1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Neues Ticket, alte Probleme: Das sagt die heimische Politik zum 49-Euro-Ticket

Erstellt:

Von: Jona Wiechowski

Kommentare

Mehr als fünf Mal so teuer wie das 9-Euro-Ticket wird das 49-Euro-Ticket – und ist damit deutlich weniger attraktiv, finden mehrere Parteien im Kreis. Vielfach kritisiert wird zudem, dass das Angebot durch das neue Ticket im Kreis nicht besser wird.
Mehr als fünf Mal so teuer wie das 9-Euro-Ticket wird das 49-Euro-Ticket – und ist damit deutlich weniger attraktiv, finden mehrere Parteien im Kreis. Vielfach kritisiert wird zudem, dass das Angebot durch das neue Ticket im Kreis nicht besser wird. © © Andreas Rother

Bund und Länder haben sich auf ein 49-Euro-Ticket als Nachfolger für das in diesem Sommer sehr beliebte 9-Euro-Ticket geeinigt. Das kommt bei der heimischen Politik gut an. Verbesserungspotential ist dennoch ordentlich gegeben.

Märkischer Kreis – Denn klar ist: Besser werden die Anbindungen mit dem neuen, deutschlandweit gültigen Tarif hier im Märkischen Kreis nicht. Das sagen die Parteien.

CDU

Ralf Schwarzkopf, heimischer CDU-Landtagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtags, begrüßt das 49-Euro-Ticket. Wie schon das 9-Euro-Ticket bringe es Ordnung in das „Dickicht an Tarifen.“ Das habe das 9-Euro-Ticket bereits so attraktiv gemacht, schätzt er ein.

Für den Märkischen Kreis stellt Schwarzkopf eine „sehr gemischte Ausgangslage“ fest, mit vielen ländlichen Gebieten und den zwei größten Städten Iserlohn und Lüdenscheid. In diesen beiden Städten sei das Angebot attraktiv und richtig gut. „Aber wenn ich von Lüdenscheid nach Rönsahl möchte, bin ich wahrscheinlich den ganzen Tag unterwegs.“

Es sei aber „fast nicht leistbar“, überall attraktive Verbindungen zu schaffen, „ohne absurde Kosten zu verursachen“. Heißt für das neue Ticket: Ein Großteil des Geldes komme den großen Städten zugute, die bereits jetzt eine ganz gute Infrastruktur hätten. Als Beispiel nennt er die Landeshauptstadt Düsseldorf, in der er berufsbedingt häufig ist.

SPD

„Dass innovative, bezahlbare und unkomplizierte Mobilität möglich ist, hat das 9-Euro-Ticket im Sommer deutlich gezeigt“, ist sich Gordan Dudas sicher. Der SPD-Vorsitzender im Märkischen Kreis geht deshalb davon aus, dass das 49-Euro-Ticket die künftige Mobilität „einfacher und günstiger“ machen werde. Die grundsätzliche Einigung zwischen Bund und Ländern bestehe bereits. „Allerdings kann das 49-Euro-Ticket nur der Anfang für eine nachhaltige Verkehrswende sein“, erklärt Dudas und ergänzt: „Im nächsten Schritt gilt: Ein Euro pro Tag – ein Ticket für alle!“

Denn vor allem müssten Menschen mit wenig Geld in den Blick genommen werden. „Die NRW-Landesregierung ist hier in der Verantwortung, das neue Tarifmodell weiterzuentwickeln.“ Das Land Berlin habe genau das getan und schaffe das 29-Euro-Ticket. „Denn wenn man eine Verkehrswende politisch wirklich will, muss man sie auch finanzieren.“ Das gelte sowohl für Tarifpreise als auch für den Ausbau des Angebots sowie der notwendigen Infrastruktur.

Mit Blick auf den Märkischen sei natürlich auch ein Ausbau des ÖPNV-Angebots absolut unverzichtbar, damit das Angebot tatsächlich genutzt würde. Nur wenn Bus und Bahn auch regelmäßig fahren würden und die Verbindungen funktionierten, sei der ÖPNV für die Menschen attraktiv. Gestörte Bahnverbindungen wie derzeit im Volmetal bei der RB25 und RB52 seien da ein Riesenproblem. Aber auch nur wenige Male am Tag fahrende Busse in den kleineren Gemeinden seien letztlich keine wirkliche Alternative zum Auto. Dudas: „Daher muss neben dem finanziellen Anreiz eines vergünstigten Tickets durch eine auskömmliche Finanzierung das Angebot so gestaltet werden, dass die Menschen bei uns im Märkischen Kreis ein kundenfreundliches ÖPNV-Angebot auch tatsächlich nutzen können.“

Grüne

Die Kreis-Grünen begrüßen die erzielte Einigung zwischen dem Bund und den Ländern „natürlich sehr“. Denn: „Schon viele Jahre treten wir für dringend notwendige Verbesserungen im ÖPNV ein, um endlich eine echte Verkehrswende einleiten zu können“, heißt es in der Stellungnahme des Kreisvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen. „Die radikale Vereinfachung des Tarifsystems ist dazu ein sehr wichtiger Baustein, dies könnte flächendeckend eine tief greifende Veränderung des Mobilitätsverhaltens anstoßen.“

Ob nun der Preis von 49 Euro das letztgültige Optimum darstelle, könne sicher infrage gestellt werden und werde in Zukunft wohl noch zu diskutieren sein – „dies kann aber auch noch nach der Etablierung des Angebots geschehen“.

