Der Maure, die Griechen und die Madiwes

Ein Paradies für Schildkröten in Evingsen

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Mit dem Schildkrötengehege hat sich Nadine Madiwe einen Traum erfüllt. Die Tiere werden sehr alt, verändern sich in Größe und Gestalt aber nur langsam. Außerdem mampfen sie all das gerne, was der Mensch im Garten als Unkraut betrachtet. „Spitzwegerich, Habichtskraut und Giersch zum Beispiel.“

Altena - Ein idyllischer kleiner Bach führt durch das malerisch gelegene Stück Erde im Garten von Nadine und Marcel Madiwe. Wildkräuter und Blumentöpfe ergänzen das charmante Arrangement. „Das ist aber gar nicht für uns!“ berichtet das Paar aus Evingsen lachend. „Das ist für die Schildkröten!“

So akribisch gepflegt war der Garten bis vor wenigen Monaten noch nicht und Nadine Madiwe dachte auch gar nicht daran, dass sie mal neun griechische und eine maurische Landschildkröte besitzen würde, als ihr im September 2016 ein Fundtier zur vorübergehenden Pflege überreicht wurde. 

Der Schildkrötenpapst

„Darauf war ich nicht vorbereitet. Aber ich wollte dem Tier ja ein gutes vorübergehendes Zuhause bieten und habe mich dann eingelesen in das Thema. Und danach wollte ich selbst welche halten!“ 

Schildkrötenpapst Wolfgang Wegehaupts Standardwerke zur Haltung griechischer Landschildkröten und Ricarda Schramms Ernährungsbuch wurden ab da zur Lieblingslektüre von Nadine Madiwe. „Ich habe dann mal meinen Mann an die Arbeit getan. Der ist Tischler und konnte die nötigen Landgrenzen bauen für die Schildkröten.“ 

Auch, wenn den Tieren ein langsames Image anhaftet, sind sie ganz flott weg, wenn sie kein Zäunchen vorm Fliehen abhält. Außerdem sollten die maurische Schildkröte und die griechischen nicht unbedingt in Kontakt kommen. 

Zwar haben sie in Evingsen ihr gemeinsames Habitat, aber unterschiedliche Immunsysteme. „Wir müssen sie nicht gemeinsam leben lassen, also gehen wir auch kein Risiko ein“, berichten Madiwes. 

Meister des Überlebens

Dass Sohn Marlon mit seinen drei Lebensjahren auch schon Spaß an den Tieren hat, ist beruhigend, denn eigentlich brauchen Halter einen Erben. „Schildkröten erreichen ja locker ein dreistelliges Alter. 

Und sie sind wahre Meister des Überlebens. Wenn ein Weibchen seine Umgebung als ungeeignet zur Aufzucht von Jungen erachtet, kann sie auch fünfzig Jahre warten und dann erst die Eier legen.“ 

Dank der Schildkröten hat der Garten eine ganz neue Qualität bekommen. Jetzt ist er gefüllt mit kleinen Gewächshäusern und sogar einem kleinen Bach.

Deshalb kann ein Leben mit Schildkröten überraschend sein. „Wir züchten ja nicht, aber wenn wir unwissentlich mal ein befruchtetes Weibchen bekommen, müssten wir uns mit dem Nachwuchs auseinandersetzen“, erklärt Nadine Madiwe lachend. Bislang weiß sie recht viel über ihre Tiere, denn alle sind meldepflichtig und besitzen umfangreiche Papiere. 

Regelmäßig verlangt der Märkische Kreis auch fotografische Updates über die Entwicklung. „Die Panzerzeichnung ist je nach Alter des Tiers wie ein Fingerabdruck. So konnte ja auch unser erstes Fundtier identifiziert und seinem Besitzer wieder zugeführt werden.“ 

Im Winter in den Kühlschrank

Hat man sich einmal die Arbeit gemacht und für kühle Tage kleine Gewächshäuser mit Deckelheizung installiert, haben Schildkrötenhalter nicht mehr viel Arbeit. „Das beste ist, dass sie am liebsten all das fressen, was wir Menschen als ärgerliches Unkraut betrachten.“ 

Je wärmer es ist, desto aktiver sind die Tiere. Minusgrade vertragen sie nicht, während der sogenannten Winterstarre sind sie über drei bis fünf Monate im Kühlschrank am besten aufgehoben, bis sie im Frühjahr wieder munter werden. Sollte es doch mal ein medizinisches Problem geben, gibt es in Schwelm einen auf Reptilien spezialisierten Veterinär. 

Leute, die sich gut auskennen, finden Madiwes auch in der Auffangstation in Dorsten. Gekauft hat sie selbst noch kein Tier, sondern gibt denen ein zuhause, deren Vorbesitzer keine Kapazitäten mehr hatten oder verstorben sind. 

Entspannen mit Schildkröten

Durchaus sind die Tiere teuer, gerade erwachsene Weibchen werden mit 300 bis 1000 Euro gehandelt. Verkaufen wollen Madiwes aber keinen ihrer Schätze. „Allein deshalb, weil man unheimlich gut entspannen kann, wenn man mit Schildkröten lebt!“

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