Kreis mahnt zur Besonnenheit

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Das Krankenhaus bleibt in der Diskussion.

Altena - Zumindest missverständlich waren Auskünfte, die der Kreis am Donnerstag zu Patientenakten im Krankenhaus gab. Das sorgte am Freitag für erhebliche Probleme an der Pforte des St. Vinzenz.

Jeder Patient habe Anrecht auf die Herausgabe seiner Akte – so hatte das AK den Kreispressesprecher Hendrik Klein zitiert. Daraufhin setzten sich etliche Altenaer in Bewegung, um dieses Recht einzufordern. Das Problem: Es existiert gar nicht. Im Gegenteil ist das Krankenhaus sogar verpflichtet, diese Unterlagen bei sich aufzubewahren, und zwar mindestens zehn Jahre lang. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft empfiehlt sogar eine Frist von 30 Jahren.

Den Grund dafür erklärt Michael Buschkämper vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises: Um der gesetzlich festgelegten ärztlichen Dokumentationspflicht zu genügen, seien die Unterlagen zweifelsfrei Eigentum des Krankenhauses. Der Patient habe lediglich das Recht auf Einsichtnahme in die Originalakte, er könne unter Umständen auch Kopien anfordern.

Eine Ausnahme bilden nach Mitteilung des Kreises nur Röntgenaufnahmen – sie könnten dem Patienten im Original zur Weiterleitung an einen nachbehandelnden Arzt mitgegeben werden, wenn dadurch voraussichtlich eine Doppeluntersuchung vermieden werden könne. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass diese Unterlagen nicht „auf Vorrat“, sondern nur in begründeten Einzelfällen herausgegeben werden müssen.

Weil eine ganze Reihe von Altenaern nach ihren Akten fragten, gerieten die noch im Haus tätigen Verwaltungsmitarbeiter unter Druck. Unnötigerweise, wie die Insolvenzverwaltung versicherte: Natürlich werde der Dokumentationspflicht Genüge getan, die Einsicht in die Akten bleibe über Jahre hinweg gesichert – dazu fänden im Moment entsprechende Gespräche auch mit den Aufsichtsbehörden statt, was das Gesundheitsamt bestätigte. Es bestehe deshalb keinerlei Handlungsdruck, versicherte Buschkämper.

Dr. Matthias Böse aus der Kanzlei Husemann und Partner erklärte am Vormittag, dass „aufgrund des aktuellen organisatorischen Aufwands im Krankenhaus“ eine Einsicht in die Patientenakten zurzeit „nur mit erheblicher Verzögerung“ möglich sei. „Einsichtnahmen in Patientenakten sind auch vor der Insolvenz nur selten erfolgt“, sagte der Insolvenzverwalter Achim Thomas Thiele. Daran müsse sich auch jetzt nichts ändern.

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