Ostern in Corona-Zeiten: Gläubigen  fehlt die Gemeinschaft 

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Video-Gottesdienst aus der Lutherkirche: Die Gemeinden gehen neue Wege in Zeiten des Coronavirus'.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Es wird ein besonderes Osterfest. Eines ohne klassischen Gottesdienst und Gemeinschaft. So arrangieren sich die Christen vor Ort damit.

Das Osterfest ohne Kirche und Gottesdienst‘? Für viele Altenaer und Nachrodt-Wiblingwerder unvorstellbar. „Ich gehe seit meinem dritten Lebensjahr jeden Sonntag in die Kirche. Und jetzt, mit 83, geht das nicht mehr? Sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Magdalena Kleinsorge. 

Damit liegt die langjährige Küsterin der katholischen Kirche St. Matthäus – immerhin 30 Jahre in dieser Tätigkeit und seit 24 Jahren im Ehrenamt – sehr nahe an der Meinung von Helga Mosch, die 27 Jahre Kirchmeisterin in Evingsen war und 36 Jahre Mitglied des dortigen Presbyteriums. 

"Hätte ich mir nicht träumen lassen"

„Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich in meinem hohen Alter nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche gehen kann. Natürlich wäre ich zum Gottesdienst gegangen“, sagt sie mit Blick auf Ostern. Helga Mosch wird bald 83 Jahre alt. 

Ähnlich sieht das Hermann Allhoff, langjähriger Schriftführer der Kolpingsfamilie und aktiv im Kolpingchor. „Das ist eine neue, bedrückende Sache.“ Er wohnt gleich in der Nachbarschaft von St. Matthäus. „Ich gehe mit meiner Frau auch zwischendurch mal in die Kirche und dann zünden wir eine Kerze an“, beschreibt er einen seit langem gepflegten Brauch. Jetzt fehlten die Kontakte zur Gemeinde, aber auch zur Kolpingsfamilie. 

Magdalena Kleinsorge geht eigentlich jeden Sonntag in die Kirche.

Jedoch beschäftigen die Folgen der Corona-Pandemie nicht nur die älteren Kirchenbesucher: Das höchste Fest der Christenheit steht vor der Tür, und es wird keine Gottesdienste geben – jedenfalls nicht in der Form, wie man sie kennt. 

Coronavirus: Gemeinschaft fehlt

„Das fühlt sich schon sehr schlecht an“, sagt Christiane Frebel, die sich in der Gemeinde St. Matthäus unter anderem für das Angebot „Kirche für Kinder“ einsetzt und stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates ist. 

Gerade in der Karwoche gebe es doch immer sehr intensive Gottesdienste. „Da wird das Erlebnis der Gemeinschaft wichtig.“ Sie zähle eher nicht zu den Menschen, die die Messfeier vor dem Fernseher erleben möchten. „Das Osterfest wird durch die Gottesdienste strukturiert, das fällt jetzt alles weg.“ 

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Um die Ausfälle aufzufangen, gibt es diverse Aktionen und Angebote in den Kirchen der beiden Kommunen, unter anderem eine Gruppe auf Facebook, die zum Stadtgebet aufruft, und die Aktion Ostertüte mit Überraschungen für große und kleine Christen. 

Fest in Corona-Zeiten "unwirklich"

Deshalb ist sich Christiane Frebel sicher: „Ostern findet statt.“ Peter Krey war fast 25 Jahre im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde tätig, darüber hinaus auch in Gremien des Kirchenkreises und der Landeskirche. Was jetzt geschieht, findet er „irgendwie unwirklich“. Es handele sich schließlich um das höchste christliche Fest. „Da ist es ganz bitter, dass man nicht am Gottesdienst teilnehmen kann. Selbstverständlich wäre ich gegangen.“ Krey denkt aber auch an Bräuche und Traditionen, die mit dem Osterfest verbunden sind. 

"Ostern existiert trotzdem"

Die Osterfeuer, das Osterfrühstück und den von den katholischen Gemeinden gepflegten Kreuzweg vermisse er ebenso. Peter Krey sagt aber auch: „Ob Ostern gefeiert wird oder nicht – es existiert.“ Diese Gewissheit sei für Christen wichtig. Haus-Gottesdienst zum selbst Vorlesen 

Auch Dietmar Flusche bedauert den Wegfall der Gottesdienste. Er ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Kirchenvorstands von St. Matthäus. „Die Osternacht ist unser höchstes Fest. Auf den Fernseher auszuweichen, das ist nicht das Gleiche.“ Es fehle einfach an der Gemeinschaft. „Nach der Feier noch mit anderen Besuchern zusammenzusein und sich gegenseitig Frohe Ostern zu wünschen.“ 

Pröhleken  an der Kirche fehlt

Da ist sich Flusche wiederum einig mit Magdalene Kleinsorge: „Ein Pröhleken zu halten, das ist wichtig.“ Das gute alte Pröhleken, ein Plausch unter Sauerländern, wird auch in der Evangelischen Kirchengemeine Rahmede nicht möglich sein. 

Aber Finanzkirchmeister Ralf Ziomkowski beurteilt die Lage nicht so negativ. „Das setzt auch neue Energien frei.“ So wird es am Ostersonntag, 12. April, gemeinsam mit der Gemeinde Oberrahmede einen ersten Videogottesdienst auf der Internetseite der Kirchengemeinde Rahmede geben, ebenso gibt den „Hausgottesdienst. Dabei bekommen Gemeindemitglieder eine Andacht per Post nach Hause geschickt. 

„Wenn dann am Sonntag die Kirchenglocken läuten“, könne man die Zeilen des Gottesdienstes vorlesen – seinem Ehepartner zum Beispiel. Ziomkowski sagt: „Gerade jetzt ist es wichtig, dass unsere Gemeindemitglieder merken, dass wir da sind. Wir können nicht für vier oder fünf Wochen abtauchen.

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