Neubau in Altena

Millionenprojekt: Neue Kläranlage wächst schneller als geplant

Neubau Kläranlage Altena: Die Bauarbeiten liegen trotz Corona vor dem Zeitplan
+
Neubau Kläranlage Altena: Die Bauarbeiten liegen trotz Corona vor dem Zeitplan

14,5 Millionen steckt der Ruhrverband in eine Kläranlage, die Deutschland bislang einzigartig ist. Der Bau in Altena läuft besser als gedacht.

Altena – Harro Feckler blickt zufrieden um sich. Eine große Baustelle liegt vor ihm. Auf dem Gelände der Kläranlage am Pragpaul betritt der Ruhrverband Neuland. „Wir sind ganz gut vorangekommen“, findet der Regionalbereichsleiter. Seit gut einem Jahr finden an der Kläranlage am Ortsausgang Richtung Nachrodt umfangreiche Bauarbeiten statt. Und dabei ist manchmal viel Geschick und Geduld gefragt. Von einer Gesamt-Investition von rund 14,5 Millionen Euro sind bereits 3,6 Millionen Euro verbaut worden.

Für diese stattliche Summe errichtet der Ruhrverband am Standort der bisherigen Anlage einen Neubau, in dem nach Fertigstellung das in den Niederlanden entwickelte neuartige Nereda-Verfahren zur Abwasserreinigung angewandt werden soll, das in Altena das erste Mal in deutschlandweit zum Einsatz kommt.

Der Ruhrverband rechnet zudem mit einer Energieeinsparung von 30 Prozent sowie mit einem um etwa 75 Prozent reduzierten Bedarf an Fällmitteln für die chemische „Phosphatfällung“. Die Phosphate werden dabei entfernt, weil sie in Gewässern als Düngemittel wirken und eine unerwünschte Anreicherung mit Nährstoffen bedeuten. Auch die Ablaufwerte – also die Qualität des abgegebenen Wassers – , werden sich in der neuen Anlage voraussichtlich deutlich verbessern. Ein Überblick zum Stand des Projekts.

Neue Kläranlage in Altena: Was ist bereits geschehen?

Die Erneuerung des aus drei Schneckenpumpen bestehenden Hebewerks, über das das ankommende Abwasser zur Kläranlage befördert wird, ist weitgehend abgeschlossen. Auch die Rechen, die die groben Schmutzstoffe aus dem Abwasser entfernen, wurden ausgetauscht. Hatten die Rechen bisher eine Öffnung von 20 beziehungsweise 30 Millimeter, geht nun eine sogenannter Sieblochrechen zu Werke, der mit einer Öffnung von nur vier Millimetern wesentlich effektiver unerwünschte Feststoffe aus dem Wasser siebt.

Der neue Sandfangräumer ist ebenso wie eine neue Gebläsestation bereits in Betrieb. Einer der zwei Faulbehälter wurde abgerissen und an dessen Stelle ein Gebäude errichtet, das die Steuerungs- und Regeltechnik der gesamten Anlage sowie eine Trafostation zur Stromversorgung beherbergt.

Neue Kläranlage in Altena: Woran wird aktuell gearbeitet?

Auf der Freifläche zur Lenne hin entsteht derzeit das neue Becken mit drei Kammern von jeweils mehr als 1700 Kubikmetern Fassungsvermögen – das Herzstück der neuen Nereda-Anlage. Weil man es auf dem Gelände nicht nur mit Felsen, sondern auch mit Grundwasser zu tun hat, werden die drei Kammern mit einer Gesamthöhe von 7,30 Metern später fünf Meter in die Höhe ragen statt fast vollständig im Boden zu verschwinden. „Weiter herunter konnten wir nicht gehen“, berichtet Feckler.

Die neue Rechenanlage der Klärnalge in Altena präsentieren Harro Feckler (r.) und Betriebsmeister Hans-Joachim Hölter.

Mitte November wurde die Bodenplatte fertig betoniert. Dank reibungsloser Abläufe in der Bauvorbereitung und weil die Wetterverhältnisse günstig waren, liegen die Arbeiten „um einige Wochen vor dem Zeitplan“, wie der Regionalbereichsleiter berichtet.

Zwar hätten die coronabedingten Einschränkungen in den vergangenen Monaten für einigen organisatorischen Aufwand gesorgt, beispielsweise im Umgang mit den zum Teil aus dem Ausland stammenden Firmen. Aber: „Glücklicherweise gab es dadurch bisher keine zeitlichen Verzögerungen – im Gegenteil.“ Die Maschinen- und Elektrotechnik der mechanischen Abwasserreinigung (Zulaufpumpwerk, Rechen und Sandfang) befindet sich in der Fertigstellung.

Neue Kläranlage in Altena: Wie geht es weiter?

Sobald die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen, beginnt der Umbau der Vorklärbecken. Ab Mitte 2021 folgt die maschinen- und elektrotechnische Ausrüstung der Nereda-Anlage sowie die Verlegung der Rohrleitungen im Erdreich. Der Ruhrverband rechnet damit, dass bei einem weiter günstigen Bauablauf der Probebetrieb im Herbst starten kann.

Dieser wird von einem Monitoring begleitet, um nachzuweisen, dass die neue Kläranlage die Erwartungen erfüllen kann. Das Vorhaben wird nämlich auch in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro aus dem Innovationsprogramm des Umweltministeriums gefördert.

Es wird sich um eine Satelliten-Anlage handeln, die nicht mehr ständig besetzt ist. Sie wird künftig von Plettenberg aus gesteuert und überwacht, wo sich ein Betriebsschwerpunkt des Ruhrverbandes befindet. Von dort greift man auch auf die Anlagen in Neuenrade, Werdohl und Herscheid zu. Eine von ihnen wurde ebenfalls umfassend saniert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare