Orkan Kyrill hat Gesicht der Stadt sehr verändert

Aufräumen nach dem Sturm Kyrill. In Altena waren hunderte von Hektar Wald betroffen.

ALTENA - In ein paar Stunden verlor Forstwirt Rolf Conzen exakt vor vier Jahren ein Fünftel seines Waldes in Altena. Noch heute zuckt der 51-Jährige beim Fallen des Namens Kyrill ein bisschen zusammen. Denn dieser Jahrhundertsturm bescherte dem Altenaer schlaflose Nächte und jede Menge Arbeit.

Rund 33 Hektar Waldfläche vernichtete der Orkan in seinem Eigentum, überwiegend mit Fichten bestanden, die 50 oder 90 Jahre alt waren. Noch heute sind die Narben in der Landschaft, etwa rund um den Flugplatz Hegenscheid oder im Gebiet Mühlendorf, mit bloßem Auge zu sehen.

Blaues Auge

„Ich bin noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, bilanziert der Forstwirt heute, der alle Windwurfflächen bereits mit zehntausenden von Jungbäumen neu aufgeforstet hat. Neben Fichten pflanzte er Douglasien, Küstentannen und Eichen an. Wenngleich, so sagt er, die hiesigen flachgründigen Böden für Edelhölzer im Grunde nicht ausgelegt seien. „Fichten wachsen immer gerade, Buchen werden krumm.“ Geblieben sind ihm aktuell Waldstücke, „die an den steilsten Hängen stehen“, was die Holzernte nicht gerade erleichtere. Im großen und ganzen war Conzen mit dem Erlös des Wurfholzes 2007 aber zufrieden. Er verkaufte es bis nach Indien und in die USA. „Auf einen Schlag waren damals 15 Millionen Meter Holz in NRW verfügbar. Normal sind vielleicht vier bis fünf Millionen Meter pro Jahr“, sagt er. Doch die Politik habe sich ja gegen jede Nasslagerung ausgesprochen. „Bedauerlich“, sagt der Fachmann, der seine Erlöse entsprechend anlegte und eine neue Holzernte selbst nicht mehr erleben wird. Denn allein Fichten sollten 80, 90 Jahre wachsen, Buchen 140 Jahre und Eichen sogar mindestens 180 bis 250 Jahre.

Aufgeforstet

Förster Franz-Josef Stein vom Forstamt Lüdenscheid verlor durch Kyrill im heimischen Raum, darunter am Dahler Giebel und um den Kohlberg, „über 600 Hektar Wald.“ Bis heute hat er davon 150 Hektar wieder aufgeforstet. Weil Buche nicht gleich Buche sei und es bei Pflanzungen auf die genetische Veranlagung der Hölzer ankomme, setzte und setzt der Forstamtmann auf „Pflanzgut aus dem heimischen Raum.“ Aber das sei nur schwer in diesem Maße erhältlich, wie Kyrill Wunden geschlagen habe. Von einer generellen Überlassung der Kahlflächen an die Natur, hält Stein im übrigen nichts. Holunderbüsche oder Ginster seien zum Hochwald keine wirkliche Alternative.

Nach Sturmtief Lothar 1999 und Daria neun Jahre zuvor, ist auch Kyrill für Rolf Conzen ein Beleg des stetigen Klimawandels. „Wir haben zu nasse Winter und ständige Wetterwechsel.“ Das bereite ihm schon Sorge.

von Johannes Bonnekoh

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