Nichtraucherschutz verhagelt das Geschäft

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Lazarus Oustabasidis denkt mit Schrecken an den Winter: Er betreibt das Bierstübchen Taverne. ▪

ALTENA ▪ Durchweg unglücklich sind Altenas Kneipenwirte und Cafébetreiber mit der Durchsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes. Die Wirte beklagen Umsatzeinbußen und selbst Nichtraucher, die eigentlich vom Rauchberbot in Kneipen profitieren sollten, sind unglücklich.

Die gemütliche Knobelrunde in der Kneipe wird regelmäßig durch eine Raucherpause unterbrochen. Die Spielergemeinschaft zündet sich draußen eine Zigarette an. Auch die Nichtraucher gehen mit. Allein am Tisch zurückbleiben - das wollen die Abstinenten nicht. Szenen wie diese erleben Kneipengänger wie Martin Berlet und Jörg Schneider öfter. Sie sind Fan vom gemütlichen Kaffee oder dem Bierchen an der Theke und sind im Café zur Burg auch als Raucher drinnen anzutreffen. Bedienung Heidi Schwandke hat keine Stammkundenverluste festgestellt. „Wir haben auch noch die gutbürgerliche Küche und den Biergarten vorm Haus. Das unterscheidet uns noch ein wenig vom Rest der Kneipenlandschaft.“

Die Belegschaft vom San Remo hingegen könnte Kilometergeld nehmen: Beide Außenterassen, darunter auch eine neue hinter dem Stapelcenter, liegen einige Meter von Eistheke und Espressomaschine weg. Was die Inhaberfamilie Collura so ärgert ist, dass sie noch vor gar nicht langer Zeit in eine teure Trennwand investiert hatte, um im Café einen Raucher- und Nichtraucherbereich zu schaffen. „Jetzt habenmeine Eltern für die neue Terasse noch mal Geld ausgegeben. Die muss sich erst mal etablieren und wir müssen Kunden auch zurückgewinnen.“ Schmerzlich vermisst wird im San Remo unter anderem eine Stammkundenclique von bis zu acht Männern, die jeden Tag auf Kaffee und Zigarette vorbei kam. „Weg!“ sagt Sandro Collura schulterzuckend.

Bitter getroffen hat es Lazarus Oustabasidis: Sein Bierstübchen Taverne ist eine jener typischen Klein-Kneipen, die kaum Platz für Außengastronomie haben. Um drei Monate im Sommer eine kleine Ecke mit Tischen und Stühlen vor seiner Kneipe aufstellen zu dürfen, zahlt er 100 Euro an die Stadt. „Am Abend vor dem1. Mai hat ein 86-jähriger Stammgast als Nichtraucher noch mal demonstrativ eine Zigarre am Tresen gepafft. Darüber konnten wir noch lachen. Aber an den Winter darf ich noch nicht denken...“

Für Café Ko-Wirt Dimitrios Apostolidis und seine Frau Evangelia stellt sich Anbetracht der täglichen Raucherfluktuation vorm Ko und auch den schon jetzt feststellbaren Umsatzeinbußen vor allem eine Frage: „Hat das Land NRW damals auch darüber nachgedacht, dass es keine Steuern mehr an den Kneipen verdient, die Pleite machen?“ ▪ Von Ina Hornemann

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