OB-Wahlkampf in Dortmund: So schlug sich Altenas Bürgermeister im Video-Talk

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De drei wohl aussichtsreichsten Bewerber um das Amt des Dortmunder Oberbürgermeisters: Thomas Westphal (SPD), Dr. Andreas Hollstein (CDU, Mitte) und Daniela Schneckenburger von den Grünen mit Moderator Tom Hegermann (l.)

Wahlkampf in Zeiten von Corona: Zum Schlagabtausch per Live-Video trafen sich fünf der sechs OB-Kandidaten für Dortmund. So schnitt Altenas Bürgermeister ab.

Altena - Weitgehend ohne Publikum diskutierten fünf der sechs Dortmunder Oberbürgermeisterkandidaten in einem Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer (IHK) über Wirtschaftsthemen. Die vom ehemaligen WDR-Redakteur Tom Hegermann moderierte, gut anderthalbstündige Veranstaltung wurde aufgezeichnet und ins Netz gestellt. 

Und wie schlägt sich Dr. Andreas Hollstein (CDU) in einer solchen Runde? Er ist angespannt, das signalisiert seine Körpersprache deutlich. Fast schon demütig kommt er daher, immerhin hat er sich mit der Kandidatur um das Oberbürgermeisteramt ja auch Großes vorgenommen. 

Kaum Widerspruch

Auffällig an der Diskussion ist, dass nicht diskutiert wird. Die Kandidaten widersprechen einander nicht, gehen nur selten auf die Argumente der anderen ein. 

Erst als es darum geht, wie mit den Folgen von Corona umzugehen ist, wird es dem FDP-Kandidaten Michael Kauch zu bunt, als Hollstein in seinen Augen zu vage blieb: „Haben Sie einen konkreten Vorschlag? Sie wollen Oberbürgermeister werden. Sie müssen schon irgendeinen Ansatz haben“, motzt er, der selbst Hilfen unter anderem für Gastronomen und Hoteliers fordert. 

Er halte nicht davon, vor Wahlen Traumwelten zu bauen, die man später nicht erfüllen könne, kontert Hollstein. 

Hollstein nimmt Ball auf

Kann ein Kleinstadtbürgermeister Dortmund? Diese Frage wurde ausgeklammert, das Wort Altena fällt in den anderthalb Stunden kein einziges Mal. Dafür geht es oft um Südwestfalen und darum, wie wichtig das Zusammenspiel mit dieser Region und Dortmund ist. 

Diesen Ball spielt vor allem Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal, der Hollstein damit eine Vorlage gibt: Als Aufsichtsratsmitglied der Südwestfalenagentur habe er daran mitgewirkt, die beiden Industrieregionen zusammenzuführen, betont er. 

Das neue "Wir"

„Wir“ sagt Hollstein ganz oft in den 90 Minuten. „Wir“ meint Dortmund. Er verteilt Komplimente: „Die Stadt hat Steherqualitäten.“ Er bleibt manchem Mitbewerber aber zu unkonkret, wenn es um Problemlösungen geht. Auf Twitter sagte Diskussionsteilnehmer Westphal am Tag nach der Debatte: „Die Unterschiede sind schon deutlich geworden. Es geht ja nicht darum, dass man beschreiben kann, wie etwas sein soll, sondern dass man deutlich machen kann, was man tun will.“ 

Bei der Kommunalwahl bewerben sich in Dortmund fünf Männer und eine Frau um das Amt des Oberbürgermeisters. Fünf Kandidaten wurden eingeladen, auf die Teilnahme eines Bewerbers aus dem ultrarechten Lager verzichtete die IHK, die die Veranstaltung gemeinsam mit anderen Wirtschaftsverbänden organisiert hatte. 

Kein Favorit

Eineregelrechte Favoritenrolle bei der Kommunalwahl gibt es nicht. Bei der Europawahl im vergangenen Jahr wurden die Grünen mit 25 Prozent stärkste Partei vor der SPD (22,9 Prozent) und der CDU, die nur auf 19,3 Prozent kam.

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