„Niemand geht so ganz“

Ausgesprochen herzlich ging es bei der Verabschiedung von Hans Helmut Mahr zu. Hier gratuliert Dr. Frank Leienbach.

ALTENA ▪ Jetzt geht auch der letzte der „alten“ St.Vinzenz-Ärzte: Mit vielen anerkennenden Worten und standing ovations der Krankenhaus-Mitarbeiter wurde am Donnerstag Hans Helmut Mahr in den Ruhestand verabschiedet. Von Thomas Bender

Mahr ist – mit einer Unterbrechung während seiner Facharztausbildung – seit 1981 am Krankenhaus tätig, davon mehr als zwei Jahrzehnte als Oberarzt der Inneren Abteilung. Erwähnenswert: In dieser Funktion war er auch federführend, was die Zusammenarbeit der St. Vinzenz-Notärzte mit dem Rettungsdienst der Feuerwehr anging.

„Sie haben sich verdient gemacht um Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses“, sagte St. Vinzenz-Geschäftsführer Franz Jörg Rentemeister und ließ recht schnell die Katze aus dem Sack: Mahr wird wiederkommen. Er hat sich angeboten, bei personellen Engpässen einzuspringen. Die zeichnen sich jetzt schon ab, weil das Krankenhaus einerseits einen guten Zulauf verzeichnet, andererseits aber Planstellen für Ärzte nicht besetzt werden können. „Niemand geht so ganz“, scherzte Rentemeister, der die Situation sehr gut kennt: Auch er ist eigentlich Rentner.

„Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun“ – mit diesen Worten verdeutlichte der ärztliche Direktor, wie wichtig vor allem die im Krankenhaus tätigen Menschen für die Genesung der Patienten sind. „Und sie blühen mehr als vorbildlich im Garten St. Vinzenz“, sagte Jens Linderhaus weiter. Wie die anderen Redner auch lobte er die humorvolle Art des Neu-Pensionärs.

„Herzlich willkomen im Club der Rentner“, sagte Dr. Rüdiger Balbach und bezeichnete Mahr als „liebenswert, fröhlich, gut gesonnen“. Sein Rat: Aus dem Ruhe- einen Unruhestand machen.

„Der Kapitän ist schon gegangen. Jetzt folgt ihm der Steuermann.“ Mit diesen Worten sponn Mahr den von Balbach vorgegebenen Faden weiter. Er hielt eine mit viel Witz durchsetzte Abschiedsrede. „Ein schönes Städtchen“ habe er gedacht, als er im Herbst 1981 von Nachrodt kommend zum ersten Mal nach Altena fuhr – „ich kannte ja die Seitentäler noch nicht“. Schallendes Gelächter vor allem bei den Beschäftigten löste seine Schilderung einer OP-Szene im Alten Krankenhaus aus. „Die Leute sind eben robust hier auf dem Land “ – nur so konnte er sich damals erklären, dass nicht eine Sepsis die nächste jagte.

„Irgendwann ist jede Zeit vorbei“, sagte Mahr. Der Aufschwung, den das Haus zur Zeit erlebe, habe ihm die Entscheidung, mit 63 in Rente zu gehen, leichter gemacht. Wie viele seiner Kollegen klagte auch Mahr über die Veränderungen, die der Ärzteberuf erfahren hat: „Das ist heute zu 50 Prozent Bürokratie. Man schreibt und schreibt und schreibt. So macht die Arbeit keinen großen Spaß mehr“.

Mahr scheidet zum 31. Dezember aus, an Weihnachten hat er noch Dienst – „so ist das eben, wenn man einen Chef mit kleinen Kindern hat“. Was seine zukünftige Nebentätigkeit im Krankenhaus angeht, hat Mahr klare Anforderungen an die Mitarbeiter: „Ihr müsst ganz lieb zu mir sein. Ich bin jetzt Rentner und nicht mehr so belastbar“.

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