Paul und Ursel Stutes Beziehung begann mit einem Walzer im Kölschen Joe

Gnadenhochzeit: 70 Jahre verheiratet

Altena – Die Dicke Bertha, jene legendäre Lok der Iserlohner Kreisbahn, hat Paul und Ursel Stute zusammengebracht. Das agile Paar feiert am heutigen Montag, 9. September, seinen 70. Hochzeitstag. Die Ehejubilarin stammt gebürtig aus Köthen, Sachsen-Anhalt. Sie kam 1949 nach Altena. Ihr Mann ist waschechter Burgstädter und hat Zeit seines Lebens am Knerling gewohnt.

 Allein in dem Haus, wo das Paar seit 62 Jahren eine schicke Wohnung bewohnt, lebt er seit seinem achten Lebensjahr. „Vorher habe ich mit den Eltern im Straßenzug „Am alten Knerling gewohnt. Das Haus gibt es nicht mehr.“ Ursel Stute war 1949 „in Stellung“ im Haus Bergfeld am Eck. „Da kam täglich mein Paul mit der Dicken Bertha die Nette herunter gefahren. Er war als Bremser auf dem Zug beschäftigt. Dann habe ich ihm immer zu gewunken. Das muss ihm wohl so gefallen haben, dass er mich kurzfristig zu einem Tanzabend in den Kölschen Joe eingeladen hat.“ Die Lebensromanze des Paares begann in diesem Lokal dann mit einem Walzer.

 „Ja, mein Mann, konnte immer schon gut tanzen“, erinnert sich Ursel Stute, weiß aber nicht mehr hundertprozentig, was für ein Walzer es damals war. „Ist auch egal - wir haben danach kaum noch Zeit ins Land gehen lassen und schnell geheiratet. Irgendwie haben wir gespürt, das ist Liebe und sind dann umgehend vor den Traualtar getreten.“ Getraut hat das Paar Pastor Dahlmann in der Lutherkirche.

Gefeiert wurde damals in der Wohnung der Schwiegereltern. „Alle haben im Vorfeld angefasst, ein Zimmer ausgeräumt und dann startete die Feier“, erinnert sich Ursel Stute. Die ersten Jahre hatte das Paar keine eigenen vier Wände, „wir haben mit im Haushalt der Schwiegereltern gewohnt.“ Sieben Jahrzehnte verheiratet zu sein ist ein ganz besonderes Jubiläum. Die Stutes teilen es etwa mit Queen Elizabeth II. und Prinz Philipp sowie anderen ungekrönten aber loyalen Paaren. Das besondere Ehejubiläum der Gnadenhochzeit selbst ist abgeleitet von „Gottes Gnaden“ und ist auch in Altena eher selten. „Deshalb feiern wir auch zünftig“, versprechen die Jubilare: Mit geladenen Gästen wollen sie das in einem heimischen Gasthof tun. Wer die beiden besucht, stellt fest, dass sie sich auch nach 70 Jahren noch ein wenig necken. „Fast so wie am ersten Tag“, sagt Ursel Stute und schiebt nach: „Verwechseln Sie das Frotzeln bitte nicht mit Streit. Den hat es natürlich auch gegeben, das kommt in jeder Beziehung vor. Aber wenn man sich mit Respekt begegnet, auch die Meinung des anderen gelten lässt, spielt sich das ein.

Und spätestens Abends war dann alles immer wieder gut. Mit Krach zu Bett zu gehen, kam für uns nicht in Frage.“ Paul Stute feierte kürzlich seinen 90. Geburtstag, seine Ehefrau Ursel und Mutter von fünf gemeinsamen Kindern, ist 88 Jahre jung. „Wir haben sieben Enkel, drei Urenkel und vielleicht schon bald sogar Ur-Urenkel“, sagt Paul Stute. In der Nähe des Hengsteysees besaßen die beiden ein kleines Häuschen auf einem Campingplatz an der Ruhr. Dort sind sie viele Jahrzehnte hingefahren. „Das hat uns Kraft gegeben.“ Auch gekegelt hat das Paar, Paul Stute darüber hinaus viele Jahre in einem Gesangverein gesungen. Bis heute geht er noch einmal die Woche ins Café Ko, um zu knobeln und Freunde zu treffen. „Ein besonderes Hobby hatte ich nicht - Arbeiten war mein Hobby“, sagt Ursel Stute. Sie war nach der Anstellung in einem Haushalt später viele Jahre als Verkäuferin im Einzelhandel tätig. Ihr Mann arbeitete bis zu einer Knieerkrankung mehr als 30 Jahre als Berufskraftfahrer. „Ich habe für die Iserlohner Kreisbahn, die Westfälische Kleinbahn AG oder die KAE so ziemlich jedes große Fahrzeug vom Bus bis zur Straßenbahn gefahren“, sagt er.

Dass gutes Essen Leib und Seele zusammenhält und auch einer Partnerschaft förderlich ist, unterstreicht Paul Stute ausdrücklich. „Es hat mir immer geschmeckt, was meine Frau gekocht hat.“ Nach nunmehr 70 Ehejahren gab es schon viele Ehe-Jubiläen zuvor. Dazu fällt Ursel Stute ein: Alle Hochzeitstage, auch die runden, seien „irgendwie immer besonders gewesen“ Und sie macht ihrem Mann ein großes Kompliment, nennt ihn einen Kavalier der alten Schule, weil: Vergessen habe ihr Mann den Hochzeitstag kein einziges Mal. „Da musste er nie ein schlechtes Gewissen haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare