Wohlfühlen trotz Dauerstress

Neue Rettungsleitstelle in Betrieb: großer Mehrwert für Team und Anrufer

Die große Medienwand in der Leitstelle ist von jedem der zehn Arbeitsplätze aus gut sichtbar.
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Die große Medienwand in der Leitstelle ist von jedem der zehn Arbeitsplätze aus gut sichtbar.

Dass Leitstellenchef Stephan Volkmann mächtig stolz und erleichtert ist, kann man kaum übersehen. Am 11. Mai ist der 51-Jährige mit „seiner“ Feuer- und Rettungsleitstelle in das neue Brandschutzzentrum Rosmart umgezogen.

Märkischer Kreis – Dort laufen die Notrufe aus dem Märkischen Kreis ein und werden von den Disponenten systematisch abgearbeitet. Nur noch wenige kleine Restarbeiten werden in der neuen Leitstelle erledigt. Die Technik funktioniert.

„Die Umstellung von der alten Leitstelle nach Rosmart kann man mit einer Herztransplantation vergleichen“, sagt Stephan Volkmann. „Alle Gewerke vom Telefon über Alarmierungssysteme und die Wachensteuerung bis hin zum Funk, mussten umziehen. Ich war sehr erleichtert, als die Alarmierung nach dem ersten Notruf funktioniert hat.“

Moderne Technik, detailverliebte Gestaltung

An der Richard-Schirrmann-Straße genießen die Mitarbeiter nun ein neues Arbeitsumfeld. „Sieben bis acht Disponenten arbeiten hier täglich im 24-Stunden-Dienst“, erklärt der Chef der Leitstelle. „In dieser Zeit arbeiten sie unter hohem Druck und müssen Höchstleistungen erbringen.“

Ein gutes Arbeitsumfeld, wie es in der neuen Leitstelle geschaffen wurde, helfe den Mitarbeitern dabei, sich zu konzentrieren. Es ist einer von vielen Fortschritten, die der Neubau möglich gemacht hat.

Höhenverstellbare Schreibtische und Monitore, bodentiefe Fenster, die den Raum mit Tageslicht fluten, eine leistungsfähige Klimaanlage, Deckenlampen, die die Arbeitsplätze individuell ausleuchten, Schallschutz-Elemente an den Wänden, die trotz fünf Metern Deckenhöhe für eine hervorragende Raumakustik sorgen: Das sind nur einige Teile des Arbeitsplatzkonzeptes, an dem Stephan Volkmann mitgewirkt hat.

Stephan Volkmann ist seit 2014 Chef der Feuer- und Rettungsleitstelle des Märkischen Kreises. Von 2006 bis 2009 war er in Lüdenscheid selbst in der Disposition tätig und zudem einige Jahre in den Berufsfeuerwehren Bochum und Hemer aktiv.

Damit man an jedem der zehn Arbeitsplätze in der Leitstelle schnell sehen kann, welche Einsätze gerade laufen, gibt es eine große Medienwand, die sich in mehreren Metern Höhe befindet. Darauf ist eine Übersicht abgebildet. „Bei Unwetter kann man auch zum Beispiel eine Wetterkarte darauf einblenden“, erklärt Volkmann.

„Ich bin dafür da, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und gut arbeiten können“, erklärt er. Seinen Auftrag hat er sehr ernst genommen und auf alle möglichen Details geachtet. Schon bei der Materialwahl für die Schreibtische fing das an: Warmes Holz ist es statt kaltem Weiß geworden, damit am Arbeitsplatz während der 24-Stunden-Schichten eine angenehme Atmosphäre herrscht.

Das Ohr ist wichtigstes Werkzeug

Von 2006 bis 2009 war Stephan Volkmann selbst in der Disposition tätig und weiß daher, worauf es ankommt. Im Gegensatz zu den Einsatzkräften, die vor Ort helfen, haben die Mitarbeiter der Kreisleitstelle weniger Möglichkeiten, Erlebtes zu verarbeiten.

„Im Einsatz nimmt man das Geschehen mit allen Sinnen wahr. Redet im Nachhinein darüber und verarbeitet so viele Erlebnisse“, erklärt Volkmann. In der Leitstelle sei das nicht so. Die Mitarbeiter können am Telefon nur zuhören, müssen wichtige Informationen filtern und verarbeiten.

