Ohne die Bürger geht es nicht

Die Anwesenden zeigen per Handzeichen ihren Willen zum Engagement für das Krämerdorf in Altena.

ALTENA ▪ Die Stühle reichten nicht aus am Mittwochabend im Stadtinformationszentrum. Rund 90 Interessierte waren gekommen, denn es ging um dieses Ziel: „Wir reduzieren den Leerstand in der Lennestraße“.

Aber wie? Seit der Erstellung des Entwicklungs- und Handlungskonzeptes im Jahr 2007 gibt es Pläne, einhergehend mit der touristischen Belebung der Stadt Altena im Bereich der unteren Lennestraße ein Krämerdorf zu etablieren. Wie das genau aussehen soll, ist noch relativ unklar. Klar ist aber, dass die Stadt dabei auf die Mithilfe und das Engagement ihrer Bürger angewiesen ist. Und deshalb hatte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein eingeladen.

Zunächst klärte das Stadtoberhaupt die Anwesenden über das Projekt und über mögliche Fördermittel auf. „Ein Scheck in Höhe von 200 000 Euro ist bereits auf dem Weg zu uns“, so Hollstein. Das Geld stammt aus dem Bundesprogramm „Kooperation konkret“ und ist als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen. „Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, was da alles mit gemacht werden soll“, meinte Dr. Hollstein. So könnte die Stadt das Geld nehmen, um Hauseigentümern im unteren Bereich der Lennestraße – „denn da ist der Notstand am größten“ – Angebote zu unterbreiten. Beispielsweise könnten mit dem Geld die Vermieter unterstützt werden, damit sie die Ladenlokale zunächst mietfrei vergeben, um den Existenzgründern den Anfang leichter zu machen. „Bei vielen Sachen habe ich noch keine Antwort, das wollen wir mit den Bürgern zusammen besprechen und entwickeln“, sagte Hollstein.

Die 200 000 Euro könnte die Stadt aber auch für andere Förderprojekte nutzen. Zum Beispiel für das Europäischer Sozialfonds(ESF)-Bundesprogramm „Soziale Stadt – Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (Biwaq)“. Hierbei gewährt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Zuwendungen für Projekte in den Programmgebieten des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“, die die Qualifikation und soziale Situation der Bewohner und damit auch ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Eine Zielgruppe sind Langzeitarbeitslose, deren Integration in Arbeit gefördert werden soll. Insgesamt stehen für Biwaq bis 2015 184 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir haben die Chance, da rein zu kommen“, verkündete der Bürgermeister.

Sei das geschafft würde ein „Kümmerer“ gebraucht, eine Art Centermanager, der sich um die untere Lennestraße und um die Sorgen der Menschen dort kümmert. „So einen Menschen müssen wir finden, der das dann hauptberuflich macht“, verdeutlichte Hollstein. Alle anderen, die sich für das Krämerdorf einsetzen wollten, müssten das ehrenamtlich tun. „Ich bin bereit, einen großen Teil meiner Freizeit dafür zu investieren“, sagte der Bürgermeister und stellte die Frage: „Wer von ihnen ist bereit, mitzumachen?“ Nach kurzem Schweigen gingen alle Hände der Anwesenden hoch. Dann wurde Hollstein konkreter, wollte verbindliche Zusagen für die etwa drei Jahre dauernde Arbeit: Gebraucht werden Organisatoren, Fachleute in Sachen Strukturen, Finanzen und Rechtsprechung, Handwerker, Einzelhändler, Menschen, die die Arbeitslosen anleiten und beschäftigen.

Der Erste war schnell gefunden: der ehemalige Finanzbeamte Günter Buschmann. Sein Vormarsch wurde mit Applaus belohnt. Der Bürgermeister zog nach und setzte seinen Namen auf die Liste. Ihm folgten: Corina Turner, Melchior Ossenberg-Engels, Ulrich Holtkemper, Bruno Hüttemeister, Oliver Held, Sonja Reckschmidt, Frank Nielsen, Andreas Opitz und andere. ▪ Von Ilka Kremer

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