Darüber hinaus sehen die Grünen Verbesserungsbedarf – und zwar insofern, als dass Fahrräder mitgenommen werden dürfen. Denn das ist bisher bekanntlich nicht gegeben. „Wir hoffen, dass dies noch eingearbeitet werden kann.“

Und: Leider seien die vom Bund angebotenen zusätzlichen Regionalisierungsmittel nach Meinung der Grünen „kein großer Wurf“ – die im Raum stehende eine Milliarde Euro („für den MK könnte das auf grob etwa fünf Millionen Euro für Bus und Schiene hinauslaufen“) würden angesichts der aktuell schwierigen Situation der Verkehrsbetriebe kaum eine merkliche Verbesserung der ÖPNV-Verfügbarkeit vor Ort nach sich ziehen können, heißt es mit Blick auf ein steigendes Defizit.

FDP

Positiv sieht auch die FDP die Einführung des neuen Tickets. „Attraktiv, digital, einfach: Jetzt ist der Weg frei für die größte ÖPNV-Tarifreform in Deutschland. Noch nie war es für die Menschen in unserem Land so einfach, Bus und Bahn zu nutzen. Wir denken Mobilität neu und schützen das Klima durch attraktive Angebote“, zitiert die FDP „ihren“ Verkehrsminister Volker Wissing etwa auf ihrem offiziellen Facebook-Kanal. Eine Anfrage, wie die Kreis-FDP zum Thema steht, blieb zunächst unbeantwortet.

UWG

Steffen Wieland, Fraktionsgeschäftsführer der UWG- Kreistagsfraktion, hebt in einer Stellungnahme hervor, dass das 49-Euro-Ticket Bürgern deutschlandweite Mobilität zu einem deutlich reduzierten Preis ermögliche. „Weiterhin sorgt es dafür, dass die Kleinstaaterei der Verkehrsverbünde umgangen werden kann, weil ein zentrales Ticket für den Nahverkehr im ganzen Bundesgebiet gilt.“ Die unterschiedlichen Tarife und Ticketstrukturen der Verkehrsverbünde sorgten ausschließlich für Verwaltungsaufwand und seien für den Nutzer unübersichtlich.

Für Menschen mit geringen Einkommen sei das Ticket allerdings unattraktiv und biete keine verbesserte Mobilität. Wieland: „Das 49-Euro-Ticket wird auch aufzeigen, was gerade im ländlichen Gebiet im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs für Probleme vorliegen: Ein zu geringes und somit unattraktives Angebot. Es kann somit nur erfolgreich sein, wenn gleichzeitig auch ein vollumfassend ausgebauter ÖPNV vorhanden ist.“

Weiterhin merkt die UWG an: Der Märkische Kreis könne aufgrund seiner finanziellen Situation diese Maßnahme nicht alleine umsetzen. „Der Bund kann die Kreise und Kommunen mit diesem Ausbau nicht alleine lassen, wenn er den ÖPNV attraktiv haben möchte.“ Deshalb solle der Bund neben der Einführung des 49-Euro-Tickets, welches mehrere Milliarden an Steuergeldern kostet, diese Maßnahmen mitfinanzieren und die Kreise und Kommunen im Ausbau des ÖPNV, insbesondere von Bussen, so unterstützen. Denn eines sei klar: „Wer ein 49-Euro-Ticket anbietet, der muss auch dafür sorgen, dass Busse fahren.“

AfD

Klaus Laatsch, Fraktionsvorsitzender der Kreis-AfD, bezeichnet das 49-Euro-Ticket als an sich schön, denn es lichte den Tarif-Dschungel. Nun sei es deutlich einfacher, mit dem ÖPNV zu fahren – jedenfalls in Großstädten. „Das hilft uns hier nur bedingt weiter“, sagt er mit Blick auf den Märkischen Kreis. Morgens um 5 oder 6 Uhr bei der Arbeit sein – dafür sei man meist weiterhin aufs Auto angewiesen. Deswegen bringe das Ticket hier im Kreis auch nicht die erhoffte Entlastung für Pendler. Die müsse es nach Meinung von Laatsch an anderer Stelle geben. Er wünscht sich mehr steuerliche Erleichterungen für Pendler. Die Pendlerpauschale sei zwar angehoben worden, was aber nicht ausreichend sei. Ein großes Anliegen ist ihm auch, dass die Arbeiten an der A45-Sperrung beschleunigt würden, die aktuell eine große Belastung für Pendler darstelle.

Die Linke

Für die Partei Die Linke ist das Ticket zu teuer. Der wesentliche Erfolg des 9-Euro-Tickets liege nach Auffassung von Anja Claus, Fraktionsgeschäftsführerin der Kreis-Linken, darin begründet, „dass für diesen Preis praktisch jeder zugeschlagen hat“. Ein Preis von 49 Euro erreiche die breite Masse nicht. „Studien haben gezeigt, dass ein maximaler Preis von 29 Euro von viel mehr Menschen genutzt worden wäre, den steuerlichen Zuschussbedarf aber nicht erhöht hätte.“

Für die meisten bisherigen Nutzer sei das 49-Euro-Ticket natürlich eine Vergünstigung und somit ein Schritt in die richtige Richtung. „Gleichwohl werden wir unser Engagement für ein kostenfreies Schülerticket für alle Schülerinnen und Schüler im Märkischen Kreis jetzt mit etwas Rückenwind aus dem Bund fortführen“, erklärt Claus. „Um im ländlichen Raum überhaupt einen Nutzen von dem Ticket zu haben, muss allerdings auch das Angebot entsprechend verbessert werden.“ Statt im Nahverkehrsplan Linien zur Disposition zu stellen, solle über Taktverdichtung und bessere Anbindung der kleineren Städte und Gemeinden an die Mittelzentren nachgedacht werden.

Auch interessant

Kommentare