Um abzuschätzen, welche Rettungskräfte benötigt werden, greifen sie auf eigene Einsatzerfahrungen und ihre Vorstellungskraft zurück. Eine weitere Belastung, betont Volkmann, denn „die Realität ist nie so schlimm wie die eigene Vorstellung“.

Arbeit hat sich verändert

In den vergangenen Jahren sei die Arbeit umfangreicher, zeitintensiver, zum Teil auch psychisch fordernder geworden. „Pro Jahr leiten wir am Telefon durchschnittlich 400 Reanimationen an. Mindestens eine pro Tag.“ Volkmann erinnert sich an die Weihnachtszeit, als er in die Leitstelle kam, um kurz nach dem Rechten zu sehen.

Einer seiner Kollegen hatte gerade die Wiederbelebungsmaßnahmen an einem Säugling angeleitet. „So etwas vergisst man nicht.“ Und doch: Wenn kurz darauf das Telefon klingelt, muss der Disponent sich schon voll auf den nächsten Fall konzentrieren.

Mit fünf Monitoren und einem Touchscreen ist jeder Arbeitsplatz ausgestattet. Im Hintergrund ist deutlich die Medienwand zu erkennen.

Von dieser Belastung brauche man Pausen. Deshalb gibt es in der neuen Leitstelle Aufenthaltsräume, in denen die Kollegen Erlebtes auch im gemeinsamen Gespräch verarbeiten können. Es gibt eine eigene Küche und einen Sportraum. Außerdem wurden Probleme behoben: So gab es in der alten Leitstelle am Dukatenweg in Lüdenscheid nur notdürftige Umkleideräume für Frauen.

Nun ist alles zeitgemäßer und wohnlicher gestaltet. Die Räume am Dukatenweg werden an die Lüdenscheider Feuerwehr zurückgegeben. Volkmann erinnert sich: „Als ich dort 2006 angefangen habe, hatte man die Leitstelle gerade von 12 auf 15 Mitarbeiter in der Disposition aufgerüstet – inzwischen sind wir 35.“

Fast 200 Einsätze pro Tag

Die Leitstelle auf Rosmart ist mit sieben bis acht Einsatzbearbeitern 24 Stunden an jedem Tag im Jahr besetzt. Einige Mitarbeiter halten sich in Bereitschaft, falls es zu größeren Einsatzgeschehen kommt. Acht weitere Mitarbeiter kümmern sich im Tagesdienst um die Verwaltung und um administrative und technische Angelegenheiten.

Pro Tag werden im Märkischen Kreis mit diesem Team rund 180 Einsätze disponiert und 500 Anrufe abgearbeitet, beziffert Volkmann.

Notstromversorgung durch riesige Akkus

Sollte es einen Stromausfall geben, kann das Gebäude auf Rosmart circa 45 Minuten mit dem Strom aus einem eigenen Akkusystem versorgt werden. Ein Notstromaggregat gibt es zusätzlich. „Die neue Wache ist eine Qualitätssteigerung für die Arbeitenden, aber auch für alle, die den Notruf wählen“, sagt der Leitstellenchef.

Besonders stolz ist er im neuen Gebäude auch auf den Schulungsraum. Dort gibt es sechs Plätze, an denen Mitarbeiter für die Verwendung des Einsatzleitsystems geschult werden. „Wir können hier neue Kollegen anlernen, Schulungen durchführen und für Einsätze proben, die sonst nicht so häufig vorkommen.“

Auf den Schulungs- und Besprechungsraum ist Stephan Volkmann besonders stolz: Dort kann unter anderem die Disposition von selteneren Einsätzen geprobt werden.

Sollten mehr Arbeitsplätze in der Disposition benötigt werden, kann man die sechs Plätze auch für das „Tagesgeschäft“ ertüchtigen. Bei schweren Unwetterlagen, Industriebränden oder anderen Großereignissen, kommt in dem Schulungsraum der Alarmierungskopf des Krisenstabes des Märkischen Kreises zusammen. Dieser beobachtet und beurteilt dann die Lage und informiert gegebenenfalls den Landrat.

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