Sekundarschüler trainieren bei Tisch fürs Leben

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Ihre Tischsitten konnten die Jugendlichen und ihre Lehrerin Veronika Heinbach (links) bei einem Schnitzel mit Pommes Frites – ausnahmsweise mit Ketchup und Mayonnaise aus der Flasche – perfektionieren.

Altena - Der Tisch ist gedeckt im Hotel am Markt. Jetzt wachen aufmerksame Augen über die Einhaltung der Tischsitten. Es sind die von Olaf Diembeck. Der Tanzlehrer ist auch Fachmann für Umgangsformen.

Am Tisch sitzen die Schüler der Klasse 9b der Sekundarschule. Das Essen, sozusagen die Königsdisziplin der Umgangsformen, bildet den Abschluss eines Vormittags, an dem sich die Jugendlichen intensiv mit richtigem Verhalten in verschiedenen Situationen auseinandergesetzt haben.

Wie stellt man sich vor? Welche Körperhaltung demonstriert Selbstbewusstsein? Wer bietet wem das Du an? All das haben die Neuntklässler zuvor in den Räumen der Tanzschule Diembeck theoretisch und in Rollenspielen gelernt. „Viele benehmen sich falsch, weil sie es nicht besser wissen“, sagt Olaf Diembeck. Er attestiert den Jugendlichen aber auch eine Art Basiswissen in Sachen Gutes Benehmen.

Benehmen bei Tisch nicht alltäglich

Und jetzt das Essen sozusagen als krönender Abschluss. Auch das Benehmen bei Tisch ist für die Jugendlichen nicht unbedingt alltäglich. Mittlerweile steht der Hauptgang auf dem Tisch: Schnitzel und Pommes Frites. Bevor es ans Essen geht, nimmt einer der Schüler einen großen Schluck aus einer mitgebrachten Trinkflasche. Dass das eher unangebracht ist, sieht der Jugendliche dann aber ein.

Dass der Wunsch nach dem Dessert laut wird, ist ein paar Minuten später auch ohne Worte klar: Die meisten der Schülerinnen und Schüler haben ihr Besteck korrekt in der sogenannten 20-nach-4-Stellung auf den Teller gelegt und so signalisiert, dass sie den Hauptgang beendet haben. Der Kellner räumt ab.

„Wenn ich satt bin und noch etwas auf dem Teller habe“, erklärt Diembeck, „dann kann ich es mir auch einpacken lassen.“ Bei einem Büfett gelte das natürlich nicht. „Ich fasse es nicht“, unterbricht Diembeck sich selbst, als er eine von einem jungen Herrn in ein Glas gesteckte Serviette erblickt. Die nämlich gehört weder in Gläser noch auf Teller, sondern auf den Tisch – anders als der Ellbogen.

Vorbereitung fürs Praktikum

Drei Tage lang hat Diembeck die neunten Klassen der Sekundarschule in die Umgangsformen und Tischsitten eingeführt. Der Termin ist nicht zufällig gewählt, denn für die Schüler steht in Kürze das Betriebspraktikum an, wie Lehrerin Veronika Heinbach erklärt: „Gerade im Beruf ist es wichtig, sich richtig vorzustellen und vernünftig zu benehmen.“

Für die Jugendlichen gibt es nach dem Essen eine Auflistung der wichtigsten Regeln und – fast genauso wichtig – der jeweiligen Ausnahmen. Später bekommen sie noch eine Urkunde, die sie ihrer nächsten Bewerbung beilegen können. Und einen wichtigen Rat gibt Olaf Diembeck noch mit auf den Weg: „Wer höflich ist, der kommt im Leben weiter.“

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