Pleiten, Pech und Pannen in Altena

Neue Fußgängerbrücke: Bauaktion endet im Desaster - das ist passiert

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Mitten in der Lenne standen die Mitarbeiter, um die Hilfskonstruktion für die Fußgängerbrücke aufzubauen.

Altena - Pleiten, Pech und Pannen: Den Versuch, eine Hilfskonstruktion für die neue Fußgängerbrücke zu errichten, musste das Ordnungsamt mitten in der Nacht abbrechen.

Der Plan, zwischen Markaner und Bahnhof eine neue Fußgängerbrücke zu errichten, droht zur unendlichen Geschichte zu werden. In der Nacht zum Donnerstag brach das Ordnungsamt den Versuch, eine Hilfskonstruktion für die Montage des Brückenkörpers zu bauen, vorzeitig ab, weil der Zeitplan dafür völlig aus den Fugen geraten war. 

Schon die Tatsache, dass diese Konstruktion überhaupt benötigt wird, zeugt von einer Fehlplanung. Ursprünglich war vorgesehen, dass ein 800-Tonnen-Kran den am linken Lenneufer lagernden Hauptteil der Brücke an seinen Platz heben sollte. Dann fiel auf, dass das nicht geht: Er hätte zu dicht an der Brücke über der Einmündung des Netter Baches gestanden, außerdem liegt in diesem Bereich eine Gasleitung – beides ist für eine solche Belastung nicht ausgelegt. 

Kran kann Brücke nicht bewegen

Also muss ein 300 Tonnen-Kran reichen. Der kann 300 Tonnen heben – aber nur, wenn sie direkt neben ihm liegen. Vom Standpunkt des Kranes am Markaner bis zur Brücke sind es gut 40 Meter. Bei dieser Entfernung reduziert sich die Hubkraft eines solchen Kranes auf etwa zehn Tonnen – viel zu wenig, um die Brücke zu bewegen.

Neue Fußgängerbrücke: Die spektakulären Nachtbauarbeiten in Bildern

Der neue Plan der Firma Rohlfing aus Ostwestfalen sieht deshalb so aus: Aus tonnenschweren Stahlträgern werden Böcke geschweißt und in die Lenne gestellt. Sie tragen weitere Stahlträger, auf denen das markanerseitige Ende des Bauwerks dann so weit über den Fluss geschoben wird, dass der Kran es packen und an seine endgültige Position heben kann. Soweit die Theorie. 

Perfektes Chaos

Der Versuch, sie in die Praxis umzuheben, endete desaströs. Zwei Stunden werde die Aktion dauern, hatte die Firma Rohlfing im Vorfeld mitgeteilt und eine Sperrung der Lennepromenade ab 23 Uhr beantragt – dann fährt der letzte Bus. Eingesetzt wurde ein 200-Tonnen-Kran, der von einem zweiten, großen Lkw begleitet wurde, auf dem 54 Tonnen schwere Gegengewichte transportiert wurden. Die werden gebraucht, um den sicheren Stand des Autokranes zu gewährleisten.

Er war gegen 23.45 Uhr einsatzbereit. Dann brach das aus, was die meisten Beobachter als das perfekte Chaos empfanden: Deutlich über eine Stunde dauerte es, bis das erste von insgesamt zwölf angelieferten Teilen platziert war. 

Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätte die Aktion spätestens um 2.15 Uhr beendet sein müssen – zu diesem Zeitpunkt waren die Mitarbeiter der Firma Rohlfing gerate mit der Montage von Bauteil Nummer drei beschäftigt. Ihr Vorgehen erschien den anderen Beteiligten völlig planlos. 

Lkw kurios beladen

Für erhebliche Verzögerungen sorgte beispielsweise die Tatsache, dass der Lkw, der die Stahlträger anlieferte, so beladen worden war, dass Teile, die mit als erstes benötigt wurden, ganz unten lagen. Deshalb mussten einige Träger auf der Straße „geparkt“ werden, die dabei auch noch Schaden nahm. 

Versäumt wurde auch, die zu verbauenden Teile zu markieren. So mussten die Träger vor Ort vermessen werden, um die richtigen zu finden, Auch das nahm viel Zeit in Anspruch – auch deshalb, weil sich zunehmend Nervosität bemerkbar machte. 

Wegen Bussen: Aktion abgebrochen

Gegen 4 Uhr brach Florian Splitt-Meyer vom Ordnungsamt die Aktion ab. Das war der letztmögliche Zeitpunkt, weil die Montage während der Zeit erfolgen musste, in der keine Busse fuhren. Um 4.41 Uhr fährt die MVG den Markaner zum ersten Mal an, bis dahin musste der Kreisverkehr geräumt sein. 

Die Rampe, auf der die Brücke verschoben werden soll, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig – es muss also einen zweiten, nächtlichen Einsatz geben. Wann der erfolgen wird, ist noch nicht klar. 

Neues Problem aufgetaucht

Außerdem ist bereits das nächste Problem erkannt: Die Brücke hat sozusagen Gewichtsprobleme. Das liegt am elegant geschwungenen Brückenbogen, der bewusst nicht im 90 Grad-Winkel montiert wurde, sondern nach hinten geneigt ist. Das macht der Prüfstatikerin Kummer, die das Bauwerk abnehmen musste. Im fertigen Zustand werden Betonplatten, die als Belag auf die Brücke kommen, das erforderliche Gegengewicht bilden. Bis sie montiert sind, muss die Brücke allerdings in irgendeiner Form auf ihren Widerlagern fixiert werden.

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