Neuer Lehrer hat schon am Polarkreis geforscht

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Rainer Vockenroth an der Wetterstation in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. –

ALTENA – „Schon als Kind war ich von Entdeckern und Abenteuern begeistert.“ Das Wettrennen von Roald Amundsen und Robert Scott zum Südpol 1911 habe ihn fasziniert, schwärmt Rainer Vockenroth. Der 42-Jährige ist einer der neuen Lehrer an der Eugen-Schmalenbach-Berufsschule in Altena. Dort unterrichtet er Mathematik und Physik.

Bevor er beschloss Lehrer zu werden, hatte der Diplom-Physiker schon viel von der Welt gesehen. So unternahm Rainer Vockenroth in den Jahren 2004 und 2005 eine zwölfmonatige Segelreise mit seiner damaligen Freundin und deren Schwester. „Wir sind rund um den Nordatlantik gesegelt“, erzählt der gebürtige Bremer, der seit eineinhalb Jahren in Letmathe lebt. „Mit einer elfeinhalb Meter langen Stahljacht ging es von Fehmarn zunächst zu den Kapverdischen Inseln. Von dort sind wird über den Atlantik in die Karibik gesegelt“, beschreibt Vockenroth die Reiseroute. „Über Neufundland, die Shetland-Inseln und Norwegen ging es schließlich zurück nach Fehmarn.“

An die beiden Höhepunkte der Reise erinnert er sich besonders gerne. „In New York vor der Freiheitsstatue entlangzukreuzen und in den Hafen einzulaufen – das war großartig“, erzählt er begeistert. Auch Selvagens, eine kleine Inselgruppe zwischen Madeira und den Kanaren hat es ihm mit ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit angetan. „Dort leben nur einige stationierte Wildhüter. Auf einer der Inseln steht das einsamste Postamt der Welt. Die Post wird nur alle drei Monate abgeholt“, sagt er schmunzelnd.

Nach seiner Rückkehr erfüllte sich Rainer Vockenroth einen weiteren großen Wunsch. „Ich wollte nach meinem Studium etwas machen, das draußen stattfinden, in der Natur – ich wollte forschen“, betont der 42-Jährige. Deshalb bewarb er sich beim Alfred-Wegener-Institut (Awi) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven – mit Erfolg. Er wurde Stationsleiter der deutsch-französischen Arktisstation in Ny-Ålesund auf Spitzbergen.

Dort, gerade einmal 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt, blieb Vockenroth von April 2006 bis Juni 2008 und erforschte das Wetter. Temperaturen, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck – über all dies führte der Diplom-Physiker genau Buch. „Schon seit 1961 werden in Ny-Ålesund Messungen durchgeführt“, weiß Vockenroth. Die vor Ort ermittelten Daten würden seitdem einen leichten Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur anzeigen. Diese Werte würden auch für den internationalen Klimabericht, der alle fünf Jahre vorgelegt wird (zuletzt 2009), verwendet.

Als einer von zehn Forschern aus aller Welt blieb Rainer Vockenroth das ganze Jahr über auf Spitzbergen. „Hinzu kamen rund 20 Menschen, die für die Infrastruktur sorgten, wie Köche und Mechaniker“, erzählt er. Mit den Kollegen habe es einen „intensiven sozialen Austausch“ gegeben. „Wir haben gemeinsam Sport getrieben, sind Ski gefahren, haben Ausflüge unternommen. Einige Kontakte bestehen sogar heute noch“, freut sich Vockenroth.

„Im Sommer kamen immer Forschungs-Projektgruppen. Da waren auf einmal für einige Wochen 200 Leute vor Ort“, sagt der Polarforscher. „Die haben beispielsweise das Brutverhalten von Eiderenten untersucht oder sich mit der Luftchemie befasst.“ Die Betreuung dieser Gruppen zählte ebenfalls zu Vockenroths Aufgaben. Hinzu kam die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So lernte er den damaligen deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und den norwegischen Außenminister Jonas Gahr Støre kennen. Auch Filmteams der Fernsehsendungen „Abenteuer Wissen“ (ZDF) und „Tiger entenclub“ (ARD) hätten die Station besucht, so Vockenroth.

Da sein Arbeitsvertrag befristet war, zog es ihn im Sommer 2008 zurück nach Deutschland. Dort fiel schon bald der Entschluss für einen neuen Beruf: Lehrer. „Ich hatte schon immer Freude am Vermitteln von Wissen“, betont Vockenroth. „Die zahlreichen Erfahrungen, die ich während meines Lebens bereits gesammelt habe, will ich weitergeben.“ – dr

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