Femegericht als Überraschung

Ohne Schützenfest aber mit der passenden Stimmung

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Am Eingang bekamen die Gäste einen Tisch zugewiesen.

Altena - Schützenfest-Stimmung ist auch in Zeiten von Corona möglich. Das haben die Evingser am Samstag mit Ehrungen, Marschmusik und dem Femegericht bewiesen.

Mit den großen Schützenfesten aus den Vorjahren war die Veranstaltung auf dem Gelände neben dem Vereinsheim nicht zu vergleichen. Und das sollte sie auch gar nicht. Wegen Corona mussten viele Regeln eingehalten werden. 150 Gäste konnten kommen, die sich registrieren lassen mussten. Am Eingang bekamen sie einen Tisch zugewiesen. Die Bierzeltgarnituren standen weit auseinander. „Wir haben unseren Spielraum hervorragend genutzt“, resümierte der Vorsitzende André Schneider. „Die Alternative wäre gewesen, gar nichts zu machen.“ Die Getränke wurden, ebenso wie Laugenbrezeln, mit Mundschutz und Handschuhen an die Tische gebracht. Das beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die vor Ort waren, hatte nichts zu bemängeln.

Das Femegericht, das zur Überraschung tagte, trug zum Mundschutz auch Masken des Modells schwarzer Tod, allerdings im Farbton weiß.

Der Vorsitzende blickte auf die fast 150-jährige Tradition des Vereins zurück, der zwei Weltkriege, drei Währungsreformen und 34 Regierungschefs miterlebt hat. Auch Corona werde er überstehen. „Auch in schweren Zeiten halten wir zusammen.“

Für Schützenfest-Stimmung sorgten der Tambourcorps Dahle und der Musikzug Versetal. Die Musiker begleiteten unter anderem den Einmarsch des Femegerichts, das als Überraschung tagte. Büttel Michael Klinke trug beim Gang auf die Bühne wie seine Kollegen eine weiße Schnabelmaske über dem „Corona-Mundschutz“. Er nahm das Hygienekonzept genau unter die Lupe. Jeder habe hier mehr Bewegungsfreiheit „als so manche arme Sau im Zerlegebetrieb des Herrn Tönnies.“ Im Schützenheim habe er sich von der Qualität des Desinfektionsmittels überzeugt: „Geschmackstechnisch zwischen Ossenkämper und Mümmelmann“.

Ehrungen und Femegericht des Schützenvereins Evingsen

Was die Masken angeht, so seien die Schützen auf einen „hastig zusammengenähten China-Import“ reingefallen, der maximal der Schutzklasse 0815 entsprechen würde. Das Gericht hingegen, „hat sich bei den Masken für das Modell schwarzer Tod entschieden“, erklärte er. „In Farbton weiß.“ Schon bei der Pest im 14. Jahrhundert hätten die ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt.

Wegen der Ausnahmesituation Corona wurden viele Verfahren im Eilverfahren durchgeführt. Verantworten musste sich etwa der Vorsitzende André Schneider. Er habe sich beim Besuch des Oktoberfestes des Musikvereins Harkebrügge eine Klarinette geschnappt und mit in den Bus genommen, weil ihm das Instrument so gut gefallen habe, hieß es in der Anklage. Die Anklage fand Schneider „ziemlich sinnfrei“, gab aber zu: „Genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern.“ Das Urteil von Richter Janko Banik: Bis zur Jahresabschlusssitzung muss er ein Lied einstudieren und vortragen – weitere Vorstandsmitglieder dürften zur Unterstützung mitmachen. Die meiste Arbeit kommt auf die Artillerie zu. Denn die Herren machen abends gerne mal Krach und bringen Bewohner um den Schlaf. Zur Strafe müssen sie nächstes Jahr ein Mittsommerfest organisieren. Dann sei die Nacht am kürzesten und die Nachtruhe würde am wenigsten beeinträchtigt.

Das Schützenfest wird übrigens nicht ins nächste Jahr verschoben. Die Schützen bleiben in ihrem gewohnten Turnus, sodass das nächste Fest vom 21. bis zum 24. Juli 2022 stattfindet.

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