerdings auch dazu, dass der Akku des Rades schon nach einer halben Stunde Fahrtzeit ein Drittel seiner Kapazität verloren hatte. Mir egal: Ich war in rund 20 Minuten vom Bungern bis zum Nettenscheid geradelt – zum ersten Mal in 23 Jahren.

Auch wenn die größte Zielgruppe der Räder Menschen im fortgeschrittenen Alter sind, habe ich mich mit dem Pedalec-Bike wohlgefühlt. Ein bisschen wie Superman. Mit viel weniger Kraft konnte ich viel mehr erreichen und Berge bezwingen an die ich mich sonst nicht herangetraut hätte.

Je nach Motorenunterstützung können mit dem Rad Geschwindigkeiten von bis zu 25km/h erreicht werden Es gibt verschiedene Antriebsmodelle. Am weitesten verbreitet ist aktuell der Nabenmotor an der Hinterradnabe. Das Elektrobike unterstützt den Fahrer bei jeder Pedalumdrehung mit zusätzlicher Energie. Damit können leichte bis starke Anstiege problemlos überwunden werden. Deswegen bietet das Fahrrad besonders für Altena enormes Potenzial. Es ist billiger, gesünder und wesentlich umweltfreundlicher als jedes Auto. Das Argument „hier sind doch nur Berge, hier kann man gar nicht fahren“, ist für Jan Sleifir deswegen völliger Quatsch. „In der Schweiz gibt es auch Berge und da fahren alle“, sagt er.

Mein Fazit: Elektroräder machen es jedem möglich, auch bergige Gegenden mit dem Rad zu erkunden oder längere Strecken zurückzulegen. Besonders für kürzere Strecken im Stadtgebiet sind die Räder eine echte Alternative. Der Motor nimmt die Angst vorm Berg. Und davor, vielleicht auf halber Strecke schlapp zu machen. Egal ob Mühlendorf, Burgberg, Bergstraße oder Nettenscheid: Das Fahrrad hat mich nicht im Stich gelassen und mich nahezu schweißfrei von A nach B befördert.

Und was wenn der Akku doch mal leer ist? „Dann ist es immer noch ein ganz normales Fahrrad“, so Slejfir.

von Caroline Hüppe

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