OECD-Vertreter würdigen Integrationsarbeit vor Ort: „Vorbildhaft“

Flüchtlinge in Arbeit gebracht

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Vorbildliche Integration wird Altena im Umgang mit Geflüchteten bescheinigt. In viele Alltagssituationen - hier beispielhaft ein Blutspendetermin - sind die Menschen eingebunden.

ALTENA -  „Ich habe die glänzenden Augen von Helmut Lewecke gesehen und mich spontan mit ihm gefreut. Er hat mir heute im Rathaus den Ausbildungsvertrag eines Flüchtlings zum Elektriker vorgelegt“, so Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein am Montag vor dem Hauptausschuss.

Die erfreuliche Nachricht einer erfolgreichen Integration in den heimischen Arbeitsmarkt durch Vermittlung eines Kümmerers, „der, das muss ich einräumen, auch schon viele Nackenschläge in seiner Arbeit erlebt hat“, so Hollstein weiter, war aber nicht der einzige Lichtpunkt. Auch eine heimische Drahtschmiede stellte gestern einen jungen, anerkannten Asylbewerber im Ausbildungsgang Drahtfachkraft, früher Drahtzieher, ein. Beides zusammen sind sicher nur kleine Mosaiksteinchen, doch Lisanne Raderschal und Viviane Spitzhofer griffen das gern auf. Die beiden Frauen, angestellt bei der OECD und dem Senat von Berlin, präsentierten den Politikern das Ergebnis einer Flüchtlingsstudie auf Europaebene. Und Altena war neben Metropolen wie Barcelona, Wien, Göteburg, Berlin oder Rom, Ort und Gegenstand der Forschung „...für eine bessere Politik – für ein besseres Leben“, so das Oberthema der Studie. Sie liegt jetzt in englischer Sprache vor, wird in Kürze aber auch ins Deutsche übersetzt. Eine knappe Stunde verglich das Duo „Das gemeinsame Arbeiten für eine gelingende Integration von Migranten und Flüchtlingen“ und stellte Altena an vielen Stellen ein gutes Zeugnis aus. Auf dem Land, also hier, in der heimischen Region, sei vieles anders, vielleicht auch einfacher, stellten die Fachfrauen fest. Sie nannten die kurzen Wege, sie nannten das beispiellose ehrenamtliche Engagement und das Projekt Kümmerer. All das habe dazu geführt, dass sich Frauen und Männer „eher heimisch fühlten, als woanders.“ Und sie sparten auch nicht mit Lob in Richtung Märkischer Kreis und Jobcenter sowie Landesregierung. Diese Partner hätten gemeinschaftlich mit der Stadt „eine Menge an Systematik aufgebaut.“ Hollstein griff das auf, dankte seinem nach wie vor „gierigem Team im Rathaus um Anette Wesemann“ und den vielen Ehrenamtlern. Wo leben Migranten? Wer arbeitet mit Migranten und wie? – nur zwei wahllos herausgegriffene Fragen, die europaweit beleuchtet wurden. Dass auch Altena noch lernen kann und muss, auch das wurde nicht ausgespart. So ist es in Wien und Rom beispielsweise üblich, dass alle Verwaltungsmitarbeiter spezielle Kurse im Umgang mit Asylsuchenden besuchen müssen, um sich auf ihre Fragen, Mentalitäten und Probleme einzustellen. Angeregt wurde auch, den Spracherwerb noch weiter zu steigern, die VHS Lennetal noch deutlicher zu beteiligen. Und: Altena fehle trotz vieler Erfolge noch immer ein durchgehend entwickeltes Konzept. Als großen Pluspunkt sah die OECD aber zum Beispiel das neue Integrationszentrum an. Von hier könnten „sehr niederschwellig angelegt“ weitere, wertvolle Impulse ausgehen, hieß es. Dass Altena keine Sammelunterkünfte habe, sondern auf eine dezentrale Unterbringung setze, wurde sehr positiv bewertet. Anregt wurde, weiter gemeinsam daran zu arbeiten, das Alter der Ehrenamtler weiter zu senken und auch Schüler und Studenten für diese Arbeit zu gewinnen. Berlin geht da voran: Dort ist geplant, Leistungen in diese Richtung als Studienleistung anzuerkennen. Hollstein abschließend: Er sei froh, dass mittlerweile alle am Burggymnasium beschulten Kinder Regelklassen-Niveau erreicht hätten. „Die Förderung hat sich ausgezahlt.“ Es gebe keine Flüchtlingsförderklassen mehr.

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