Otto Brauckmann berichtet

Kunst des Malers Heinz Wever: Dokumente der Arbeitswelt

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Otto Brauckmann bei seinem Vortrag vor den "Freunden der Burg".

Altena - Lang war der Titel des Vortrags, den Otto Brauckmann, Diplom-Kaufmann, Buchautor und Unternehmer aus Lüdenscheid, als Gast der Freunde der Burg am Mittwoch im Rittersaal hielt: „Die Fabriken und ihre Arbeiter aus der Zeit und in Bildern von Heinz Wever.“

Denn der Maler aus Herscheid erwarb sich das große Verdienst, seine Kunst in den Dienst der Arbeitswelt gestellt zu haben. Dadurch blieben viele Gesichter und ihre Tätigkeitsbereiche in einer größtenteils vergangenen Arbeitswelt für die Nachwelt dokumentiert.

Doch Otto Brauckmanns erste Bemerkungen betrafen sein eigenes Verhältnis zu dem Künstler, der im Auftrag der Firma Brauckmann & Pröbsting deren Arbeiter porträtierte, wenn sie 50, später 40 Jahre im Unternehmen gearbeitet hatten. „Ich habe ihn Onkel Heinz genannt“, erinnerte sich der Referent an Zeiten, die schon länger zurücklagen. „Ich kannte diejenigen, die auf den Bildern waren.“ Entsprechend reich war das Bildmaterial, das Otto Brauckmann dem Publikum präsentieren konnte.

Viele dieser Arbeiterbilder aus dem Pinsel von Heinz Wever waren 2016 in der großen Gedenkausstellung zu seinen Ehren in den Museen der Stadt Lüdenscheid zu sehen. Spannend war die Schilderung der Arbeitswelt, in der diese Werktätigen zumeist noch körperlich hart arbeiten mussten. Otto Brauckmann machte deutlich, dass es den werdenden märkischen Unternehmern vor ihrem wirtschaftlichen Erfolg zumeist nicht anders erging. Sie kamen oft aus ärmlichen Verhältnissen und schufteten für den Erfolg. „Die frühen Unternehmer haben eigentlich alles selber gemacht.“

Heute würde man sagen, dass sie die Wertschöpfungskette umfassend ausschöpften. Ihre Mentalität habe sich nicht grundlegend von jener ihrer Arbeiter unterschieden, sagte Otto Brauckmann: „Es gab nur eine kleine menschliche Differenz zwischen Fabrikanten und Arbeitern.“ Das hielt soziale Konflikte eher klein. Der erwirtschaftete Reichtum verteilte sich - wie anderswo auch - ungleich: 37 Goldmark-Millionäre gab es vor dem 1. Weltkrieg in Lüdenscheid, das damals erst 20000 Einwohner zählte.

Der Lebensstil des neuen Geldadels kopierte die Pracht des an Bedeutung verlierenden Adels: Der Turm der Villa Hueck, heute Humboldt-Villa, kopierte den imposanten Turm von Schloss Neuenhof.

Doch die Arbeiter, die mit ihren Familien vielfach in firmeneigenen Wohnungen lebten und von weiteren Einrichtungen bis hin zum Schillerbad in Lüdenscheid profitierten, respektierten dieses Wohlergehen als Garant ihres eigenen bescheidenen Wohlstands. Viele hätten ein sehr persönliches Verhältnis zu ihrem Unternehmen gehabt, erklärte Otto Brauckmann: „Es gab kein Proletariat in unserer Gegend.“

In einem noch weitergehenden Rückblick schilderte der Referent die frühe Eisenindustrie als Motor der Entwicklung, in deren Verlauf sich die Eisen verarbeitenden Unternehmen immer mehr spezialisierten. Wevers Arbeiterportraits wurden so zu einem Fenster in eine Arbeitswelt, die einem heutigen Sicherheitsbeauftragten schlaflose Nächte bereiten würden.

Wer heile nach Hause kommen wollte, musste sich der bestehenden Gefahren bewusst sein. „Kein Bewusstsein“ habe es hingegen für die Belange der Umwelt gegeben: Da wurde auch schon mal Zyankali in einer Kanne transportiert. Besonders gründlich lernten die Besucher die Produktions-, Prüf- und Vertriebsabläufe im Familienunternehmen des Referenten kennen: Brauckmann & Pröbsting produzierte „Haken und Ösen“.

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