Mit dem letzten Akt noch einmal Geld für Mosambik

Among Friends“ setzen Sonntag in der in der Burg Holtzbrinck den Schlusspunkt einer beispiellosen Hilfsaktion.

ALTENA ▪ Mit einem Benefizkonzert geht am Samstag eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte zu Ende: „Among friends“ aus Meinerzhagen spielen ein letztes Mal für das Partnerschaftsprojekt Ancuabe/Mosambik. Danach wird sich der Verein auflösen – es gebe einfach nicht mehr genug Mitstreiter, bedauert die Vereinsvorsitzende Ursula Rinke, die das Projekt die ganzen 30 Jahre lang begleitet hat.

Es begann Anfang der 80er Jahre, und zwar in der damals sehr regen Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung. Entwicklungshilfe war damals ein großes Thema, viele Diskussionen drehten sich um die Frage, ob die „offizielle“ Hilfe wirklich dort ankommt, wo sie benötigt wird und ob es nicht sinnvoll wäre, zielgerichtet zu helfen.

Für Letzteres entschieden sich die Altenaer um Heinz Mührmann, Bernd Laß, Almut Kückelhaus und Ursula Rinke. Ausschlaggebend waren zum einen Gespräche mit Lehrern der Anne-Frank-Hauptschule in Lennestadt-Meggen, die schon eine Partnerschaft zu einer mosambikanischen Schule pflegte. Zum anderen fand die Gruppe Kontakt zum spanischen Pater Vincente, der sich für Projekte in Mosambik engagierte. Er ermunterte die Altenaer, ein eigenes Projekt zu übernehmen und schlug die Unterstützung einer Schule in der Stadt Ancuabe vor. Sie liegt im Nordosten Mosambiks. Damals tobte in dem Land ein Bürgerkrieg, bei dem westliche Staaten – allen voran die USA – die Gegner der linksgerichteten Regierung unterstützten. Die eher Amerika-kritische Haltung der Friedensbewegung dürften mit ein Grund dafür gewesen sein, sich für ein Projekt in Mosambik zu entscheiden.

Den Bau einer weiterführenden Schule für die Klassen fünf und sechs hatten die Ancuaber schon selbst in Angriff genommen, allerdings in landestypischer Bauweise, also aus Stroh und Lehm. Die Haltbarkeit solcher Gebäude ist sehr begrenzt, deshalb sollte ein Schulgebäude in massiver Bauweise her – kaum finanzierbar für die Einwohner des armen Landes.

Hier setzten die Altenaer an: Trödelstände, Sammlungen, Mitgliedsbeiträge – es wurde viel unternommen, um an Geld zu kommen. Anfangs sammelte die Initiative auch Sachspenden, zum Beispiel Schulmobiliar und Fahrräder, und schickte sie per Überseecontainer nach Afrika. Hohe bürokratische Hürden und nicht unerhebliche Transportkosten führten etwa in den 90-er Jahren zum Ende dieser Art von Hilfe. Hinzu kam die Befürchtung, dass die Sachspenden zur gerade wieder aufkeimenden Wirtschaft des Landes in Konkurrenz treten könnten.

Wie viel Geld im Laufe der Jahre genau nach Mosambik geschickt werden konnte, kann Ulla Rinke noch nicht genau sagen. Sie ist gerade dabei, Bilanz zu ziehen. Es dürfte sich aber um einen sechsstelligen Dollarbetrag gehandelt haben. Dazu trug auch die ein oder andere Großspende bei, zum Beispiel ein Betrag von 3000 Euro, die Dr. Rüdiger Balbach 2004 übergab. Der damalige St. Vinzenz-Chefarzt hatte einen runden Geburtstag zum Anlass genommen, um Spenden für den Schulbau zu bitten.

Der erfolgte in mehreren Abschnitten: 1996 wurden fünf Klassenräume fertiggestellt, in der in zwei Schichten bis zu 600 Kinder unterrichtet wurden. 2004 wurden dringend benötigte Sanitäranlagen fertiggestellt, später folgte eine Erweiterung des Raumangebotes – alles mit erheblicher Unterstützung der Altenaer.

Bis zuletzt floss Geld nach Mosambik – die letzte Zahlung ging aber nicht mehr an die Schule, sondern wurde dem noch immer im Land tätigen Pater Vincente für den Bau eines Kindergartens zur Verfügung gestellt.

Neben der rückläufigen Mitgliederzahl waren Kommunikationsprobleme ursächlich für den Beschluss, den Verein aufzulösen – es seien zum Schluss kaum noch Informationen über die Schule in Altena angekommen, berichtet Ulla Rinke. Trotzdem soll auch der letzte Akt der 30-jährigen Vereinsgeschichte dazu dienen, Geld für Mosambik zu sammeln. Am kommenden Sonntag spielt „Among Friends“ in der Burg Holtzbrinck Irish Folk. Die Meinerzhagener Gruppe tritt schon zum dritten Mal ohne Gage für das Projekt auf. Das Konzert beginnt um 11 Uhr, der Eintritt kostet zehn Euro (ermäßigt sieben Euro). ▪ Von Thomas Bender

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