Einzelhandelsgutachten: Der Bürger hat das Wort

Gähnende Leere im Stapelcenter: Der Komplex hat nur eine geringe Magnetwirkung.

ALTENA -  Jeder darf mitreden, wenn es um wichtige Belange der Stadt geht – die Beteiligung der Öffentlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil des Planungsrechtes. Deshalb kann im Moment jeder Altenaer den Entwurf des Einzekhandelskonzeptes einsehen und seine Meinung dazu zu Protokoll geben.

Noch bis zum 7. November liegt das „Standortkonzept für die zukünftige Entwicklung des Einzelhandels“ dazu im Bauamt (Zimmer 0.10) öffentlich aus. Wer es dort studieren will, muss Zeit mitbringen: Auf über 50 Seiten beschreibt die renommierte BBE Handelsberatung GmbH aus Köln die Situation des Altenaer Einzelhandels und gibt Handlungsempfehlungen. Wem das Lesen im Bauamt zu mühsam ist, kann auch das Internet nutzen. Dort ist das Papier auf www.altena.de zu finden.

Anlass für die Untersuchung waren die Planungen für das Nahversorgungszentrum in der unteren Rahmede. Dazu müsste der Flächennutzungsplan geändert werden. Bevor darüber entschieden werden könne, müsse ein Einzelhandelskonzept her, verlangte die Bezirksregierung.

Das liegt nun im Entwurf vor und zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild: Die Gutachter stellen fest, „dass die Stadt Altena nicht ihrer mittelzentralen Versorgungsfunktion gerecht wird“. Sie begründen das unter anderem mit den von ihnen errechneten Kaufkraftabflüssen: Die Kaufkraft der Einwohner liegt bei insgesamt knapp 100 Mio. Euro. Davon bleiben rund 57 Mio. Euro beim Altenaer Einzelhandel. Den Rest geben die Kunden außerhalb aus. Vor allem Unterhaltungselektronik, Computer und Elektrogeräte werden oft außerhalb gekauft, hier beträgt die Kaufkraftbindung nur 25 Prozent. Lebens- und Genussmitteln hingegen kaufen die Altenaer zu 83 Prozent in ihrer Stadt. Andererseits bedeutet das aber auch, dass auch aus diesem Segment fast 7 Mio. Euro nach außerhalb abfließen. Deshalb sieht die BBE „Versorgungsdefizite“, die durchaus für die Ansiedlung eines leistungsfähigen Lebenssmittelsupermarktes sprächen.

Mit konkreten Aussagen pro oder contra Nahversorgungszentrum Rahmede halten sich die Gutachter dennoch zurück. Im Gegenteil: Sie fordern allem voran eine Stärkung der Innenstadt, der sie aber eine Reihe struktureller Schwächen bescheinigen – im Grunde nichts Neues für die Altenaer, die um die Probleme mit der kleinteiligen Ladenstruktur und der Länge der Einkaufsstraße wissen.

Großflächigerer Einzelhandel – so zum Beispiel der in der Stadt fehlende Drogeriemarkt – wäre nur im Bereich des Stapel-Centers möglich. Aber auch dort sieht die BBE erheblichen Handlungsbedarf: „Die bauliche Gestaltung und Verteilung der Ladenflächen entsprechen nur noch eingeschränkt den Ansprüchen moderner Einzelhandelsbetreiber. Gleiches gilt auch für die Gestaltung der Tiefgarage“. - ben.-

Das Gutachten kann während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung eingesehen werden: Montags bis freitags 8.30 bis 12 Uhr sowie montags bis donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr

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