Nicht jede(r) will in der Provinz seine Kunst zeigen

Blick hinter die Kulissen: Das zum Beispiel ist die Künstlergarderobe der Burg Holtzbrinck.

ALTENA - Als nächste also Eva Mattes – Barbara Langos hat ein glückliches Händchen, wenn es darum geht, Stars in die Provinz zu holen. Das liege auch an guten Kontakten, die sie zu Weverinck-Management in Münster habe, sagte sie gestern.

Dort hat sie schon Christian Quadflieg und Thekla Carola Wied gebucht – immer als Rezitatoren, die unter Musikbegleitung Texte und Lieder bekannter Autoren präsentieren. Langos ist erkennbar stolz darauf, dieses Genre in Altena gut etabliert zu haben. Vor allem an die beiden Auftritte von Katja Ebstein (2002 und 2008) erinnert sie sich gerne zurück, weil man sich gegenseitig sympathisch war – „wir telefonieren immer mal wieder miteinander“, verrät Langos.

Natürlich gibt‘s auch andere – welche Stars ihr unsympathisch waren, verrät Barbara Langos nicht. Und: „Ich hoffe, dass ich Profi genug bin, dass die mir das nicht angemerkt haben“. Ob ein Künstler ein zweites Mal verpflichtet werde, hänge auf keinen Fall von ihrer persönlichen Sympathie-Skala ab, versichert sie – „das muss man trennen können“.

Ob Star oder nur Sternchen, ob nett oder Fiesling – jeder Künstler kann sich während seines Engagements in Altena liebevoller Zuwendung sicher sein. Wenn gewünscht, gibt‘s eine kleine Stadtführung, in der Garderobe stehen Obst, Getränke und Gebäck bereit – „wie eigene Gäste“ behandele sie die Künstler, verrät Langos.

Apropos Garderobe: „Ich habe den Hang, mich ständig für alles mögliche zu entschuldigen“, sagt die Kultur-Frau – die Künstlergarderobe in der Burg Holtzbrinck steht auf der Hitliste jener Dinge, die ihr schrecklich peinlich sind, ganz obenan. Sie versprüht den Charme der 70-er – Schränke aus weißen Spanplatten und mit längst schiefen Türen, ein mit grünem Samt bezogener Ruhesessel und eine Dusche, aus der nur kaltes Wasser kommt. Dass ihr neulich die Kabarettistin Katrin Wiedmann anvertraute, dass es anderswo noch sehr viel schlimmer sei, das ist für sie nur ein schwacher Trost.

„So vielfältig wie andere Menschen auch“ seien die Künstler – das hat Langos in ihren zehn Jahren als Kulturring-Geschäftsführerin längst gelernt. Da gibt es welche, die mit der Unterbringung im Hotel am Markt vollauf zufrieden sind, andere wollen luxuriöser wohnen und legen das im Vertrag auch fest – für Eva Mattes zum Beispiel ist ein Zimmer im Lüdenscheider Mercure-Hotel gebucht. Und dann gibt es ja noch die, die gar nicht erst kommen – längst nicht jeder Künstler stimme Auftritten in Altena oder anderen Städten der Provinz zu, weiß Langos.

Eva  Mattes hat mit der Kleinstadt keine Probleme – wie auch, immerhin ermittelt sie als Tatort-Kommissarin Blum im betulichen Konstanz. Nach Altena kommt sie mit dem Programm „Und über uns der Himmel“, über das das Fachmagazin „hörBücher“ schreibt: „Ganz gleich, ob Eva Mattes singt oder rezitiert – in beiden Fällen bewegt sie damit tief. Geschichten und Gedichte aus den großen Städten werden von ihr erzählt. Mal unglaublich melancholisch, analytisch distanziert oder mit dem Schalk im Nacken“. ▪ ben.-

Eva Mattes, „Über uns der Himmel“ am 17. April ab 20 Uhr im Burggymnasium. Karten unter 02352/209346

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